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Stadt Kempen
Offene Ohren für den Blick in die Zukunft

Stadt Kempen: Offene Ohren für den Blick in die Zukunft
Highlights im Programm der Biennale werden die Konzerte "Wege weisen" mit dem Belcea Quartet von der Namensgeberin, der aus Rumänien stammenden Geigerin Corina Belcea in der Paterskirche und im Neusser Zeughaus sein. FOTO: RONALD KNAPP
Stadt Kempen. Vom 3. September bis 20. Oktober veranstaltet der Kulturraum Niederrhein wieder eine Muziek Biennale Niederrhein. Die Programmmacher stellen sie unter das Motto "Zukunftsmusik an Rhein und Maas". Von Heribert Brinkmann

David Liebman, einer der führenden Jazz-Saxofonisten von heute, kommt nach Kempen. Am 21. September spielt er zusammen mit dem Pianisten Richie Beirach in der Paterskirche - nur eins von über 60 Konzerten der diesjährigen Muziek Biennale Niederrhein, die der Kulturraum Niederrhein vom 3. September an bis zum 20. Oktober am gesamten Niederrhein, aber auch im niederländischen Grenzland von Limburg und Gelderland veranstaltet.

Zukunft ist in diesem Jahr das Thema der Biennale. In einem Interview, das Martin Klapheck vom Kulturamt der Stadt Kempen für das Programmheft der Biennale führte, sieht David Liebman für den Jazz musikalisch eine sehr gute Perspektive. Die internationale Vernetzung werde zunehmen, neue Einflüsse hinzukommen. Der "vitalen Ader des Jazz" stehen wirtschaftliche Probleme gegenüber. Die Musiker werden häufig schlecht bezahlt oder spielen gar umsonst. Aber was das Publikum anbetrifft, so glaubt Liebman, dass es einfach die Energie und das Gefühl von Live-Musik liebe.

Bei der Muziekbiennale kann das Publikum diese Liebe voll und ganz ausleben. Wieder wie von Anfang an bietet die Biennale ungewöhnliche Konzertformate, ein "Cross-Over von Gattungen, Klangkörpern und Epochen." Die Konzerte drehen sich um Musik, die wir jetzt, morgen und übermorgen hören werden. Die Veranstalter freuen sich deshalb über "offene Ohren für den musikalischen Blick in die Zukunft." Die Musikbiennale bespielt den ganzen Niederrhein, im Kreis Viersen sind Kempen und Viersen Spielorte.

In Kempen wird das erste Biennale-Konzert am Sonntag, 4. September, stattfinden. Um 15 Uhr wollen Musik und Lyrik im Tönisberger Erprathshof in einen Dialog treten. Der Schauspieler Bernt Hahn wird Texte von Joachim Ringelnatz rezitieren. Der Unsinnspoet schaute dem Volk aufs Maul und schaute weisend in die Zukunft. Werner von Schnitzler, Geige, und Cosmin Boeru, Klavier, werden beim Scheunenkonzert Werke von Strawinsky, Schostakowitsch, Piazzolla, Ravel und Kreisler - Zeitgenossen von Ringelnatz - spielen.

Ebenfalls am Sonntag, allerdings um 20 Uhr, tritt das Gitarrenquartett Rheinsaiten in der Evangelischen Kirche in Süchteln auf. Die Musik von Morgen wird in zeitgenössischen Kompositionen von Frederico Moreno-Toroba oder Buck Wolters anklingen.

Eine Woche später, am 11. September, ist Chinesische Lyrik im Klang der Zeit in der Paterskirche zu Gast. Diese Komposition von Benjamin Hiesiger, mit dem Kunstpreis der Sparkassenstiftung ausgezeichnet, wurde im vergangenen Jahr in Kempen uraufgeführt. Die Komposition des 36-Jährigen gilt als herausragendes Beispiel einer Musik von morgen. Dabei ist das Werk gleichzeitig eine Reminiszenz an die chinesische Song-Dynastie (960-1279).

Am Donnerstag, 15. September, spielen Friend'n Fellow in der Paterskirche. Sängerin Constanze Friend und Gitarrist Thomas Fellow wollen einfach nur gute Musik machen, und die Kritiken bescheinigen ihnen, dass es ihnen gelingt. Ihr Programm umfasst Soul, Blues und Jazz.

Am Freitag, 16. September, ist die Paterskirche Ort eines Gesprächkonzertes zum 400. Geburtstag von Johann Jacob Froberger. Die Kempener Organistin Ute Gremmel-Geuchen und der Kölner Cembalist Léon Berben begeben sich zusammen mit Wolfgang Kostujak, Rezitationen, auf die Spurensuche. Für den Weltmann, Mahner und Einsiedler wäre ein Morgen ohne ein Memento Mori unvorstellbar.

Ein Spitzenquartett kommt mit dem Belcea Quartet am 18. September nach Kempen. Die vier Musiker aus Rumänien, Polen und Frankreich widmen sich intensiv der zeitgenössischen Musik. In der Paterskirche spielt das Quartett um 18 Uhr in der Paterskirche Werke von Schubert, Schostakowitsch und Brahms. Am Tag danach ist es im Neusser Zeuhaus zu Gast.

"Back to the Future" heißt es am 18. September von 11 bis 17 Uhr in der Villa V. an der Burgstraße 4 in Viersen. Harald Grosskopf und Andreas Kolinski bieten mit Soundvisionen digitale Klangkunst. Die Villa ist das ehemalige Wohnhaus der Unternehmerfamilie Kaiser, das Bernhard Pfau 1931/32 entwarf. Am 21. September folgt wie anfangs beschrieben das Duo David Liebman und Richie Beirach in der Paterskirche. Und am Freitag, 7. Oktober, spielt die Onemanband auf dem Tho-Rieth-Hof von Familie Breidenbach an der Neuwerker Straße 15 in Viersen. Dorrit Bauerecker macht mit Klavier, Akkordeon, Toypiano und Zusatzinstrumenten die Bühne zum Spielplatz.

Quelle: RP
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