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Kempen
Prediger-Wettstreit: Zeigt her eure Verse

Kempen: Prediger-Wettstreit: Zeigt her eure Verse
Wer will, kann nach dem Vorbild Dr. Bastian Rüttens den Predigtstuhl besteigen und den Zuhörern in der Alten Kirche seine Verse zeigen. "Alles kann", sagt Rütten - von der freien Rede bis hin zum Vortrag am Lesepult. FOTO: Busch
Nettetal. Bis zum 1. August noch können sich Teilnehmer am "Preacher Slam" in der Alten Kirche in Lobberich anmelden. Die Organisatoren laden junge Menschen bis etwa 20 Jahren dazu ein, sich mit einem Text über Sinnsuche zu beteiligen. Von Ludger Peters

Es besteht kein Zweifel. Die Alte Kirche inspiriert jeden, der bereit ist sich zu öffnen und aus der Enge von Konventionen herauszutreten. "Gott Mensch Kultur" ist programmatisch gar nicht anders zu verorten, wie es so heißt, als in diesem Raum. Die Unvollkommenheit der Innenausstattung paart sich mit dem Blick auf rohes Mauerwerk, das auch im übertragenen Sinne eingerissen und nicht wieder aufgerichtet wurde. Wer Symbolik mag, denkt möglicherweise, dass dieser Kirchenraum jene Kirche widerspiegelt, die heute Wirklichkeit ist. Sie ist und kann aber viel mehr.

"Die kirchliche Landschaft hat sich verändert. Jüngeren Menschen fehlt die an der Kirche orientierte Sozialisation", stellt Dr. Bastian Rütten fest. Die früher einmal verlässlichen Mechanismen in Familie und Schule funktionieren längst nicht mehr. Dem kann man als einem Verlust nachtrauern und sich einmauern in jener seltsamen Genügsamkeit selektiver Wahrnehmung, die manche Vertreter der Geistlichkeit inzwischen ganz offensiv betreiben.

Dem Team "Gott Mensch Kultur" geht es nicht um mögliche Rivalitäten über gut und richtig in ihrem Binnenverhältnis zur Kirche. Sie sind urchristlich auf der Suche nach Menschen, sie begegnen ihnen offen und ohne Bewertung. "Die Jugend ist nicht schlecht. Sie sucht das Gute und das Ganze", zitiert Rütten Papst Benedikt XVI. Von Gott oder Jesus habe der Papst bewusst nicht gesprochen. "Die Jugend" sucht im Gegenzug der Förderkreis der Alten Kirche - wenn auch nicht die Jugend allein. Dazu muss sie zunächst ein Format der Verständigung mit der anderen Generation finden. "Die Kirche gibt keine Antworten mehr in verständlicher Sprache. Sie hat sich hinter eine theologische Fachsprache zurückgezogen, mit der sie sich den fachlich weniger vorgebildeten Menschen aber nicht mehr verständlich macht", hat Rütten festgestellt. So verfiel das Team auf den Gedanken, ganz gezielt jungen Menschen das Wort zu geben und dabei auf ein Instrumentarium zurückzugreifen, das sie nicht nur anspricht, sondern das sie selbst sprechen - und eine Herausforderung für Redner und Zuhörer ist: Poetry Slam ist in der jüngeren Generation ein sehr beliebter Dichterwettstreit nach ganz bestimmten Regeln. Die Texte müssen selbst verfasst sein und in knapp bemessener Zeit vorgetragen werden. Die bewusste Selbstinszenierung im Vortrag ist erwünscht - schließlich ist es ein Wettstreit. Der Schritt zum "Preacher Slam", also dem Wettbewerb der Prediger, war da nicht mehr weit. "Zeigt her eure Verse!" fordern die Veranstalter die Altersgruppe der 15- bis 20-Jährigen auf, den Wettstreit anzunehmen. Er passt in das Konzept, mit der Alten Kirche Menschen den Raum anzubieten und damit positiven, vielleicht auch nur zufälligen Kontakt zu Kirche zu ermöglichen. Rütten schwärmt von den Möglichkeiten, die sich den Teilnehmern des Preacher Slam bieten. "Manche nähern sich ihrem Thema mit Humor, andere philosophisch, poetisch, lyrisch oder schlicht nachdenklich. Wir sind jedenfalls sehr gespannt darauf, wie die Teilnehmer ihre Aufgabe bewältigen", sagt er. Bedingungen und Regeln inhaltlicher Art erlegt das Organisationsteam niemandem auf. Zum einen werde jedem bewusst sein, in welchem Raum er sich am Wettbewerb beteiligt, zum anderen nehme Kirche alle Menschen bedingungslos an, die zu ihr kämen. "Uns ist wichtig zu hören, was junge Leute zu sagen haben zum Thema Sinnsuche", betont Rütten. Vorab wollen die Organisatoren gar nichts hören und auch nichts über Beiträge wissen. Fünf Minuten Zeit bleibt jedem Teilnehmer für seine Ansprache. Ob er sich frei vor oder auch unter den Zuhörern bewegt, ob er ein Pult für seinen Halt braucht oder gar die Kanzel erklimmen will - alles ist denkbar. "Die technischen Voraussetzungen haben wir", versichert Rütten. Preacher Slam wird von zwei jungen Menschen aus der Jungen Kirche Viersen moderiert, sie bringen auch den Gitarristen mit, der zwischen den einzelnen Beiträgen kurze Stücke spielt. "So können sich Zuhörer mal schnell was zum Trinken besorgen oder in Ruhe ihre Notizen machen. Schließlich entscheiden sie, wer am Ende den Wettstreit gewonnen hat. Wir verteilen unter allen Besuchern Stifte und Notizzettel", erklärt Rütten.

Die misstrauische Frage "Macht ihr jetzt auch in Jugend?" amüsiert Rütten und seine Mitstreiter. Solche Zuordnungen passen nicht in ihr Konzept. Jugend ist ein Teil von "Alte Kirche Gott Mensch Kultur".

Quelle: RP
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