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Gemeinde Grefrath
Nachts im Museum

Gemeinde Grefrath: Nachts im Museum
Kevin Gröwig vermittelte den Besuchern auf unterhaltsame Weise den Aberglauben aus vergangenen Zeiten. FOTO: wolfgang kaiser
Gemeinde Grefrath. Einen spannenden Abend erlebten die Besucher im Niederrheinischen Freilichtmuseum. Kevin Gröwig führte bei Einbruch der Dunkelheit durchs Museum und stellte nachtaktive Gestalten vor. Von Bianca Treffer

Kaum brennt die Flamme in der Feuerhand, hebt Kevin Gröwig die Öllaterne auch schon hoch. "Die Dunkelheit ist eigentlich nur eine optische Wahrnehmung von wenig Licht. Die Sonne verschwindet hinter dem Horizont. Die Dunkelheit ist der Eigenschatten der Erde", erklärt der stellvertretende Museumsleiter den 16 Besuchern, die sich auf dem Gelände des Niederrheinischen Freilichtmuseums eingefunden haben. Und damit ist er auch schon mitten im Thema.

Unter dem Titel "Im Dunkel der Nacht - Abendführung durch das Museum" geht es erstmalig um die nachtaktiven Gestalten, die mit Einbruch der Dämmerung aktiv werden. Gröwig erinnert daran, dass die flächendeckende Straßenbeleuchtung erst im 19. Jahrhundert ihren Einzug hielt. Einst war es vorgeschrieben in der Dunkelheit eine Pechfackel oder eine Lampe mit sich führen. "Wer dies nicht tat, war verdächtig und damit kein rechschaffender Bürger", bemerkt Gröwig, während er, die Lampe tragend, zum Grenzstein auf dem Museumsgelände wandert. Um diese Steine, die ein besonderes Merkmal in der Landschaft darstellen, ranken sich die Mythen. "Wer zu Lebzeiten die Grenzsteine versetzte oder über sie hinüber pflügte, der kam als Feuermann wieder. Ein Wiedergänger in Form eines Gerippes, aus dem Flammen schlugen", sagt Gröwig und taucht in die Mythologie ein.

Bei Nacht und Nebel muss ein Feuermann den Weg zeigen, aber wehe dem, der ihm dies nicht mit einem "Gott, sei dir gedankt" oder "Vergelt's Gott" dankte. "Der bekam eine Ohrfeige oder der Feuermann zündete sein Haus an", sagt Gröwig. Er beschreibt aber nicht nur den Feuermann eindrucksvoll. Auch die Irrlichter, bei denen es sich um verstorbene, ungetaufte Kinder handelt, werden dank seiner Schilderungen vor den Augen der Besucher sichtbar. Die Irrlichter, in Form von blauen Flämmchen, die auf Friedhöfen und Sümpfen ihr Unwesen treiben und Menschen in die Irre führen, lassen in der sich herabsenkenden Dämmerung ein leichtes Gruseln aufkommen.

Dass der Schatten den kleinen Bruder der Dunkelheit darstellt, die Schattenwelt das Reich der Toten ist oder was es mit Sprichwörtern wie "Etwas wirft seinen Schatten voraus" auf sich hat - Gröwig weiß vieles auf spannende und unterhaltsame Art zu berichten. Wer bis dahin noch nicht wusste, was sich hinter dem Begriff Ombromanie versteckt, lernt, dass es sich um das Schattenspiel mit den Händen handelt, bei dem verschiedene Figuren dargestellt werden. Wie das aussieht verdeutlicht Gröwig mit Karten aus dem Spielzeugmuseum, die genau vorgegeben, wie die Hände geformt werden müssen, damit im Licht der Taschenlampe Pferde, Hähne und Enten über die Wände der Scheune laufen, wo die Besucherschar inzwischen angekommen ist. Eine Gänsehaut gibt es in der Kutschenremise. Auf dem dort stehenden pechschwarzen Leichenwagen, den einst die Pferde zogen, brennen zwei rote Grabkerzen. Geheimnisvoll flackernde Lichter im Dunkel der Remise. Gröwig erzählt vom Nachzehrer, dem nachgesagt wurde, dass er ganze Familien auslöschen konnte. "Im 16. Jahrhundert sind viele Gräber geöffnet worden, weil die Menschen ein Schmatzen aus dem Grab hörten, was ein Zeichen für einen Nachzehrer war", berichtet er und verrät im gleichen Atemzug, wie dem Einhalt geboten wurde.

An der Hofanlage Rasseln ist Fenstergucken angesagt. Der Blick mit der Taschenlampe ins Innere zeigt, wie sich Menschen einst vor bösen Geistern schützten. Wer hineinleuchtet, blickt direkt auf Bilder von Jesus und Marie sowie einen Spiegel, der ebenfalls direkt gegenüber den Fenstern angebracht ist. Fiel der Blick des bösen Geistes darauf, so suchte er das Weite. "Ein Kreuz samt geweihtem Buchsbaum waren auch sehr beliebt", berichtet Gröwig. Weil Buchsbaum vor Geistern und Dämonen schützen sollte, gab es daher auch viele Buchsbaumhecken in den Gärten.

Herzliches Lachen ist zu hören, als Gröwig die damaligen Tipps gegen den Alp verrät. Die reichen von Schuhe falsch herum vors Bett stellen bis hin zum Schlüsselloch verstopfen. Die Tiere der Nacht erwachen im Freilichtmuseum ebenfalls zum Leben. Auch wenn keine Eule gesichtet wird, so sind die Schilderung von Gröwig so lebendig, dass sich ein jeder den lautlosen Flug bestens vorstellen kann. In der Schnapsbrennerei kommen indes die Hausgeister zur Sprache. Und weil man diese am besten mit einem Schnäpschen besänftigen konnte, gibt es einen solchen für alle Teilnehmer zum Abschluss der eindrucksvollen Tour.

Quelle: RP
 
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