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Kreis Viersen
Pfarrer i.R. will in den Landtag - für die AfD

NRW-Wahl 2017: Pfarrer i.R. will in den Landtag - für die AfD
Axel Joachim Bähren aus Lobberich war Gefängnispfarrer in Geldern. Der Pfarrer im Ruhestand möchte für die AfD in den Landtag einziehen. FOTO: Busch
Kreis Viersen. Früher wählte der langjährige Gefängnispfarrer Bähren SPD oder CDU. Im Ruhestand engagiert sich der Lobbericher in der AfD — und wurde von der Partei für einen aussichtsreichen Listenplatz bei der NRW-Landtagswahl nominiert. Von Martin Röse

"Ich bin weiß Gott kein Radikaler", betont der Pfarrer im Ruhestand mit den weißen Haaren und der jungen Stimme. Früher hat Axel Joachim Bähren (65) schon mal SPD gewählt. "Oder auch Angela Merkel." Heute würde der evangelische Theologe vom Niederrhein der Pastorentochter aus der Uckermark seine Stimme nicht mehr geben. Vor zwei Jahren ging er in den Ruhestand, vor einem Jahr trat der dreifache Vater in die Partei Alternative für Deutschland ein - der Partei also, über die der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland urteilte, sie mache Stimmung und schade der Gesellschaft.

22 Namen stehen auf der Landesliste der AfD für die NRW-Wahl am 14. Mai 2017. Der Name Bähren ist ziemlich weit unten eingetragen, als Nummer 20. Aussichtsreich ist sein Listenplatz trotzdem. Holt die AfD neun Prozent der Stimmen, ist der Pfarrer i.R. in weniger als acht Monaten MdL - Mitglied des Landtags. Aktuelle Umfragen sehen die AfD in NRW zwischen elf und 13 Prozent.

Mehr als 20 Jahre hat Bähren im Gefängnis in Geldern verbracht, freiwillig, als Gefängnispfarrer. "Als ich 1990 dort anfing, waren da 19 muslimische Menschen aus dem Nahen Osten und Nordafrika. Zuletzt waren es 270." Hat der Pfarrer im Ruhestand ein Problem mit Ausländern? "Nein! Wir müssten viel viel mehr Zuwanderung haben", betont Bähren und schiebt hinterher: "Aber nicht so einseitig aus dem islamischen Raum." Ihn sorge der Islam. "Sagen Sie etwas über den Islam, gelten Sie als Rassist. Der Rassismus ist aber im Islam zu Hause", behauptet Bähren. Dort sei die Frau schließlich weniger wert als der Mann.

Er bedaure, dass es "keine Zuwanderung aus Gebieten" gebe, in denen Christen verfolgt werden, betont der Pfarrer i.R. Allerdings stellten im vergangenen Jahr mehr als 5200 Menschen aus Nigeria - im Norden des Landes wütet die islamistische Terrorgruppe Boko Haram - einen Asylantrag in Deutschland. Das sind mehr als Flüchtlinge aus den Maghreb-Staaten Tunesien (822), Algerien (2041) und Marokko (1630) zusammen. Woher sich Bähren Einwanderung wünscht? "Vietnam, China. Die Kinder dort sind sehr gehorsam, wollen den Eltern gefallen, haben schulische Erfolge." AfD-Vizechefin Beatrix von Storch hatte im April massive Kritik geerntet, als sie sagte: "Der Islam ist eine politische Ideologie, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist." Kritiker warfen ihr vor, dass sie ignoriere, dass das Grundgesetz Religionsfreiheit garantiert. Teilt der evangelische Pfarrer von Storchs Meinung? "Den Begriff Ideologie finde ich schwierig", sagt Bähren, und: "Ich würde mich nicht so äußern." Allerdings äußert er klar, dass er wie die Parteichefs nicht an einen gemäßigten Islam glaubt. "Im Christentum ist Religion das Eine, der Staat das Andere." Im Islam beherrsche die Religion den Staat.

Er erwähnt die Kölner Silvesternacht: "Man kann das den Tätern gar nicht verübeln, wenn sie blonde und vollbusige Frauen sehen", sagt Bähren. Für die islamischen Männer seien die deutschen Frauen nur Ungläubige. "Großen Respekt haben sie nur vor der muslimischen Frau", behauptet Bähren. Keine Silbe darüber, dass die Täter der Silvesternacht auch gegen den Koran verstoßen haben. "Sprich zu den gläubigen Männern, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren sollen", heißt es darin.

In Deutschland fühle er sich fremd im eigenen Land. "In Dinslaken machen Supermärkte Werbung in türkischer Sprache. Und wir haben längst die Scharia hier, die islamische Gerichtsbarkeit." Wo denn? "Bei Gastarbeitern sind auch die Eltern gratis in der Krankenkasse familienversichert - so etwas ist bei Deutschen nicht möglich", erläutert Bähren. In der Tat ermöglicht das deutsch-türkische Sozialversicherungsabkommen seit 1964, dass türkische Gastarbeiter auch ihre in der Türkei lebenden Eltern über ihre deutsche Krankenversicherung mitversichern. So soll verhindert werden, dass die Gastarbeiter ihre zuzugsberechtigten Eltern nach Deutschland nachholen. Nach Schätzungen der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland nehmen etwa 35.000 der rund 500.000 in Deutschland lebenden familienversicherungsberechtigten Türken diese Möglichkeit wahr. Allerdings werden die Leistungen nicht einzeln abgerechnet, sondern pauschal nach den durchschnittlichen Behandlungskosten in der Türkei beglichen. Zehn Millionen Euro überwiesen die deutschen Krankenversicherungen 2009 in die Türkei. Zum Vergleich: Das deutsche Gesundheitssystem kostet jährlich rund 165 Milliarden Euro.

Sorgt ihn, dass die AfD viel Beifall von Rechtsextremen bekommt? "Wir sind eine junge Partei, die sich erst finden muss", sagt Bähren. "Viele unserer Mitglieder kommen von der CDU, die die christdemokratische Politik der 1980er-Jahre vermissen." Sein Sohn habe ihn kürzlich zu einem AfD-Fest begleitet. "Der hat mir gesagt: ,Papa, hier sind ja gar keine Springerstiefel.'"

Quelle: RP
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