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Stadt Kempen
Realschule fürchtet um Bestand

Stadt Kempen. Die Realschulen haben Zukunftssorgen. Je nach Ausgang der Landtagswahl könnte ihre Existenz auf dem Spiel stehen. Der Kempener Schulleiter Uwe Hötter zählt die Vorzüge auf, die für das Erfolgsmodell sprechen. Von Heiner Deckers

178 Anmeldungen hatte die Kempener Erich Kästner Realschule für das neue Schuljahr, 39 Mädchen und Jungen mussten aus Kapazitätsgründen abgewiesen werden. Knapp 1000 Schüler drücken ab August an der Pestalozzistraße die Schulbank. Die Kempener Realschule ist damit die größte im Regierungsbezirk Düsseldorf und eine der größten im Land.

Zwei-Klassen-Gesellschaft

Trotzdem kann Schulleiter Uwe Hötter nicht sorgenfrei in die Zukunft schauen: "Es gibt von politischer Seite unterschiedliche Äußerungen zur Veränderung der Schulstruktur", sagt er. Unter anderem im Gespräch sei eine Zusammenlegung von Haupt- und Realschule zur Mittelschule, die Gymnasien blieben in ihrer jetzigen Form bestehen. "Das wäre eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, das kann nicht gut sein", betont Hötter. Selbst Fünft- und Sechstklässler haben von der aktuellen Diskussion etwas mitbekommen und fragen ihren Schulleiter ganz besorgt, ob die Realschule wirklich aufgelöst werde.

Über Veränderungen könne man aber nur dann reden, wenn die Klassen wirklich verkleinert werden, um einzelne Schüler effektiver fördern zu können. Eine Veränderung in diese Richtung ist für Hötter allerdings nur unter einer Voraussetzung denkbar: "Alle Schulformen müssen einbezogen werden, auch die Gymnasien." Außerdem gehe das nicht zum Nulltarif: "Man muss in Bildung investieren."

Am liebsten wäre ihm indes eine Beibehaltung des jetzigen Schulsystems. In Kempen gebe es eine stabile Hauptschule, an der ausgezeichnete Arbeit geleistet werde und die im Sommer einmal mehr zwei Eingangsklassen hat. Das generelle Problem der Hauptschulen: "Sie bekommen nicht die gesellschaftliche Anerkennung, die sie verdienen." Für Hötter auch einer der Gründe für den großen Zulauf an Gesamtschulen: "Das ist oft eine Vermeidungsstrategie. Die Eltern wollen nicht, dass ihr Kind die Hauptschule besucht." Außerdem ausschlaggebend für Gesamtschulen sei in vielen Fällen der Ganztagsbetrieb. Den wünschen sich immer mehr Eltern, wie auch eine Befragung bei der Anmeldung zur Realschule deutlich machte.

Ganztagsunterricht gibt es an der

Erich Kästner Realschule nicht, aber sie könne dafür, so Hötter, mit anderen Pfunden wuchern: "Bei uns gibt es eine gute Lernatmosphäre und höfliche Umgangsformen. Viele Schüler sind sozial aktiv." Kinder, die nicht auf Anhieb den Sprung von der Grundschule ins Gymnasium schaffen, hätten Zeit, sich zu entwickeln. Hier werde auch der Elternwille deutlich: "Viele der bei uns angemeldeten Schüler haben eine Gymnasialempfehlung." Weiterer Pluspunkt sei das überaus große Engagement der Eltern, sowohl in der Schulpflegschaft als auch im Förderverein.

Beim Realschultag am letzten Wochenende haben sich die acht Realschulen aus dem Kreis einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Besonders gefreut hat sich Hötter, dass viele Bürgermeister, unter anderem Volker Rübo aus Kempen, die Veranstaltung im Viersener Kreishaus besucht haben. Das zeige deutlich den großen Rückhalt, den das Modell Realschule in der Öffentlichkeit habe.

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Quelle: RP
 
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