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Gemeinde Grefrath
Neues Rathaus: Fehlgriff oder Glücksgriff ?

Gemeinde Grefrath: Neues Rathaus: Fehlgriff oder Glücksgriff ?
Beim Besuch der Mobilen Redaktion der RP auf dem Grefrather Marktplatz hatte am Mittwoch jeder Gelegenheit, sich zum Thema neues Rathaus zu äußern. FOTO: achim hüskes
Gemeinde Grefrath. Um den geplanten Umzug des Rathauses in das ehemalige Entwicklungszentrum von Johnson Controls ging es am Mittwoch bei der Mobilen Redaktion der RP. Bürger konnten den Politikern ihre Meinung sagen. Die Positionen sind unverändert. Von Heiner Deckers und Michael Busch

Obwohl die äußeren Umstände angesichts des Dauerregens alles andere als optimal waren, nutzen Politiker aller im Rat vertretenen Parteien den Besuch der Mobilen Redaktion der Rheinischen Post, um noch einmal ihre Positionen in Sachen neues Rathaus darzulegen. Grefrather Bürger hatten dabei auf dem Marktplatz die Gelegenheit, mit der Politik ins Gespräch zu kommen.

Das tat mit Vehemenz der ehemalige CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus Mäurers: "Ein Rathaus gehört in den Ortskern, nicht an die Peripherie", sagte er. Außerdem könne man nicht einer Firma ein Gebäude abkaufen, die Mitarbeiter entlässt und den Standort Grefrath aufgibt. Es entwickelte sich in der Folge ein munteres Hin und Her, wobei natürlich jede Partei ihren Standpunkt verteidigte. SPD, FDP und Grüne plädierten für das neue Rathaus, die CDU beharrte auf ihrem Nein.

CDU-Fraktionsvorsitzende Wilma Hübecker sprach von fehlender Finanzplanung. Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Bernd Bedronka betonte, frühere Vorschläge der CDU seien deutlich teurer gewesen. Die Argumente flogen zeitweise so laut hin und her, dass auch die Markthändler der Diskussion unter dem wasserdichten Zeltdach der RP der Diskussion mühelos lauschen konnten. Heinz Hagl (FDP) warf der CDU vor, die Frage neues Rathaus immer wieder aufgeschoben zu haben, und erwähnte zudem, die CDU habe in der Vergangenheit doch bereits selber über ein neues Rathaus nachgedacht.

Maria Hausmanns unterbrach ihren Einkauf, um kurz die Frage in den Raum zu stellen: "Mit dem neuen Rathaus, das ist doch ein Abenteuer, oder nicht?" Nicken bei Hübecker: "Wir legen Geld aus, das wir nicht haben." Die CDU setzt weiterhin auf eine Renovierung des bestehenden Rathauses. Widerspruch bei Bedronka: "Das wäre gar nicht abschreibungsfähig."

Zu den Kosten nannte SPD-Fraktionsvorsitzender Jochen Monhof ein Beispiel: "Die Pfarre St. Benedikt würde in zehn Jahren allein für "Mutter und mehr" (Mum) 270 000 Euro kassieren. Die angemieteten Räumlichkeiten im Laurentiushaus sind über 50 Jahre alt." Monhof widersprach dem Vorwurf Hübeckers, ein Drittel des Kaufpreises sei für die beiden Vereine bestimmt: "Stimmt so nicht, weil für sie weniger als ein Fünftel der Fläche bestimmt ist." Die von beiden in der Folge dargelegten Rechenmodelle waren für die Besucher nur sehr schwer nachzuvollziehen.

Bauamtsleiter Dr. Michael Räppel verglich die Nettoflächen des bestehenden und des vermutlich neuen Rathauses: Es gibt kaum einen Unterschied, wenn man die 500 Quadratmeter für "Älter werden" und "Mutter und mehr" abzieht, in beiden Fällen kommt man auf rund 1700 Quadratmeter. "Das neue Rathaus ist knapp geschnitten" befand Räppel.

Bedenken der CDU, dass es bezüglich des Vertrags mit Johnson Controls noch viele ungeklärte Einzelheiten gebe, entgegnete Räppel, dass bisher ja nur eine Grundsatzentscheidung getroffen worden sei: "Nähere Einzelheiten müssen in den Kaufverhandlungen geklärt werden." Dann werde man auch sehen, ob die veranschlagte Summe reicht. Sollte das nicht der Fall sein, müsse die Politik erneut eine Entscheidung treffen: Ist uns das neue Rathaus die Mehrausgabe wert?

Herbert Küsters, Vorsitzender des Heimatvereins, merkte an, in Grefrath sei in der Vergangenheit sehr viel abgerissen worden, weil es angeblich zu teuer sei: "Manchmal fehlt vielleicht auch der gute Wille, um etwas zu erhalten."

(RP/ac)
 
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