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Kempen
Neue Vier-Tonnen-Skulptur für Viersen

Kempen: Neue Vier-Tonnen-Skulptur für Viersen
Gereon Krebber stellte ein Modell von "Zirbel" probehalber auf. Am 10. Juni 2018 soll die vier Tonnen schwere Skulptur aus Bronze dann auf der Wiese zwischen Galerie und Busbahnhof aufgestellt werden. FOTO: Jörg Knappe
Kempen. Die berühmte Viersener Skulpturensammlung wird um eine Arbeit reicher: Bildhauer Gereon Krebber suchte gestern vor Ort einen Platz für seine Bronze-Skulptur. Im Juni soll sie zwischen Galerie und Busbahnhof aufgestellt werden. Von Sigrid Blomen-Radermacher

Ein riesiger schwarzer Brocken scheint vom Himmel auf die Wiese zwischen Galerie und Busbahnhof gefallen zu sein. Nur wenige Stunden Verweildauer bleiben ihm an dieser Stelle, dann wird er wieder verschwinden - vorerst.

Der 4,5 Meter lange "Brocken" ist das Modell einer Skulptur des Kölner Bildhauers Gereon Krebber. Einigen Viersener Kunstinteressierten mag Krebber noch in Erinnerung sein: 2001 stand er in der Auswahl zum Ernst-Klusen-Preis und zeigte eine Auswahl seiner Werke in der Städtischen Galerie am Park. Außerdem ist er einer der Juroren, die die Kunstgenerator-Stipendiaten auswählen. Nun wird Krebber dafür sorgen, dass die Skulpturensammlung ein weiteres Highlight erhält.

Der Vorsitzende des Vereins für Heimatpflege, Albert Pauly, hat der Stadt vorgeschlagen, die berühmte Skulpturensammlung um eine Krebber-Skulptur zu erweitern. Immer schon habe er den Wunsch gehabt, etwas mit Krebber zu machen, berichtete Pauly gestern. Durch die neue Skulptur sollen bildhauerische Aspekte in die Sammlung gebracht werden, die bislang nicht da waren.

Finanziert wird der Erwerb durch Eigenmittel des Vereins, Spenden, Zuschüsse der Viersener Sparkassenstiftung und voraussichtlich der Kunstsammlung NRW. Auf die Stadt Viersen kommen die Kosten für die Aufstellung der Plastik von 1500 Euro zu sowie für die Versicherung und eine begleitende Ausstellung im Sommer 2018. Über die Bereitstellung der Mittel spricht der Kulturausschuss am Donnerstag.

Das 1:1-Modell, das fertig ausgeführt in schwarz patinierter Bronze gegossen sein und eine "geraspelte Oberfläche" haben wird, trägt den Titel "Zirbel". Die Zirbel ist eine winzige Drüse im Gehirn und unter anderem für die Ausschüttung von Melatonin verantwortlich. Was Krebber so begeistert: Der Philosoph Descartes betrachtete die Zirbeldrüse als den Sitz der Seele. Krebber gibt diesem eigenwilligen Sitz der Seele eine erfundene bildhauerische Form. Und die hat es in sich: An einer Stelle ist sie hart abgeschnitten, an der gegenüberliegenden rundet sie sich und dazwischen: "Knautschungen, Fettschürzen und Löcher", so Krebber.

Die Skulptur erinnert an organische Formen, an menschliche Körper, ohne dass man konkrete Zuordnungen finden kann. Alles an ihr scheint in Bewegung, gerät außer Kontrolle, und das seien doch, so Krebber, Situationen, die man von sich selber kenne. Eigentlich wollte er seine Skulptur auf einen Bürgersteig stellen. Bei der Probeaufstellung habe er zum ersten Mal gesehen, dass der Platz auf der Wiese "ja ein Hot Spot" sei. "Die Leute, die hier vorbeikommen, haben ein Lächeln auf dem Gesicht", stellt Krebber fest. Weil die Skulptur mit ihren Knautschungen und Unregelmäßigkeiten an Vertrautes erinnert?

Wenn Krebber über seine Kunst spricht, fällt das Wort "Wahrnehmungszumutung". Dann erzählt er, dass er sich wünscht, dass da "etwas pochen soll" und auch, dass seine Kunst "schön und hässlich, anziehend und abstoßend ist". Krebbers Arbeiten auf einen Punkt zu bringen, muss misslingen. Die Vielfalt von Materialien und Formen ist Teil seines Programms. Doch bei aller Vielfalt und Unterschiedlichkeit: "Im Pluralen", so beschreibt er es, "steht jäh etwas nebeneinander." Etwas, das dann doch eine gemeinsame Sprache spricht. Obwohl von künstlerischer Sprache zu sprechen nicht unbedingt auf Krebber zutrifft. Denn er lässt auch schon mal die Mitarbeiter seine Objekte bauen oder besprühen. Natürlich nach Krebbers Vorgaben.

Die Liste allein der Materialien ist lang und verblüffend: Klebeband, Frischhaltefolie, Holz, verbranntes Holz, Beton, Keramik, Stahl, Stoff, Fäden, Polyurethan, getrocknete Schweineschwänze, Sprayfarbe und -lack, Acryl. Krebber lotet die Grenzen der Machbarkeit aus. So auch für die "Zirbel": Für das Modell wurde über eine Holzkonstruktion eine Plane getackert, mit Klebeband überzogen und mit Folie modelliert. Das Ganze wurde mit Acrylharz laminiert. Egal für welches Material er sich entscheidet, immer geht es um einen Körper im Raum, um Masse und Volumen, um Oberfläche.

Wenn Krebber die "Zirbel" am Ende in Bronze gießen lässt, dann verwendet er ein klassisches Material für die Körperdarstellung. Die "Zirbel" ist also tatsächlich ein Körper, wenn auch ein "nicht optimierter". Für Krebber gab es während der Arbeit einen kleinen "Kitzel" am Rande: Nicht weit vom künftigen Standort befindet sich die Skulptur von Tony Cragg, bei dem Krebber studiert hat. Der "Kitzel" bestand darin, sich "mit den Formen von Cragg anzulegen", wie Krebber schmunzelnd erklärt.

Quelle: RP
 
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