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Stadt Kempen
Musik des Engländers Richard Dering

Stadt Kempen. Es gehört zum Konzept der Kempener Sommerserenaden, dass die Zuhörer vorher nicht so recht wissen, wer auftritt und was geboten wird. Neu war, dass auch die Mitwirkenden überrascht wurden. Zwar stand das Programm schon länger fest. Aber dass englische Musik durch den Brexit eine unerwartete Aktualität bekommen würde, war bei der Planung von keinem Beteiligten vorauszusehen. Von Gert Holtmeyer

Christian Gössel, Organist der Propsteikirche, hatte drei Sängerinnen und vier Sänger in "seine" Kirche eingeladen, um an den englischen Renaissance-Komponisten Richard Dering zu erinnern. Der wurde um 1580 geboren und lebte bis 1630. Damals erlebte England eine kulturelle Blütezeit, schließlich fällt in diese Epoche auch das Schaffen von William Shakespeare.

An den genialen Theatermann aus Stratford-upon-Avon erinnerte Tom Lehnen mit Sonetten, unter anderem mit dem melancholischen Herbstgedicht Nr. 73 ("Jene Jahreszeit darfst du in mir betrachten"). Überhaupt stand die englische Dichtung vor 400 Jahren auf einem hohen Niveau. Das war auch Sonetten wie "Batter my heart" von John Donne deutlich anzumerken. Gut war es, die Gedichte in zwei Sprachen vorzutragen, in Deutsch fürs Textverständnis und in Englisch, um den markanten Sprachrhythmus wahrzunehmen.

Richard Dering schuf mit seinen dreistimmigen Motetten Werke von herber Strenge und großer Eindringlichkeit. Sie sind nicht leicht zu singen. Die Stimmen werden sehr selbständig (polyphon) geführt. Da kann sich bei einer kleinen Besetzung mit drei Frauenstimmen, zwei Tenören und zwei Bässen keiner hinter dem anderen verstecken. Umso mehr ist zu würdigen, dass Christoph Gössel kein seit Jahren feststehendes Ensemble zur Verfügung stand. Er hatte aus befreundeten Sängern in kurzer Zeit ein homogenes Ensemble geformt. Die Sicherheit aller Beteiligten war beachtlich.

Dezent unterstützt wurden die Sänger durch die kleine Chororgel, von der aus Gössel das Vokalensemble leitete. Für instrumentale Tiefe sorgte Christoph Dalitz auf der Theorbe. Er bewährte sich als zuverlässiger Begleiter und steuerte auch mit einer Toccata und einer Corrente aus dem Jahre 1623 zwei reizvolle Solostücke für sein Instrument bei.

Den erfreulich zahlreich gekommenen Besuchern gefiel das Konzert, was dem langen und herzlichen Beifall unschwer anzumerken war. Fortsetzung folgt, am nächsten Mittwoch geht's weiter.

Quelle: RP
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