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Stadt Kempen
Osteuropäische Klänge in der Propsteikirche

Stadt Kempen. Kommen die Mitwirkenden der Sommerserenaden in der Regel aus Kempen und Umgebung, so war diesmal eine deutlich längere Anreise erforderlich. Dimitri und Lilja Strelow kamen aus dem weißrussischen Brest. Dort, im früheren Brest-Litowsk, wurde 1918 im Ersten Weltkrieg der Friedensvertrag zwischen Sowjetrussland und den Mittelmächten geschlossen. Von Gert Holtmeyer

So lange ist es natürlich noch nicht her, dass das Ehepaar Strelow zum ersten Mal nach Kempen kam. Aber recht lange währt die niederrheinisch-weißrussische Beziehung doch schon. 1998 lernten der Akkordeonist und die Sängerin als Straßenmusiker Kempen kennen, fanden hier Freunde und kommen seitdem regelmäßig zu Besuch. Bei der Gelegenheit wurden sie vor sieben Jahren, damals gemeinsam mit ihrer Tochter Anna, zu einem Konzert in die Propsteikirche eingeladen. Und weil es so schön war, wurden sie bei ihrem diesjährigen Besuch wieder einmal zu einer Sommerserenade verpflichtet. Tochter Anna konnte allerdings nicht mitkommen, sie steckt jetzt mitten im Studium.

Seit 1998 ist die Kempenerin Irmgard Richter mit den Strelows befreundet. René Dignef befragte sie zwischen den Musikbeiträgen nach ihren Eindrücken vom Leben im fernen Weißrussland. Erschütternd war, was von der Armut in diesem Land berichtet wurde. Nur schwer schaffen es die zahlreichen Arbeitslosen, im Winter an Heizmaterial zu kommen. Es macht traurig anzusehen, wie kleine Mengen von Gartengemüse verkauft werden, um zu ein wenig Bargeld zu kommen. Auf der anderen Seite: das Feiern in geselliger Runde hat einen hohen Stellenwert. Dann gibt es Fleisch und Fisch, und dann wird von allen zusammengetragen, was sich gerade auftreiben lässt.

Lilja und Dimitri Strelow sind beide Berufsmusiker, beide arbeiten als Musik-Dozenten in Brest. Beide gaben in der Propsteikirche Kostproben osteuropäischer Klänge. Lilja steuerte russische Lieder bei, natürlich durfte dabei "Kalinka" nicht fehlen. Auch bei Dimitri kam das Osteuropäische nicht zu kurz. Leises Mitsummen des Publikums war bei Franz Lehárs Wolgalied zu hören. Der bei Geigern sehr beliebte Czárdás von Vittorio Monti verfehlte auch auf dem Akkordeon seine Wirkung nicht, genau so wenig wie die Filmmusik aus Doktor Schiwago oder der zweite Walzer aus Schostakowitschs Jazz-Suite Nr. 2.

Mit Virtuosität und flotten Tempi blieb es aber nicht allein beim Osteuropäischen. Viel Beifall erhielt der Meister des Akkordeons auch für Tango und Paso Doble, Valse Musette und Offenbachs Barcarole.

Für den begeisterten Beifall bedankte sich Strelow mit einer Zugabe, mit Franz Schuberts Ave Maria. Morgen, 3. August, folgt das nächste Serenadenkonzert in der Propsteikirche.

Quelle: RP
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