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Stadt Kempen
Politiker kritisieren Baudezernent Kahl

Stadt Kempen: Politiker kritisieren Baudezernent Kahl
Das Fördergerüst der ehemaligen Schachtanlage in Tönisberg steht seit Anfang des Jahres - wie einige Nebengebäude - unter Denkmalschutz. Die Ruhrkohle AG als Eigentümerin will die Gebäude abreißen. FOTO: Kaiser
Stadt Kempen. Deutliche Kritik gab es in der Sitzung des Denkmalausschusses am Technischen Beigeordneten der Stadt Kempen. Die Politik fühlt sich in das Planverfahren Ellenstraße nicht richtig eingebunden. Von Andreas Reiners

Zuletzt musste sich Stephan Kahl im Zuge seiner Wiederwahl als Baudezernent im September von SPD und Grünen Kritik gefallen lassen. Am Montagabend gab es aus allen politischen Lagern im Denkmalausschuss kritische Worte gegen ihn. Der Grund: Beim Planverfahren der städtebaulichen Studie für eine mögliche Neubebauung an der westlichen Ellenstraße in der Kempener Altstadt fühlt sich die Politik nicht richtig eingebunden. Prof. Kunibert Wachten vom beauftragten Planungsbüro Scheuvens & Wachten erläuterte im Ausschuss das geplante Vorgehen. Wie berichtet, soll es unter anderem zwei Workshops geben, an dem die Stadt, ein privater Bauherr, der an der Ellenstraße/Ecke Hessenwall (ehemalige "Heitzer"-Häuser) einen Neubau plant, sein Architekt und das Rheinische Amt für Denkmalpflege beteiligt sein sollen. Moderiert wird der Prozess vom beauftragten Planungsbüro.

Wie Wachten dem Denkmalausschuss weiter mitteilte, soll das politische Gremium jeweils nach den Workshops über die Ergebnisse informiert werden, kann darüber beraten und beschließen. Das ist den Politikern aber zu wenig. Sie hatten bereits bei der Beauftragung des Planungsbüros im September darauf gedrungen, dass jeweils ein Vertreter der sechs Ratsfraktionen an den Workshops teilnehmen soll.

Baudezernent Kahl verteidigte die Entscheidung der Stadtverwaltung, die Politik nicht in den gesamten Prozess einbeziehen zu wollen. Die Teilnehmerzahl an den Workshops würde zu groß, effektives Arbeiten sei dort nur in einer Gruppe von sechs bis acht Personen möglich. Das ließen die Ausschussmitglieder nicht gelten. Sie beschlossen einstimmig, jeweils einen Vertreter aus jeder Fraktion zur Mitwirkung in die Workshops zu entsenden. Kritik kam zudem aus den Reihen von SPD und Grünen, dass die Bürger erst ganz am Ende des Prozess informiert werden sollen, wenn ohnehin schon alles entschieden sei.

Auch bei einem anderen Tagesordnungspunkt gab es Kritik aus der Politik am Baudezernenten. Die SPD-Stadtverordneten Irene Steeger und Heinz Wiegers hielten Kahl vor, er habe sich zu wenig für die Initiative des Fördervereins zum Erhalt der Schachtanlage in Tönisberg eingesetzt. In der Sache berichtete Kahl von den Vorbereitungen eines weiteren Spitzengesprächs von Stadt, Kreis, Bauministerium, Rheinischem Denkmalamt und Ruhrkohle AG (RAG) als Eigentümerin des ehemaligen Zechengeländes. Das ist für Donnerstag, 17. Dezember, im Kempener Rathaus geplant. Beteiligt werden sollen auch Peter Kunz vom Zechen-Förderverein und Reiner H. Rosendahl vom Bezirksverband des Naturschutzbundes Nabu. Der Nabu hat bekanntlich vorgeschlagen, auf dem Gelände einen Naturerlebnispfad einzurichten. Allerdings fehlen dazu noch die erforderlichen Finanzmittel.

Nach Ansicht von Kahl drängt die Zeit, weil die RAG weiterhin auf einem Abriss besteht, was auch möglich ist, obwohl der Zechenturm und die Nebengebäude unter Denkmalschutz stehen. Bis zum Jahresende müsse eine Entscheidung über eine Folgenutzung getroffen werden, sagte Kahl - notfalls per erneutem Ministererlass.

Irene Steeger und Heinz Wiegers warfen Kahl vor, die Sache unnötig übers Knie zu brechen. Die Experten des Rheinischen Denkmalamtes hätten einen Zeitraum von fünf Jahren als sinnvoll erachtet, um eine Folgenutzung auf die Beine zu stellen. Kahl unterstütze die Initiative des Fördervereins mit "zu wenig Herzblut", sagte Irene Steeger.

Quelle: RP
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