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Stadt Kempen
Neue Diskussion um Sportstätten

Stadt Kempen: Neue Diskussion um Sportstätten
Die Turnhalle des Thomaeums ist längst nicht mehr zeitgemäß. Sie steht unter Denkmalschutz. Eine Modernisierung würde rund eine Million Euro kosten. FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)
Stadt Kempen. Gemeinsam mit den betroffenen Vereinen will die Stadt Kempen das Entwicklungspotenzial der Sportanlagen ausloten. Für Sanierungen oder Neubauten soll das Geld nicht nach dem Gießkannenprinzip ausgegeben werden. Von Andreas Reiners

Das Thema ist nicht neu, hat aber an Brisanz nichts verloren. Spätestens seit dem Bau des neuen Kunstrasenplatzes im Sportpark an der Berliner Allee sind bei einigen Sportvereinen Erwartungen geweckt worden, die die Stadt Kempen allein aus Kostengründen in den nächsten Jahren nicht wird erfüllen können. Sportdezernent Michael Klee geht daher einen neuen Weg. Er nimmt die Vereine bei der Diskussion um die Weiterentwicklung der Sportstätten in der Thomasstadt von Anfang an mit ins Boot. Am Montagabend wurden Vereinsvertreter - gemeinsam mit Vertretern der Stadtratsfraktionen - über das angestrebte Verfahren informiert. Grundsätzlich, so Beigeordneter Klee gestern im Pressegespräch, sei Zustimmung zum vorgeschlagenen Vorgehen signalisiert worden.

Nach Ansicht von Klee bringt es nichts mehr, bei der Sanierung der Sportstätten an Symptomen herumzudoktern. Ein zukunftsweisendes Konzept muss her, dass auch in den nächsten 20 Jahren noch tragfähig ist. Mit der Erarbeitung des Plans, der unter anderem in Workshops mit allen Beteiligten entstehen soll, könnte noch in diesem Jahr begonnen werden. Auslöser der neuen Zielrichtung ist unter anderem ein Gutachten, das die Stadt beim TÜV in Auftrag gegeben hatte. Die Experten haben untersucht, ob die Sportanlage an der Stendener Straße in St. Hubert unter Lärmschutzgesichtspunkten erweitert werden kann. Hintergrund ist eine mögliche Aufgabe des veralteten Platzes An Eulen im Kendeldorf. Eine Sanierung des dortigen Aschenplatzes würde gut 300.000 Euro kosten. Geld, dessen Ausgabe angesichts der ungünstigen Lage der Sportstätte mitten im Wohngebiet besonders gründlich überlegt sein will. Seit Jahren wird über eine Aufgabe des Platzes und einen Ausbau an der Stendener Straße diskutiert. Mit dem jüngsten Gutachten herrscht insofern Klarheit, dass der Platz an der Stendener Straße aus Lärmschutzgründen nur unter hohem Kostenaufwand verändert werden kann. Allein für den Bau von neun bis elf Meter hohen Lärmschutzwänden müsste die Stadt etwa 1,4 Millionen Euro kalkulieren. Nach den aktuellen Lärmschutz-Richtlinien des Bundes ist eine Erweiterung der Sportanlage eigentlich nicht möglich.

Parallel zur Platzsituation in St. Hubert besteht in Tönisberg beim dortigen Sportverein VfL der Wunsch, den sanierungsbedürftigen Aschenplatz durch einen Kunstrasen zu ersetzen. Der Verein bietet an, sich an den Kosten zu beteiligen. Gleichwohl strebt die Stadt eine grundsätzliche Lösung der Sportstätten-Situation an. Und da in diesem Punkt nicht über den Kopf der Vereine - die müssten sich in dem einen oder anderen Fall sicherlich an den Kosten beteiligen - hinweg entschieden werden soll, will die Stadtverwaltung in Abstimmung mit der Politik die Betroffenen mit ins Boot nehmen.

Bei allen künftigen Planungen spielt aus Sicht der Stadt vor allem der tatsächliche Bedarf an Spiel- und Trainingszeiten eine große Rolle. "Wir brauchen eine genaue Analyse, wer wann wo einen Sportplatz nutzt", sagt Dezernent Klee. Allein die Zahl der Fußball-Teams, die für Kempener Vereine spielen, ist seit Jahren rückläufig. Im Zeitraum von 2011 bis 2015 ist sie von 63 auf 48 Mannschaften zurückgegangen. Alle Vereine klagen unter Nachwuchssorgen, im Jugendbereich gibt es bereits Kooperationen - etwa zwischen dem VfL Tönisberg und TuS St. Hubert. Eine neue zentrale Sportstätte wäre denkbar. Allerdings hat die Stadt selbst keine geeigneten Flächen zur Verfügung.

Ein weiteres Problem sind die Sporthallen. Auch hier hat die Stadt Experten zu Rate gezogen. Die veraltete, aber unter Denkmalschutz stehende Turnhalle des Thomaeums ist für Ballsportarten gänzlich ungeeignet und genügt auch sonst nicht modernen Ansprüchen, die Halle an der Wachtendonker Straße ist aus energetischen Gründen dringend sanierungsbedürftig. Laut Gutachten würde die Sanierung der Thomaeum-Halle etwa eine Millionen Euro kosten, die der Halle an der Wachtendonker Straße weitere 760.000 Euro. Ideal wäre der Bau einer neuen Sporthalle. Aber der würde sehr viel Geld kosten. Laut Gutachten des Weseler Architekturbüros Jäger würde er sich auf rund 2,3 Millionen Euro belaufen. So strebt die Stadt zunächst eine kleine Lösung an. Sie will die Halle an der Wachtendonker Straße so weit ertüchtigen, dass Schul- und Vereinssport weiterhin möglich sind. Die Verwaltung schlägt der Politik den Einbau einer neuer Heizung vor.

Über die Sportstätten in Kempen wird in der nächsten Sitzung des Sportausschusses am 2. November ausführlich diskutiert.

Quelle: RP
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