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Stadt Kempen
Naue: Fenster ist einen Spalt geöffnet

Stadt Kempen: Naue: Fenster ist einen Spalt geöffnet
Der ehemalige Zechenturm ist ein Symbol des Bergbaus in Tönisberg. Der Zechen-Förderverein will ihn unbedingt erhalten. FOTO: Kaiser
Stadt Kempen. Die Sorgen in der Kempener Politik sind groß, dass Tönisberg nach dem Wegzug der Firma Naue im Jahr 2017 einen Gewerbestandort verliert. Die Stadt verhandelt mit der Bezirksregierung. Von Andreas Reiners

Spätestens seit der Ankündigung der Firma Naue im Sommer, den Standort auf dem Gelände der ehemaligen Schachtanlage Niederberg IV in Tönisberg aufgeben und die Produktion von Spezialfolien voraussichtlich im Jahr 2017 am Firmenhauptsitz in Espelkamp zusammenführen zu wollen, gibt es in der aktuellen Diskussion um eine künftige Nutzung des früheren Zechenareals eine neue Ausgangslage. Das wurde bereits in der jüngsten Sitzung des Denkmalausschusses des Kempener Stadtrates deutlich, das wurde auch am Montagabend im Ausschuss für Umwelt, Planung und Klimaschutz diskutiert.

Wie berichtet, setzt sich vor allem die CDU-Ratsfraktion dafür ein, dass die Stadt alle Möglichkeiten ausschöpfen solle, den Gewerbestandort nach dem Wegzug von Naue für Tönisberg zu sichern. Ein entsprechender Antrag wurde mit breiter Mehrheit - bei Enthaltung der Grünen und des Planungsausschuss-Vorsitzenden Prof. Dr. Detlef Krahé - im Ausschuss angenommen. Gleichwohl wird durch diesen Handlungsauftrag die Argumentationslage der Stadtverwaltung nicht leichter. Denn, so machte der Technische Beigeordnete Stephan Kahl nur allzu deutlich, die Situation ist rechtlich betrachtet kompliziert. Naue produziert mit einer Ausnahmegenehmigung auf dem Zechengelände. Das Unternehmen würde an seinem jetzige Standort heute keine Produktionsgenehmigung mehr erhalten. Das gilt demnach auch für Betriebe, die sich nach dem Naue-Wegzug dort ansiedeln wollten.

Um den Gewerbestandort der Firma Naue wird derzeit in der Politik gerungen. Wenn Naue 2017 die Produktion auf dem Wartsberg aufgibt, soll der Standort für eine neue Firmenansiedlung erhalten bleiben. FOTO: Kaiser

Allerdings, so Kahl im Ausschuss, habe die zuständige Bezirksregierung in Düsseldorf, "das Fenster einen Spalt breit geöffnet". Es sei der Stadt gelungen, "nach intensiven Gesprächen" ein Zugeständnis der Bezirksregierung zu erreichen. Das gibt der Politik Hoffnung. Insbesondere die beiden CDU-Stadtverordneten aus Tönisberg, Rita Ulschmid und Bernd Fröchtenicht, sind - wie berichtet - in Sorge, dass der Gewerbestandort nach dem Naue-Wegzug verloren gehen könnte. Beigeordneter Kahl betonte im Ausschuss, dass landesplanerisch unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit besteht, auf Industriebrachen - das wäre das Zechengelände nach dem Wegzug von Naue - neues Gewerbe anzusiedeln. Allerdings muss vor Ort in Tönisberg ein Bedarf vorhanden sein und nachgewiesen werden. Ein Abziehen von Unternehmen aus anderen Städten oder Gemeinden soll aus Sicht des Landes damit verhindert werden.

Unüberwindlich scheint diese Hürde nicht zu sein. Das ließ Dezernent Kahl durchblicken. Er sieht in diesem Zusammenhang auch Perspektiven für eine neue gewerbliche Nutzung eines Teils der unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Zechengebäude. Allerdings schränkte Kahl auch gleich ein: "Eine Perspektive für das Fördergerüst sehe ich dabei nicht."

Gerade daran arbeiten bekanntlich der Zechen-Förderverein um Peter Kunz und der Bezirksverband des Naturschutzbundes Nabu. Letzterer könnte sich auf dem Gelände ein Umweltzentrum vorstellen, wie der Nabu es am Hülser Berg oder mit dem Naturschutzhof im Sassenfeld in Lobberich bereits betreibt. Die Zukunft des Geländes auf dem Wartsberg ist Thema eines Treffen am 17. Dezember im Kempener Rathauses, an dem neben Stadt, Kreis, Bezirksregierung, die Ruhrkohle AG, das Bauministerium, das Rheinische Denkmalamt, die Kempener Politik, Zechen-Förderverein, Nabu und andere beteiligte Organisationen teilnehmen werden.

Quelle: RP
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