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Stadt Kempen
Praxis im Handwerk braucht Zeit

Stadt Kempen: Praxis im Handwerk braucht Zeit
Firmenchef Heinz Kox (links) mit seinem erfolgreichen Auszubildende Christian Rieckhof. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Kempen. Christian Rieckhof kann nicht nur auf seinen Gesellenbrief stolz sein. Der Feinwerkmechaniker war Kammersieger und Landesbester in seinem Berufszweig. Der 21-Jährige hat bei Heinz Kox Hydraulik in Kempen seine Lehre absolviert. Von Bianca Treffer

Eine siebenstündige theoretische Prüfung, ein ausführliches Fachgespräch, ein Programm für eine CNC Bearbeitung schreiben, einen Fehler in einer Steuerung finden und eine Baugruppe als Funktionseinheit herstellen sowie funktionsfähig montieren - wenn Christian Rieckhof an seine Gesellenprüfung denkt, dann weiß er genau, warum er seine Lehrzeit nicht verkürzt hat, sondern die vollen dreieinhalb Jahre genutzt hat, um so viel Praxiserfahrung wie möglich zu sammeln. Der 21-jährige Krefelder hat bei Heinz Kox Hydraulik in Kempen eine Lehre zum Feinmerkmechaniker mit Erfolg absolviert.

Dass es in Richtung Maschinenbau gehen sollte, war Rieckhof schon früh klar. Bei einem Berufsfindungspraktikum während seiner Schulzeit an der Robert-Schuman-Europaschule in Willich schnupperte er in den Beruf des Mechanikers für Land- und Baumaschinen hinein. Er merkte aber, dass dies irgendwie noch nicht das Richtige für ihn war. Nach einem Besuch bei der Agentur für Arbeit kam der Beruf des Feinwerkmechanikers ins Spiel. Was Rieckhof bei der Berufsberatung erfuhr, sprach ihn auf der ganzen Linie an. Er erkundigte sich nach Ausbildungsfirmen. "Meine erste Bewerbung ging nach Kempen zu Heinz Kox Hydraulik", erinnert er sich. Beim Vorstellungsgespräch hatte er ein sehr gutes Gefühl. Das Interesse auf beiden Seiten war groß, so dass seinerzeit ein erstes Praktikum in den Weihnachtsferien folgte. Ein zweites schloss sich in den Osterferien an. Es gab eine Zusage für die Lehrstelle, die der Krefelder sofort annahm.

Nachdem er seine Fachoberschulreife mit Qualifikation an der Gesamtschule erreicht hatte, erfolgte der Wechsel zum Ausbildungsbetrieb. "Ich wollte kein Abitur machen, sondern praktisch arbeiten. Das hat in meinen Augen mehr Bezug zur Realität", erzählt der 21-Jährige. Einen Entschluss, denn er nicht bereut hat. Mit Begeisterung startete Rieckhof die dreieinhalbjährige Lehre. Von Verkürzen aufgrund seines vorausgegangenen Schulabschlusses hielt er nicht viel. Eine Meinung, die sein Chef Heinz Kox teilt. "Theorie ist das eine. Die kann man mit viel Fleiß erlernen. Aber die Praxis ist eine andere Sache. Ein Handwerk kann man nur durch Praxis erlernen. Da kann man nichts verkürzen. Üben, erfahren und daraus lernen ist hier angesagt. Wenn man dies nicht macht, fehlt die Erfahrung für die Abschlussprüfung", betont Kox.

Bei Christian Rieckhof war das auf der ganzen Linie nicht der Fall. "Am letzten Prüfungstag bei der Gesellenprüfung wurde uns mitgeteilt, ob wir bestanden haben oder nicht. Der Prüfer sagte, einige haben mit sehr gut abgeschlossen und schaute mich an. Ich wollte es erst gar nicht glauben", erzählt der junge Mann. Der Auszubildende schloss seine Gesellenprüfung als Prüfungsbester ab. Dazu war er Innungsbester der Metall-Innung Krefeld-Viersen, Kammerbester und Landessieger.

Als Landessieger qualifizierte er sich automatisch für den Bundeswettbewerb im November. Hier hatte er allerdings Pech. Die veraltete Fräse bereitete ihm bei der Prüfung im Bundesfachzentrum in Northeim Probleme und es reichte nicht für eine vordere Platzierung.

Viel wichtiger sind ihm aber die Übernahme und die Tatsache, dass er bereits mit der Ausbildung zum Meister angefangen hat. In Abendschulkursen absolviert Rieckhof derzeit seinen Ausbilderschein und den Fachkaufmann. Im Mai dieses Jahres schließt sich die eigentliche Meisterausbildung in Vollzeit ein. Für ein halbes Jahr geht es nach Düsseldorf an die Meisterschule. Einig sind sich Heinz Kox und Christian Rieckhof schon heute, dass es nach der Meisterprüfung auf jeden Fall in Kempen weitergehen soll. "Wir bilden aus, um unseren eigenen, qualifizierten Nachwuchs zu sichern und freuen uns über solch engagierte junge Menschen", betont Kox.

Der Feinwerkmechaniker stellt dabei das umfangreichste Berufsbild im Metallhandwerk dar. Ob Bohren, Fräsen, Zerspanen, Montage und Demontage - der Feinwerkmechaniker erlernt alle Grundlagen und kann sich später nach Wunsch spezialisieren. Gerade diese facettenreiche Ausbildung und das entsprechend abwechslungsreiche Arbeiten ist es auch, was Christian Rieckhof an seinem Beruf fasziniert. "Es wird nie langweilig", meint der junge Mann lachend.

Quelle: RP
 
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