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Stadt Kempen
Mit guter Einweisung sicher fahren

Stadt Kempen: Mit guter Einweisung sicher fahren
Pedelecs und E-Bikes müssen regelmäßig aufgeladen werden. Markus Claassen zeigt die Rad-Tankstelle vor dem Edeka-Markt am Hessenring. FOTO: kaiser
Stadt Kempen. Fahrradfahren mit dem unterstützenden Elektroantrieb ist beliebt. Aber die Unfallzahlen steigen in diesem Bereich. Von Bianca Treffer

Im Jahr 2015 verzeichnete die Polizei im Kreis Viersen 24 Unfälle mit Pedelec-Fahrern. Im vergangenen Jahr waren es 34 und im ersten Halbjahr 2017 kam es bereits zu 16 Unfällen. Ein Jahr zuvor waren es im gleichen Zeitrahmen zwölf Unfälle. Aktuell gab es bei den gemeldeten Vorfällen 17 verunglückte Personen, davon gehörten 13 den Senioren an, zu der die Polizei Frauen und Männern ab 65 Jahren zählt. Auch bei den Zahlen von 2016 führen die Senioren die Gruppe an: Es gab insgesamt 37 Verletzte, von denen 21 älter als 65 Jahre waren. 20 Mal waren Radfahrer die Verursacher, 13 Mal Autofahrer, und einmal lag eine andere Unfallursache vor.

Die Zunahme der Pedelec-Fahrer am Straßenverkehr ist steigend, insbesondere Senioren greifen gern auf die Fahrräder mit Tretkraftunterstützung in Form eines Elektromotors zurück. Die Vorteile liegen auf der Hand: Mit ihnen können größere Touren ohne übermäßige Kraftanstrengung unternommen werden, wer damit zur Arbeit fährt, kommt nicht verschwitzt an, der Gegenwind verliert seinen Schrecken, und Steigungen können dank des Elektromotors problemlos und ohne größere Anstrengungen überwunden werden. Um die Vorteile eines Pedelec ungetrübt genießen zu können, sollten sich Interessenten beim Kauf Zeit nehmen.

"Vom Fahrverhalten ist ein Pedelec wie ein normales Rad. Das Handling ist nicht anders, wenn das Rad gut angepasst ist", sagt Markus Claassen vom gleichnamigen Radsportgeschäft in Kempen. Das bedeute im Umkehrschluss auch sicheres Fahren, ergänzt der Fachmann. Für Claassen fängt dies schon beim Bremsen an. Wer sein Leben lang ein Fahrrad mit einer Rücktrittbremse gefahren hat, der sollte das auch beim Pedelec beibehalten und nicht plötzlich neben der neuen Tretkraftunterstützung auch noch auf ein Modell mit Freilauf zurückgreifen. Das könnten nämlich im Fall der Fälle die entscheidenden Sekunden sein. Der Radler tritt nach hinten um zu bremsen und es kommt nichts. Die Schrecksekunde ist groß und bis sich jemand auf die Handbremsen besinnt können zwei oder drei Sekunden vergehen. Eventuell Zeit, in der ein Unfall hätte vermieden werden können. Sicherheit bringt auch die Tatsache, dass gute Räder beim Aufsteigen nicht auf den allerersten Druck der Pedale mit der Tretkraftunterstützung reagieren, sondern erst nach einer Viertelumdrehung. So kann in Ruhe aufgestiegen werden. Bei einer fachlichen Einweisung samt einer Probefahrt sind das alles Punkte, die für spätere Sicherheit bei der Teilnahme im Straßenverkehr sorgen. "Wir bieten gerne auch ein Fahrtraining an, wenn es gewünscht ist", sagt Claassen. Wenn man auf sein Pedelec steigt, bei dem die Schaltung noch von der letzten Fahrt im vierten oder fünften Gang steckt und es kommt zu einer entsprechend schnellen Beschleunigung durch die Tretkraftunterstützung, dann braucht sich keiner zu wundern. Das Rad merkt, es tritt jemand gegen extremen Widerstand an und will dementsprechend unterstützen. Dem kann man allerdings aus dem Weg gehen. "Mittelmotoren sind vom Fahrverhalten generell neutraler. Ein Frontmotor hat eine unsensiblere Unterstützung, er zieht sofort an. Wobei ich immer sage, ein Rad muss von einem Motor nicht gezogen, sondern geschoben werden", sagt Markus Claassen. Auf die Motorform sollte daher beim Kauf geachtet werden, denn deren Sensoren spielen eine entscheidende Rolle. Der Frontmotor misst nur die Pedalbelastung. Der Mittelmotor arbeitet hingegen mit drei Werten. Neben der Pedalbelastung ist dies die Geschwindigkeit, in der ein Fahrer tritt. Dazu kommt, wie schnell sich das Hinterrad bewegt. Aus allen drei Komponenten errechnet er die benötigte Unterstützung durch den Motor. Doch nicht nur dieser Punkt spielt beim Kauf eines Pedelecs eine Rolle. Das Rad muss passen, das heißt, die richtige Rahmengröße ist ein Muss. Und nicht zuletzt sollte ein jeder, der auf ein Fahrrad steigt, egal, ob Pedelec oder normaler Drahtesel, einen Fahrradhelm aufsetzen. Denn der kann im Falle eines Unfalles das Leben retten. Eine jährliche Inspektion wird empfohlen. Pedelecs sind weiterhin gefragt: "Durchschnittlich jeder fünfte Kunde entscheidet sich für eine solche Variante", sagt der Zweiradmechaniker-Meister.

Quelle: RP
 
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