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Stadt Kempen
Nordwestbahn spricht von Vertragsbruch

Stadt Kempen: Nordwestbahn spricht von Vertragsbruch
Ein Zug der Nordwestbahn hält frühmorgens am Kempener Bahnhof. Vor allem Berufspendler nutzen ihn für ihre Fahrt zur Arbeit in Richtung Krefeld und Düsseldorf. FOTO: Lübke
Stadt Kempen. Der private Betreiber des RE 10 ("Niersexpress") räumt ein, dass es zuletzt während der Bauarbeiten bei Meerbusch Probleme auf der Strecke gegeben hat. Die Kritik der Fahrgäste will die Nordwestbahn aber nicht allein einstecken. Von Andreas Reiners

Die Tonart zwischen Nordwestbahn und Deutscher Bahn wird schärfer. Diesen Eindruck kann man gewinnen, wenn man jüngsten Äußerungen des privaten Betreibers des Regionalexpresses (RE) 10 - auch "Niersexpress" genannt - Glauben schenken kann. Bei einem Gespräch mit der Rheinischen Post sprach der Regionalleiter Niederrhein/Ruhr der Nordwestbahn, Hark Neumann, unverblümt von "Vertragsbruch" im Zusammenhang mit den Problemen, die es auf der Strecke zwischen Kleve und Düsseldorf zuletzt während der Großbaustelle mit Sperrung in Meerbusch-Osterath gegeben hat. Ersatz-Fahrpläne, die mit der Deutsche-Bahn-Tochter DB Netz vorher vereinbart worden waren, seien von der DB Netz nicht eingehalten worden. "Ein verabredeter Fahrplan ist wie ein Vertrag. Und wird der nicht eingehalten, ist das aus unserer Sicht Vertragsbruch", sagte Neumann.

Eine solche Aussage sorgt beim SPD-Bundestagsabgeordneten Udo Schiefner für ungläubiges Staunen und Kopfschütteln. Schiefner hatte vor zwei Wochen an einem Krisengespräch im Büro des Konzernbevollmächtigen der Deutschen Bahn AG für Nordrhein-Westfalen, Reiner Latsch, in Düsseldorf teilgenommen. Dort waren - wie ausführlich berichtet - alle aufgetretenen Probleme während der Bauphase in Meerbusch, aber auch die generell oftmals unzureichende Information der Bahnkunden über Verspätungen oder Zugausfälle auf den Tisch gekommen. "Wir sind auseinander gegangen mit der Maßgabe, dass Deutsche Bahn und Nordwestbahn - gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) - vor allem ihre Kommunikationslinie deutlich verbessern", sagte Schiefner gestern im RP-Gespräch. "Da erstaunt mich die neue Tonart der Nordwestbahn doch sehr."

Die Nordwestbahn mit Sitz in Osnabrück sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt, verwies im RP-Gespräch auf die vielen Verbesserungen, die man seit dem Bürgerforum vor zwei Jahren in Kempen bereits umgesetzt habe. Die Zahl der Verspätungen des RE 10 sei deutlich gesenkt worden, so Marketingleiter Wigand Maethner. Er legte als Beweis Befragungen zur Kundenzufriedenheit vor, die der VRR in Auftrag gegeben habe. Und darin schneidet der RE 10 vergleichsweise durchaus sehr positiv ab.

Nordwestbahn-Geschäftsführer Henning Weize bemühte sich klarzustellen, dass sein Unternehmen kein kleiner Krauter, sondern ein erfahrenes Eisenbahnverkehrsunternehmen sei. Immerhin 21 Linien in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen und Hessen mit rund 45 Millionen Fahrgästen pro Jahr bediene man mit etwa 850 Mitarbeitern. Mehrheitseigner ist die Veolia-Verkehrs-Gruppe, seit 16. März 2015 die Transdev GmbH mit Sitz in Berlin. Diese ist das größte in Deutschland agierende private Bahn- und Busunternehmen und Tochter der französischen Transdev-Gruppe.

Udo Schiefner meinte gestern dazu: "Statistiken und Studien über Kundenzufriedenheit bringen uns nicht weiter. Die habe ich in den vergangenen Jahren schon mehrfach präsentiert bekommen. Als Abgeordneter bin ich vor allem an wirklichen Verbesserungen für die Bahnkunden interessiert - vor allem, dass die Information der Fahrgäste deutlich verbessert wird."

Dass dies nicht allein Sache der Nordwestbahn sei, wisse er auch. Dafür sind auch die Bahn-Tochter DB Station & Service und der VRR mit verantwortlich. Die Nordwestbahn verwies im RP-Gespräch darauf, dass sie ausführliche Informationen etwa zu Zugverspätungen liefere. Wenn die DB ihre Anzeigetafeln nur mit einem Bruchteil dieser Informationen "füttere" und teilweise Lautsprecher auf Bahnsteigen abschalte, sei dafür nicht die Nordwestbahn verantwortlich zu machen, so Regionalchef Neumann.

Auch eine solche Aussage sorgt bei Udo Schiefner nur für Kopfschütteln. "Es hilft dem Kunden doch nichts, wenn der Ball der Verantwortlichkeit ständig hin und her geschoben wird", meinte der Kempener. An der Qualität des Angebots auf dem RE 10 müsse weiter gearbeitet werden, meinte er. Dies sicherte Geschäftsführer Weize auch zu: "Wir wissen, dass wir besser werden müssen. Wir arbeiten dran". Strecken-Baustellen wird es auch künftig geben - vorerst aber nicht in der Größenordnung, wie es sie zuletzt in Meerbusch gegeben hat.

Quelle: RP
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