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Stadt Kempen
Probesprühen für die "SWK 836"

Stadt Kempen: Probesprühen für die "SWK 836"
Unter fachkundiger Anleitungen lernten die Mädchen und Jungen zunächst einmal das Basiswissen. Die Sprühdosen kommen erst später zum Einsatz. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Kempen. Eine ausgemusterte Straßenbahn soll zum Jugendtreff werden. Kinder und Jugendliche dürfen sie farblich gestalten. Damit das vernünftig aussieht, werden sie in Workshops in die Kunst des Sprayens eingewiesen. Von Willi Schöfer

Die Spraydosen, Einwegoveralls oder Spanplatten liegen zwar schon bereit, aber so weit ist es für die 18 Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Jugendfreizeiteinrichtung "Campus" noch nicht. Sie müssen erst einmal das richtige Sprayen lernen. Denn eine alte ausgemusterte Straßenbahn soll bald mit dem entsprechenden Outfit zu einem neuen Jugendtreff werden.

Es ist der erste von drei Workshops, in denen die jungen Leute zu Graffiti-Künstlern werden sollen. Eben für die "Elektrische", die wahrscheinlich Anfang des nächsten Jahres unter kräftigem finanziellen Anschub der Stadtwerke Krefeld (SWK) und der Stadt Kempen ihr neues Quartier auf dem noch neu zu bauenden Gleisbett im Sportpark an der Berliner Allee in Kempen bekommen wird.

"Wir möchten diesen besonderen Treff im Frühjahr mit einem Skater- und Bike-Contest einweihen", sagt Kempens Jugendleiterin Heike Badberg, die beim ersten Workshop genauso mitmacht wie der 26-jährige SWK-Projektleiter Gregor Ulschmid. Auf dem letzten Stipp kommt im Trikot und in kurzer Sporthose der 15-jährige Dessur Abazi. Sechs Mädels sind unter anderem schon da, darunter die 15-jährige Ardita Muhaxheri, die oft ins Jugendzentrum "Alte Post" geht. Sie sagt: "Schon in der Schule hat mir das Zeichnen immer großen Spaß gemacht, und jetzt kann ich bestimmt etwas dazulernen."

Sie kann. Es geht in den ersten Stunden wirklich erst einmal um das Zeichnen von Buchstaben und Initialen. Angeleitet wird die Gruppe von Zweien, die nicht nur das Alter, nämlich 26, gemeinsam haben: Nils Sprenger (Krefeld) und Michael Verhoeven (Duisburg). Nils hat Kommunikations-Design studiert, Michael ist gerade dabei. Und Beide sprayen seit etwa zehn Jahren, freuen sich natürlich auf das Projekt; Michael kommentiert: "Denn es kommt selten vor, dass wir so eine große Fläche legal besprayen dürfen."

Erst einmal werden DIN-A4-Blätter, Blei- und Eddingstifte verteilt. "Schreibt erst einmal in Großbuchstaben eure Vornamen auf das Blatt, macht euch Hilfslinien, damit es erst einmal geordnet aussieht, und verseht die Striche und Bögen der Buchstaben mit einem Rahmen, den wir ja dann später mit den Farben füllen müssen", lautet die erste Aufgabe. Einer der Besten ist Dominik. Er ist aber schon 24 und arbeitet als studentische Hilfskraft im "Calimero" in St. Hubert.

Aber auch Vivien, Jessica, Sara und Chayenne machen ihre Sache gut. Ferner der 21-jährige Kay Haupthof. "Rohrakrobat" steht auf seinem schwarzen T-Shirt. Kay, dessen zweites Zuhause das Campus ist, erklärt: "Ich habe den Beruf eines Anlagenmechanikers gelernt, früher hieß das mal Heizungs- und Sanitärinstallateur.

Auch Jugendliche vom "Mounty" in Tönisberg sind gekommen. "Wann geht es denn endlich mit dem Sprayen los?", will die elfjährige Amjad wissen. Doch so weit ist es immer noch nicht. Die jungen Leute lernen auf den Papierbögen erst einmal, die Buchstaben schrittweise mehr auszuarbeiten, sie zu verschieben, mit Hintergründen und Schatten zu versehen.

"Ein tolles und außergewöhnliches Projekt", schwärmt in einer kurzen Pause Jugendamtsleiterin Heike Badberg. Sie lobt den Einsatz und das Engagement vieler Jugendlicher, die sogar für die Verwirklichung des Projekts gekämpft hatten. Was Heike Badberg noch sehr wichtig ist: "Dass die jungen Leute selbst entscheiden können, wie später mal der Treff heißt oder ob da rosa oder grüne Kissen reinkommen."

Nach etwa vier Stunden ziehen sich die Teilnehmer dann die Overalls und Masken an, nachdem sie ihre besten Entwürfe, darunter sind auch einige originelle Comic-Figuren, auf etwa 1,40 mal 1 Meter lange und breite Spanplatten übertragen haben. Dann dürfen sie endlich zu den Spraydosen greifen.

Michael und Nils sind mit einigen Graffiti-Werken sehr zufrieden. Jetzt folgen am 13. und 20. November zwei weitere Workshops in einer großen Wagenhalle der SWK. Dort steht seit einigen Wochen der etwa 28 Meter lange rot-weiße Triebwagen "SWK 836" mit seinen 54 Sitzplätzen.

Quelle: RP
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