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Kempen
Naturbiotop in der Clörather Mühle

Kempen: Naturbiotop in der Clörather Mühle
Ludwig Mertens in seiner "Oase": Der Garten der Clörather Mühle ist naturbelassen. Und das sei gut so, findet Mertens. FOTO: Kallianteris Iota
Kempen. Ludwig Mertens wohnt mit seiner Familie in der 700 Jahre alten Kornmühle. Dort will er Lebenskreisläufe erhalten und hat darum keinen durchgeplanten Garten: Er lässt der Natur ihren Lauf und greift nur selten ein. Von Jiota Kallianteris

Viersen Bereits der Weg zur Clörather Mühle entschleunigt den Besucher. Vorsichtig fährt man an Spaziergängern und Radfahrern vorbei, genießt die Landschaft mit Blick über Wiesen, gesäumt von Kopfweiden. Irgendwann gabelt sich dann der Weg, und es geht in einem sanften Bogen weiter zur Clörather Mühle - einer alten Kornmühle mit einer über 700-jährigen Historie. Und das fühlt man auch an, wenn man durch den schmalen und dicht bewachsenen Eingang in den Hof des zweigeschossigen Fachwerkbaus fährt.

Überall springt einem Vegetation entgegen: Es grünt und blüht. Für manchen Besucher ist es ein erhebender Anblick, die Natur in ihrer Ursprünglichkeit und ohne Zwänge wachsen zu sehen. Es gibt keine Beete, keine Anordnung von Sträuchern, Büschen oder Bäumen. Alles scheint trotzdem - oder gerade deswegen - richtig und geordnet an seinem Platz zu sein. Man fühlt sich "natürlich" wohl inmitten dieser Idylle.

Ludwig Mertens wohnt dort mit seiner Familie und führt durch die alte Kornmühle mit dem eingehausten Mühlrad. Danach geht es hinaus in die üppige Landschaft. "Ich lasse alles zum größten Teil so wachsen, wie die Natur es will. Überall sieht man große Felder mit Monokulturen. Hier möchte ich Gegenpole setzen und der heimischen Flora und Fauna Biotope zur Verfügung stellen", sagt Mertens. Es sei ungemein wichtig, möglichst natürliche Lebenskreisläufe zu erhalten und so mähe er auch nur zwei Mal im Jahr. "Das nennt man extensive Bewirtschaftung", erklärt der 55-jährige Naturliebhaber. Er erfreut sich an seinem Garten, auch wenn er viel Arbeit bedeutet. "Hier gibt es eine Obstwiese mit Apfel-, Birnen, Wallnuss-, Kirsch-, Pflaumen-, Quitten- und Mirabellenbäumen", berichtet Mertens stolz. Besonderen Spaß habe er auch an der Ernte der Früchte.

Darüber hinaus habe er Wildblumen in die Wiesen eingesät und viele Kräuter gepflanzt. "Aus frischen Pfefferminzblättern mache ich schmackhaften Tee." Alles darf und soll hier so wachsen, wie es will.Insekten sind willkommen, zeugen sie doch von der Gesundheit der Natur. "Leider habe ich festgestellt, dass es immer weniger werden", so Mertens besorgt. "Ich habe dieses Jahr kaum Libellen und Schmetterlinge gesehen, aber auch Schwalben schon ewig nicht mehr - ebenso wie Störche." Die sich ausweitende industrialisierte Nutzung der Ackerflächen könne ein Grund dafür sein, vermutet Mertens. "Der Nitratgehalt im Grundwasser ist in den Jahren von 1960 bis 2010 von 50 auf 200 Milligramm pro Liter gestiegen." Das sei sehr Besorgnis erregend. Auch darum "beschäftige ich mich zurzeit mit dem heimischen Weißdorn. Die Hecken bilden hervorragende natürliche Biotopverbundlinien, sodass Vögel, Insekten und andere Tiere die Möglichkeit haben, von einem Biotop zum nächsten zu gelangen", berichtet Mertens. So werde die Arterhaltung bestmöglich gewährleistet.

Er wünscht sich, dass jeder Gartenbesitzer ein kleines Biotop in seinem Garten entstehen lässt. Denn ein Insektensterben kann das Ökosystem erheblich stören, die Folgen für uns Menschen wären ziemlich fatal

Quelle: RP
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