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Stadt Kempen
Ohne Ehrenamtler läuft nichts

Stadt Kempen: Ohne Ehrenamtler läuft nichts
Experten diskutierten über die Mängel in den Asylverfahren. FOTO: ka
Stadt Kempen. Auf Einladung der Grünen berichteten Experten über Einzelheiten zum Asylrecht. Fazit: Es läuft eine Menge falsch. Der Bearbeitungsstau sei dramatisch, hieß es. Von Manfred Baum

Der zweite Themenabend der Kempener Grünen zum Thema "Asyl und Flüchtlinge" am Mittwoch im evangelischen Gemeindezentrum unter der souveränen Leitung von Prof. Dr. Klaus Hufer war informativ, sachlich und aufklärend. Rund 40 Besucher waren gekommen, darunter viele Ehrenamtler, aber auch Sozialdezernent Michael Klee von der Stadt Kempen, der sich über viel Neues an diesem Abend ein wenig wunderte und den Formalismus beim Thema Flüchtlinge und Asyl kritisierte. Klee stellte fest: "Viel Entwicklungen laufen an uns vorbei."

Ein Ehrenamtler, der auch Sprachunterricht erteilt, brachte es auf den Punkt: "Bringen wir den Menschen Deutsch bei, damit sie ihre Abschiebungsverfügung auch lesen können ?" Weiter hieß es aus der Versammlung, dass die Systeme zu starr seien. Und Hufer fragte: "Muss die Politik verändert werden ?" Kritisiert wurde ebenso von Ehrenamtlern, dass es bisher noch nicht gelingt, Flüchtlinge in den Bundesfreiwilligendienst zu bekommen. Dr. Michael Stoffels (Arbeitskreis Asyl und Menschenrechte), der schon viele Flüchtlinge aufgenommen hat, sah zahlreiche Parallelen zum Flüchtlingsstrom Anfang der 1990er Jahre vom Balkan. Schon damals sei das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge BAMF unterbesetzt gewesen, wie das auch heute der Fall sei. Er sah, dass es jetzt im politischen Raum heißt: "Abschotten, abwehren." Sein Fazit: "So furchtbar willkommen sind die Flüchtlinge und Asylbewerber wohl nicht." Es gebe neben der Willkommenskultur auch eine Gegenbewegung, stellte Stoffels fest. Man war sich am Mittwochabend im Plenum rasch einig: "Es läuft vieles falsch." Und ohne die ehrenamtlich tätigen Menschen, so das weitere Fazit an diesem Abend , wäre vieles schon kollabiert. Peter von Wilcken aus Euskirchen, der mit auf dem Podium saß, ist seit Jahrzehnten im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge tätig und steht kurz vor dem Eintritt ins Rentnerdasein. Er stellte fest, dass nur dann der Aktenstau schneller abgearbeitet werden könne, wenn mehr Personal zur Verfügung stehe. Doch den Bearbeitungsstau habe es schon vor der neuen Flüchtlingswelle gegeben. Er sah die lange Verfahrensdauer auch als "Anreiz, nach Deutschland zu kommen", selbst für Menschen aus sicheren Herkunftsländern. Eine Einarbeitung neuer Mitarbeiter dauert, so von Wilcken, mindestens drei Monate.

Bianca Goertz (Volkshochschule ) verwies auf verschiedene Angebote hin. Das reiche von Sprachkursen über Integrationskurse bis hin zur beruflichen Sprachförderung. Sie vermisst weiter den Transparenzgedanken. Stoffels nannte ein Beispiel: Ein junger Kempener aus Afghanistan, der eine besondere Sprachförderung für Minderjährige bekam, weiß nach zwei Jahren in Deutschland immer noch nicht, ob er bleiben darf. Auch Stoffels sprach von einer chronischen Unterbesetzung des BAMF. Er übte weiter Kritik an den Widerrufsprüfungen und an der Bürokratisierung. Doch von Wilcken machte deutlich, dass "wir in einem Rechtsstaat leben".

Quelle: RP
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