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Kempen
Poststreik: Urne auf dem Weg nach Nettetal verschollen

Poststreik: Familie aus Kempen wartet tagelang auf Urne
Eine Familie aus Kempen wartet schon über zehn Tage lang auf die Urne mit der Asche ihres Vaters. Wo sich das wichtige Paket befindet, ist unklar. FOTO: epd/Cornelia Gierth
Kempen. Eine Geschichte aus Kempen zeigt, wie persönliche Schicksale durch den Poststreik beeinflusst werden: Eine Familie wartet seit über zehn Tagen auf die Urne mit der Asche des Vaters. Wo genau das Paket in der Lieferkette hängt, kann die Post nicht beantworten. Von Inga Methling

Eine Rechnung, das Paket aus dem Online-Shop oder die Postkarte aus dem Urlaub: Darauf kann man ruhig mal ein, zwei Tage länger warten. Doch wenn es um die Urne mit der Asche eines Familienangehörigen geht, hört das Verständnis für den Poststreik auf. 

Doch genau damit hat derzeit eine Familie aus Kempen zu kämpfen. Nach der Feuerbestattung wurde die Urne mit der DHL am 18. Juni von Marburg aus verschickt - Zielort Nettetal. Doch dort ist das Paket bis heute nicht angekommen. "Hier wird Pietät mit Füßen getreten", zitiert der "Express" ein verärgertes Familienmitglied. 

Hintergrund: Kleine Geschichte der Deutschen Post FOTO: AP

Zurzeit befindet sich die Urne irgendwo zwischen dem Paketzentrum Krefeld und der Zieladresse in Nettetal, bestätigte Post-Sprecher Rainer Ernzer auf Nachfrage unserer Redaktion. Da das Päckchen aber noch nicht wieder eingescannt wurde, kann der genaue Aufenthaltsort nicht bestimmt werden. "Der nächste Scan erfolgt, wenn der Zusteller das Paket in seinen Lieferwagen lädt", erklärte er. "Ob dies morgen oder in drei Tagen geschieht, kann aber niemand sagen." 

Ernzer hat Verständnis für den Unmut, teilte aber gleichzeitig mit, dass rund 80 Prozent aller Postsendungen trotz Streiks pünktlich ankämen. "Dass wir die Lücke genau bei diesem wichtigen Paket nicht schließen konnten, ist natürlich doppelt ärgerlich", sagte der Sprecher. "Aber Streik bedeutet nun mal höhere Gewalt."

Ähnlicher Fall in Bayern

Auch in Bayern wartet eine Frau seit drei Wochen auf die Urne mit der Asche ihrer verstorbenen Mutter. Das Paket sei auf dem Weg vom Krematorium ins oberpfälzische Schwarzenfeld gestrandet. "Ich darf mir das gar nicht vorstellen, dass meine Mutter irgendwo da liegt, zwischen all den anderen Paketen", sagte die 47-Jährige der Zeitung "Der neue Tag". Das Paket sei am 11. Juni abgeschickt worden.

Deutsche-Post-DHL-Sprecher Erwin Nier sagte, da habe bereits der Streik getobt. "Wer dann noch ein Paket losschickt, tut das schon sehr in dem guten Glauben, dass die Post das schon irgendwie noch richtet." Er wolle aber helfen und das Paket ausfindig machen.

(met)
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