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Stadt Kempen
Neubau greift historisches Vorbild auf

Stadt Kempen: Neubau greift historisches Vorbild auf
Auf diese Variante für einen Neubau auf dem Postgelände an der Ecke Thomasstraße/Moorenring einigte sich die Politik im Denkmalausschuss. Sie greift städtebaulich die ursprüngliche Gestaltung an dieser Stelle auf. FOTO: Architekturbüro Neuhoff
Stadt Kempen. An das ehemalige Mädchengymnasium erinnert an der Thomasstraße in Kempen nur noch eine Wandmalerei. Es wurde in den 1960er-Jahren durch den Post-Zweckbau ersetzt. Der geplante Neubau nimmt die Architektur von damals auf. Von Andreas Reiners

Da geriet Prof. Kunibert Wachten geradezu ins Schwärmen. Der renommierte Architekt und Stadtplaner stellte am Montagabend in der Sitzung des Kempener Denkmalausschusses die Ergebnisse eines städtebaulichen Workshopverfahrens für den geplanten Neubau an der Ecke Thomasstraße/Moorenring am Rande der Kempener Altstadt vor. Wie bereits mehrfach berichtet, plant das Grefrather Immobilienunternehmen Fabri & Reuter als Investor an dieser Stelle ein neues Wohn- und Geschäftshaus. Dazu soll der Post-Zweckbau abgerissen werden. Der Investor hatte sich gemeinsam mit dem von ihm beauftragten Architekturbüro Uwe Neuhoff aus Hüls bereit erklärt, sich auf das von der Stadt vorgeschlagene städtebauliche Workshopverfahren einzulassen.

Dieses Verfahren hatte die Stadt bereits für die geplante Neubebauung an der westlichen Seite der Ellenstraße in der Altstadt praktiziert. Auch da war Prof. Wachten vom Büro Scheuvens & Wachten aus Dortmund als Experte und Moderator mit im Boot. Für das sensible Eckgrundstück gegenüber der Kempener Burg und der Villa Horten wollte die Stadt ebenfalls auf Nummer sicher gehen. Der Investor nahm das Angebot gerne an. Und der Planungsentwurf, der nach einigen Monaten Vorbereitungszeit und dem internen Workshop am 25. Oktober erarbeitet worden ist, kann sich aus Sicht der Beteiligten sehen lassen. Zu den Beteiligten zählt neben dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege vor allem die Kempener Politik. Die war beim Workshop vertreten. Im Denkmalausschuss legte man sich mit breiter Mehrheit auf eine Variante fest, die nun vom Architekten weiter verfeinert werden kann.

Nur die Grünen wollten dieser Variante nicht zustimmen. Außerdem stört die Grünen, dass in dem geplanten Wohn- und Geschäftshaus keine bezahlbaren Mietwohnungen entstehen sollen. Investor René Reuter erläuterte im Ausschuss, dass man 25 Eigentumswohnungen verschiedener Größe - Wohneinheiten zwischen zwei und vier Zimmern - plane. Als möglichen Kaufpreis für die Wohnungen nannte er 3000 Euro pro Quadratmeter.

Im Erdgeschoss sollen fünf Gewerbeeinheiten entstehen. Geplant ist, dass die Post dort Flächen belegt. Die Verhandlungen darüber sollen nach Angaben des Investors im kommenden Jahr stattfinden. Das heutige Postgebäude, es wurde Ende der 1970er-Jahre als reiner Zweckbau errichtet, befindet sich bereits im Besitz des Investors. Der Mietvertrag läuft 2018 aus, könnte aber sogar, so René Reuter im Ausschuss, noch einmal um fünf Jahre verlängert werden. Daher ist derzeit offen, wann es an dieser Stelle einen Neubau geben wird. Als weitere Nutzer der Gewerbeeinheiten seien Versicherungen, Anwälte oder Ärzte denkbar, so Reuter.

Wenn der Komplex gebaut wird, wird die Fassade so gestaltet, dass er feingliedrig erscheint. Nach dem gültigen Bebauungsplan ist eine dreigeschossige Bauweise mit Mansarddach zulässig. Der Übergang zum unter Denkmalschutz stehenden Wohnhaus neben der Post am Moorenring, das niedriger ist, wird durch einen gläsernen Anbau hergestellt. Im hinteren Teil des großen Grundstücks soll es Garagen für die Eigentumswohnungen und auch einen Parkplatz für Postkunden geben. Der soll über eine Durchfahrt erreichbar sein.

Aus Sicht des Städtebau-Experten Wachten stellt die vorliegende Planung einen erhebliche Verbesserung an dieser Stelle dar. Auch wenn der Komplex auf den ersten Blick wuchtig erscheint, orientiert er sich an der ehemaligen historischen Bebauung mit dem Collegium Thomaeum, später Lyzeum, so Wachten.

Quelle: RP
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