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Stadt Kempen
Offene Kirche lebt vom Ehrenamt

Stadt Kempen: Offene Kirche lebt vom Ehrenamt
Kirchenwächter in der Kempener Propsteikirche (von links): Elisabeth Boxberg, Alfons Weß, Michael Boxberg, Gabriele Rolshoven und Hermine Gilles. Sie und andere ehrenamtliche Helfer sorgen dafür, dass die Kirche auch außerhalb von Gottesdiensten Besuchern zum Gebet oder zur Besichtigung offen steht. FOTO: Norbert Prümen
Stadt Kempen. Ohne die freiwilligen Kirchenwächter könnte die Gemeinde die Kempener Propsteikirche außerhalb der regulären Gottesdienstzeiten nicht für Besucher offen halten. Das Angebot erfreut sich einer steigenden Nachfrage. Von Eva Scheuss

Es weht ein eisiger Wind, doch die Sonne und der stahlblaue Himmel locken viele Besucher in die Kempener Altstadt. Sie schlendern durch die Straßen und Gassen, schauen in die Auslagen der Geschäfte, trinken einen Kaffee oder fotografieren, was ihnen Schönes vor die Linse kommt. Vor dem Hauptportal der Propsteikirche ist ein Ständer aufgebaut mit den einladenden Worten: "Die Kirche ist offen! Herzlich willkommen!" Und tatsächlich finden immer wieder Menschen den Weg hinein ins Innere des Kirchenraums.

"Wir hatten in der ersten halben Stunde schon 27 Besucher", berichten Michael und Elisabeth Boxberg. Die Beiden gehören zu dem Team von aktuell 82 "Kirchenwächtern" und haben gerade Dienst. Das Ehepaar ist im Rentenalter und kommt aus Viersen. Doch die Kempener Kirche hat es ihnen angetan. Seit zwei Jahren sorgen sie mit dafür, dass die Kirche mit ihren vielen wertvollen Kunstschätzen außerhalb der Gottesdienstzeiten geöffnet werden kann.

Das Angebot der "Offenen Kirche" ist ein erfolgreicher Selbstläufer. 2016 zählten die Kirchenwächter 17.576 Besucher, im vergangenen Jahr waren es sogar 18.429. Die Zahlen sind seit Jahren stabil und zeugen von der großen Anziehungskraft Kempens.

"Wir haben viele Besucher aus den Niederlanden und aus Belgien", berichtet Alfons Weß aus Kempen. Der 86-Jährige gehört zu den Mitstreitern der ersten Stunde und leitet heute gemeinsam mit Hermine Gilles aus Nettetal den Arbeitskreis. Anekdote um Anekdote sprudelt aus ihm hervor. Etwa die von dem Kirchenbesucher, der sich als Enkel des amerikanischen Offiziers herausstellte, der zu den ersten Alliierten gehörte, die 1945 Kempen befreiten. Oder von der Dame, die darauf bestand, ihren Hund mit in die Kirche zu nehmen. Mit den Worten: "Ihr Hund darf mit, wenn er das Kreuzzeichen macht und das Vaterunser sprechen kann", habe er die Debatte schließlich energisch beendet.

Die Erfahrungen seien aber in den meisten Fällen positiv, berichten die Kirchenaufseher. Auch einen selbst könne die beschauliche Kirchenatmosphäre durchaus bereichern. In der Adventszeit des Jahres 2004 wurde der Arbeitskreis "Offene Kirche" von Propst Thomas Eicker unter dem Motto "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit" ins Leben gerufen. Es sei schmerzlich, "dass in unserer Zeit Kirchen tagsüber nicht mehr offen gehalten werden können, ohne dass eine Aufsicht gegeben wäre", sagte er damals. Auf seinen Aufruf meldeten sich sofort sehr viele Freiwillige, die es bis heute möglich machen, dass die Kirche an jedem Wochentag, außer montags und samstags, stundenweise geöffnet ist. Die Kirchenwächter sind nach einem ausgeklügelten Dienstplan alle drei Wochen für genau eine Stunde und 15 Minuten im Dienst. Sie holen sich den Schlüssel, der im Modehaus Möller oder im Restaurant Piazza bereitliegt, schließen die Kirche auf und schalten die Beleuchtung ein. Sie sind immer zu zweit, besondere Vorkenntnisse braucht es nicht.

Die Erfahrung lehrt sie schnell, welche Besucher zum Gebet oder zur Andacht kommen und wer vielleicht doch ein paar Anregungen zum Kirchenraum erhalten möchte. "Sind Sie von hier oder kommen Sie von außerhalb", fragt Alfons Weß oft. "Und dann sind Sie schon mitten drin im Gespräch", sagt er.

Gerade hat ein Ehepaar aus Wuppertal-Elberfeld den Kirchenraum betreten. Sie genießen den Ausflug nach Kempen, die Kirche sei dabei ein selbstverständlicher Programmpunkt, meinen sie. Das Schild draußen finden sie dabei hilfreich. Kirchenführerin Gabriele Rolshoven erläutert derweil einer Gruppe von fünf Damen den geschnitzten doppelansichtigen Marienleuchter im Mittelschiff des Kirchenraums, eines der kostbarsten Ausstattungsstücke. "Wir kommen aus dem ganzen Rheinland und besuchen gerade unsere Freundin, die in Krefeld wohnt", verraten die Damen. Sie seien "sehr angetan" von der schönen Kirche. "Wir sind dankbar dafür, dass es dieses Angebot gibt, weil doch immer sehr viele Kirchen zu sind", sagt eine von ihnen. Gelobt werden auch die angenehmen Temperaturen im Kirchenraum, "wärmend für Leib und Seele" sei es hier.

Quelle: RP
 
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