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Stadt Kempen
Neue Konstruktion fürs Flügelwerk

Stadt Kempen: Neue Konstruktion fürs Flügelwerk
Die Kempener Mühle am Hessenwall bleibt bis auf Weiteres flügellos. Experten suchen nach einer besseren Haltekonstruktion. FOTO: Heiner Deckers
Stadt Kempen. Auf die neuen Flügel der Turmwindmühle am Hessenwall müssen die Kempener noch etwas länger warten. Die Stadt sucht mit Experten nach einer besseren Befestigung des hölzernen Gitterwerks. Von Bianca Treffer

"Ich bin schon fast ein Mühlenexperte", meint Gudrun Holzmann lächelnd und wirft einen Blick in die Papiere, die sie umgeben. Egal, ob Fotos, alte Dokumente oder Zeichnungen, sie alle haben mit der Turmwindmühle am Hessenwall, einem Wahrzeichen der Kempener Altstadt, zu tun. Seitdem ein Flügel an der Mühle durch Starkwinde des Sturmtiefs "Thomas" an Altweiber abgebrochen ist, beschäftigt sich die Architektin beim städtischen Hochbauamt - sie ist für die historischen Gebäude in der Stadt zuständig - intensiv mit der notwendigen Erneuerung des gesamten Flügelwerks.

Eine einfache Restaurierung kommt nicht in Betracht. Probleme bereitet die Tatsache, dass die Stürme intensiver geworden sind. Fegte der Wind früher mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 80 km/h über das Land, liegen die Werte heute nicht selten zwischen 110 und 118 km/h. "Solche Orkanspitzen hat es vor 50 Jahren noch nicht gegeben", sagt Gudrun Holzmann. Das heißt, das Material ist heute höheren Belastungen ausgesetzt, wodurch die einstigen Konstruktionen und Befestigungen teilweise überfordert sind. Mit Problemen, die jetzt gelöst werden müssen.

Gudrun Holzmann sucht nach technischen Lösungen, um dem Ganzen mehr Standsicherheit zu geben. Dafür ist sie tief in die Mühlenbautechnik eingetaucht. Zahlreiche Gespräche mit Mühlenbauern und Besitzern andere Anlagen hat sie bereits geführt, dazu kommt die Lektüre Fachliteratur sowie von alten Unterlagen aus dem Kreisarchiv, die sich rund um die Bauwerke mit den Flügeln drehen. "Ich recherchiere derzeit, was möglich ist und was nicht", sagt Gudrun Holzmann im Gespräch mit unserer Redaktion. Kann man auf anderes Material bei den Flügeln zurückgreifen? Könnte eine andere, stabilere Flügelbefestigung genutzt werden? Wie ist die Kappe genau ausgebildet? Es tun sich jede Menge Fragen auf. Man könne sagen, man befinde sich derzeit in der Findungsphase, meint die Architektin.

Die Kempener Mühle aus dem Jahr 1481 hat eine wechselvolle Geschichte. Ein Brand im Jahr 1911 sowie ein Erdbeben 1926 richteten schwere Schäden an dem Bauwerk an, wobei damals sogar in Erwägung gezogen wurde, den Oberturm der Mühle abzureißen. Er wurde stattdessen restauriert und 1966 wurden die bis dahin fehlenden Flügel möglich. Der Sturm Kyrill riss 2007 der Mühle einen Flügel ab, der ebenfalls ersetzt wurde. Nun sind die Flügel das erneute Problem. Wobei es sich bei zu Karneval geschädigten Flügel um eben den handelt, der vor zehn Jahren nach Kyrill ausgetauscht wurde.

Aber auch die drei anderen, aus dem Jahr 1966 stammenden Flügel sind morsch und können nicht mehr repariert werden. Sie liegen derzeit bei der Tönisberger Zimmerei Klinkenberg. Es handelt sich um zwei jeweils 18 Meter lange sogenannte Bruststücke und nicht um vier Mal neun Meter lange Abschnitte, wie man vielleich meinen könnte.

Sie sind am Wellenkopf befestigt, der zwei Aussparungen für die Bruststücke aufweist. An ihnen hängen dann jeweils die Flügelruten. Diese sind wiederum mit drei Metallaschen und Holzdübeln an den Bruststücken befestigt, die in der Mitte dicker sind. Im Umkehrschluss heißt dies, dass ein entsprechend dicker Stamm von Nöten ist, um die Konstruktion herzustellen. Er muss neben der benötigten Länge mindestens einen Umfang von mehr als einen Meter haben.

"Mühlentechnik ist spannend. In das Thema einzutauchen, ist fantastisch", schwärmt Gudrun Holzmann. Nichtsdestotrotz ist es ein sehr komplexes Thema und es gilt genau abzuwägen, wie es mit den Flügeln der Hessenmühle weitergehen kann, damit das Bauwerk zukunftssicher gestaltet wird. Wann die Mühle neue Flügel bekommt, steht noch nicht fest.

Quelle: RP
 
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