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Stadt Kempen
Osterlamm schmeckt nur ganz frisch

Stadt Kempen: Osterlamm schmeckt nur ganz frisch
Stefanie Thönes zeigt die Osterlämmer, die Bäckermeister Jörg Weidenfeld nur auf Bestellung produziert. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Kempen. Die Bäckerei Weidenfeld produziert Osterlämmer nur auf Bestellung. Man will sie nicht nach Ostern verschleudern oder wegwerfen. Der Ursprung liegt im Ritual der Juden, zum Passahfest ein Lamm zu schlachten. Von Silvia Ruf-Stanley

Zwei ihrer Kameraden stehen zwar schon im Schaufenster, aber nur zur Dekoration. Erst nächste Woche fängt in der Bäckerei Weidenfeld an der Judenstraße die Produktion von Osterlämmern aus süßem Teig an, "und das auch nur auf Bestellung", so Bäckermeister Jörg Weidenfeld. Denn die gebackenen Lämmchen sollen ganz frisch auf den Ostertisch kommen. Weil das so ist, verzichtet er darauf, große Mengen herzustellen. Schließlich hat er keine Lust, sie nach Ostern zu Schleuderpreisen zu verkaufen oder gar wegzuwerfen.

Preislich kann ein Handwerksbetrieb sowieso nicht mit den Supermärkten und Discountern mithalten, deshalb ist die Nachfrage auch geringer geworden, so Weidenfeld. Die Zeiten hätten sich da geändert. So etwas wie das gebackene Osterlamm sei nichts Besonderes mehr. Dafür bekommen aber seine Kunden frischere Qualität und nichts schon lange Vorproduziertes. Wahrscheinlich könne sich kaum einer vorstellen, wie viel Arbeit in dem Tierchen steckt. Denn jedes wird einzeln gemacht. Und obwohl in seiner Backstube 30 Formen stehen, ist es doch aufwendig, jedes Mal die Form zu säubern und neu einzufetten, bevor der nächste Backgang beginnt. Wer zu Hause schon ein einmal ein Lamm gebacken hat, weiß, wovon er spricht.

Bei Weidenfeld gibt es drei Variationen. Einmal aus dem klassischen Sandkuchenteig, aber er backt die Lämmer auch aus Quarkteig und Hefeteig. Die Teige werden teils schon vorher vorbereitet, weil sie sich gut einfrieren lassen. Aber der Bäcker warnt davor, das fertige Lamm oder Reste davon einzufrieren: Es schmeckt nur frisch. Aber erfahrungsgemäß wird so ein Lamm wohl kaum die Osterkaffeetafel überleben.

Bei Weidenfeld werden die Lämmer grundsätzlich nicht komplett mit Kuvertüre umhüllt. Das sei viel zu süß, meint er. Denn der Teig enthält schon genug Süße. Außerdem erinnert der helle Teig an das weiße Fell der echten Lämmchen. Vielmehr stehen die Lämmer bei ihm mit den Füßchen auf einem mit Kuvertüre überzogenen Sockel. Am liebsten aus Zartbitter, wenn es nach Weidenfelds Geschmack geht. Das ist dann der gute Gegensatz zum süßen Teig. Es darf aber auch Nougatkuvertüre sein. Außerdem witzelt er, wenn er die Lämmer komplett mit Kuvertüre überzöge, würden die Kunden meinen, bei Weidenfeld wären die Lämmer beim Backen angebrannt, und er verdeckte das. Auch das Bestäuben mit Puderzucker, was manche machen, hält er für zu süß.

Abgesehen davon, dass das gebackene Osterlamm Zierde jeder Kaffeetafel an Ostern ist, hat das Lamm schon eine lange Tradition. Es entstand aus dem Ritual der Juden, zum Passahfest ein Lamm zu schlachten und gemeinsam zu essen. Später wurde das Lamm zum Symbol "Lamm Gottes". Noch heute hören das die Christen in der Liturgie der Wandlung beim Abendmahl. Der Priester verwandelt in Worten den Wein und das Brot zu Fleisch und Blut. Das Lamm wird als Zeichen des Lebens verstanden. Das Lamm ist mit seinem weißen Fell auch ein Symbol für die Reinheit und die friedliche Lebensweise - soll ein Zeichen für die Menschen sein, ihr Leben ebenfalls in Frieden zu führen.

Quelle: RP
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