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Gemeinde Grefrath
Mozart würde heute Jazz-Musik machen

Gemeinde Grefrath. (tre). Wenn der internationale Weltfrauentag mit der Kultur am Montag der Grefrather Buchhandlung von Karl Groß zusammentrifft, dann kann das nur zwei Dinge bedeuten. Ein ganz besonderes Programm und ein ausverkauftes Haus, bei dem die Frauen eindeutig die Überzahl bilden. Und genau so war es auch. Rund 100 Besucher, überwiegend Frauen, hatten sich am Montagabend in der Buchhandlung eingefunden und lauschten einem Doppelgenuss. Eva Baronsky las, begleitet von dem bekannten Pianisten Andreas Hertel, aus ihrem Debütbuch "Herr Mozart wacht auf" vor.

Stimmungsvoll war das Ambiente. Vor dem abgedunkelten Schaufenster stand das schwarze Klavier, ein dreiarmiger Leuchter mit brennenden Kerzen darauf und daneben ein alter Notenständer, ebenfalls von Kerzenlicht beleuchtet, der als Vorleseplatz für Baronsky diente. So eingestimmt, ging es dramatisch los.

Wolfgang Amadé Mozart liegt auf dem Sterbebett. Sofie und Constanze pflegen ihn hingebungsvoll, doch Mozart spürt, dass es mit ihm zu Ende geht. Mal untermalt von den Klaviertönen, dann wieder allein nur ihre Stimme, die 41-jährige Autorin brachte Spannung hinein. Stille herrschte in der Buchhandlung, selbst die Rotwein- und Prosecco-Gläser verharrten ruhend in den Händen der Gäste.

Dann auf einmal ist die Mattigkeit von Mozart verschwunden, er fühlt sich, als wäre er nur einen Augenblick eingeschlafen, die Krisis scheint vorüber. Doch es herrschen Unstimmigkeiten. Was trägt er nur an Bekleidung? Was ist mit dem wunderschönen weißen Papier auf dem Tisch, wo ist die Feder, das Tintenfass? Dem Mann, der sich Mozart nennt, wird klar. Er ist in einer anderen Zeit gelandet und zwar im Jahr 2006. Herzliche Schmunzler beim Testen des dehnbaren Gummibandes von Mozarts Hose, ein Phänomen, das dem vor 200 Jahren lebenden Mann, völlig unbekannt ist. Dann merklich zu spürende Anspannung im Publikum als Baronsky mit eindringlicher Stimme Mozarts Drang zum Komponieren wiedergibt. Er will sein Requiem beenden.

Baronsky ließ Mozart in einer ihm völlig fremden Zeit auftauchen und ließ ihn auch seine Musik verändern. "Ich habe mich gefragt, welche Musik er in der heutigen Zeit gemacht hätte und bin mir sicher, er wäre mit seiner Fähigkeit als Improvisator beim Jazz belandet", erklärte Baronsky.

Wie das Aussehen könnte erfuhren die Besucher nicht nur anhand von Worten, sondern auch musikalisch. Hertel, der renommierte Jazzpianist aus Wiesbaden, ließ die Musik Mozarts gekonnt in den Jazz abgleiten und schuf etwas neues, einzigartiges, das bei den Besuchern bestens ankam. Die beiden bildeten ein eingespieltes Duett, dass Vorlesekunst gekonnt mit Musik vereinte. Ein Kunstgenuss der etwas anderen Art, der bestens ankam.

Quelle: RP
 
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