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Gemeinde Grefrath
Pläne fürs neue Rathaus vor dem Aus

Gemeinde Grefrath. Über drei Jahre hat man vergeblich diskutiert: Der Kauf des Gebäudes von Johnson Controls scheint gescheitert. Das Unternehmen will sich nicht länger hinhalten lassen. Die Reaktionen aus der Politik sind unterschiedlich. Von Heiner Deckers und Michael Busch

Der Traum vom neuen Rathaus in Verbindung mit dem Mehrgenerationenhaus im ehemaligen Entwicklungszentrum von Johnson Controls dürfte Geschichte sein. Die Liberalen wollen das Vorhaben nicht mehr mittragen, so lange die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. "Es liegt nach wie vor kein Organisationsplan vor" sagte gestern Werner Mülders auf Anfrage der RP. Es sei ein Ratsbeschluss, dass der Bürgermeister einen solchen vorlegt, bevor es zum Kauf des Gebäudes kommt.

In den nächsten Jahren werde sich in Verwaltung eine Menge tun, sagte Mülders weiter. Es gingen Mitarbeiter in den Ruhestand, einige der frei werden Stellen sollen nicht neu besetzt werden. Bevor die FDP über die künftige Organisation nicht genau Bescheid weiß, werde sie den Planungen für das neue Rathaus nicht zustimmen. Werner Mülders lässt indes keine Zweifel aufkommen, dass Grefrath dringend eine neues Rathaus braucht: "Aber wir lassen uns nicht die Pistole auf die Brust setzen. Außer dem Kaufpreis gibt es doch keine konkreten Zahlen. Das wäre ein Vabanquespiel."

Dumm für die Beteiligten ist nur, dass kaum mehr Zeit bleibt: Das Unternehmen Johnson Controls hat der Gemeinde nämlich nur eine Option bis Ende März gegeben. Gibt es bis dahin keinen Zuschlag wird das Gebäude wohl an einen Investor verkauft.

SPD-Fraktionschef Jochen Monhof findet es ärgerlich, dass die aktuellen Planungen geplatzt sind: "Es wäre die preiswerteste Lösung gewesen." Man sei für Alternativen jederzeit offen, ein von der CDU vorgeschlagener Neubau komme jedoch mit Sicherheit nicht in Frage. Wenn man jetzt Geld in die bestehenden Rathäuser investieren müsse, gebe es gewaltige Probleme mit dem Haushaltssicherungskonzept. Auf der anderen Seite sei Fakt: "Wir können die Rathäuser nicht verfallen lassen." Zwei könne sich die Gemeinde aber keinesfalls mehr leisten. Außerdem müsse man eine Heimat für die Vereine "Älter werden in der Gemeinde Grefrath" und "Mutter und mehr" finden, die im neuen Rathaus untergebracht werden sollte.

Die CDU sieht sich auf der anderen Seite in ihrer vielfach geäußerten Meinung bestätigt, dass die Gemeinde das Vorhaben nicht finanzieren kann. Die Christdemokraten sind wohl bereits damit beschäftigt, Alternativen zum Johnson-Controls-Gebäude bieten. Offiziell bestätigen wollte das gestern indes niemand.

Im Herbst 2010 äußerte die Gemeinde, dass sie die Möglichkeit prüfen will, das seit einigen Jahren leerstehende Gebäude der Firma Johnson Controls als Rathaus zu nutzen. Im Sommer 2011 nahm Bürgermeister Lommetz stellte das Projekt erstmals öffentlich vor. Die CDU hingegen befand die Johnson-Lösung als finanziell nicht tragbar und warnte vor erheblichen Risiken für die Gemeinde. Im Laufe der Monate gelang es dem Bürgermeister, den im Raum stehenden Kaufpreis erheblich zu drücken.

Im April 2013 folgte dann die Entscheidung für den Umzug der Verwaltung zum Bronkhorster Weg. SPD, FDP und Grüne stellen einen gemeinsamen Antrag. Eine Sanierung der jetzigen Räumlichkeiten sei viel zu teuer. Für und Wider seien jetzt lange genug diskutiert worden, die Zeit sei reif für eine Entscheidung. In der Sitzung des Gemeinderats am 29. April 2013 setzte sich die "Ampel" mit ihrer Stimmenmehrheit durch.

Und jetzt: Dreieinhalb Jahre Diskussion waren vergebens, die Gemeinde Grefrath steht wieder am Anfang ihres Problems mit einem neuen Rathaus. Bürgermeister Manfred Lommetz war übrigens gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Quelle: RP
 
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