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Stadt Kempen
Regen trübt den Ertrag bei der Gerste

Stadt Kempen: Regen trübt den Ertrag bei der Gerste
Die Bauern im Kreis Viersen sind enttäuscht über die Gersteernte. FOTO: FHB
Stadt Kempen. Die Ernte der Wintergerste ist eine große Enttäuschung, es gab große Ertragseinbußen. Von Joachim Niessen und Heiner Deckers

Bauern im Kreis Viersen schauten lange vor allem in Richtung Himmel: Für sie ging es um das Thema "Korn" - und das aus gutem Grund, so der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV). "Um die Gerste ernten zu können, muss einige Tage die Sonne geschienen haben, so dass das Korn trocken ist. Sonst ist die Feuchtigkeit in den Körnern zu hoch, und das Getreide kann nicht gelagert werden", erklärt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft, Paul-Christian Küskens. Die Bauern hofften auf eine gute Ernte, am Ende allerdings leider vergeblich.

Die Ernte von Wintergerste ist in weiten Teilen des Rheinlands abgeschlossen. Mit großer Enttäuschung blicken die Bauern in der Region auf das Ergebnis. "Die Ertragseinbußen liegen bei 15 bis 20 Prozent", stellt der Küskens fest. Als Grund führt der Vorsitzende die hohen Niederschlagsmengen in Mai und Juni an. Parallel fehlte die Sonneneinstrahlung. Hierdurch würden die Körner nur unzureichend ausgebildet, so dass das sogenannte Eigengewicht der Gerste deutlich geringer ausfalle als in anderen Jahren. Angesichts der guten Witterungsbedingungen in den letzten Tagen, konnte trotz der schwierigen Befahrbarkeit der Flächen die Ernte zügig eingefahren werden.

Beim Anbau von Gerste wird zwischen Winter- und Sommergerste unterschieden, wobei Wintergerste in Deutschland bedeutender ist, so der RLV. Wintergerste wird von Mitte September bis Anfang Oktober mit etwa 230 bis 350 Körnern pro Quadratmeter ausgesät. Sommergerste wird im Frühjahr von Ende Februar bis Anfang April gedrillt, das heißt gesät. Die Ernte der Gerste geschieht im Juli/August. Gerste wird unter anderem als Futtermittel verwendet. Bekannt ist Gerste vor allem als Ausgangsprodukt für die Herstellung von Malz für Brauereien. Hierbei kommt überwiegend Sommergerste zum Einsatz, die sich besonders durch einen Proteingehalt von maximal 11,5 Prozent auszeichnet.

Die Erlössituation der rheinischen Getreidebauern und damit deren wirtschaftliche Lage verschlechtern sich durch die deutlich hinter den Mengenerwartungen zurückgebliebenen Hektarerträge und durch niedrigere Erzeugerpreise. Bedingt durch die weltweit hohen Ernteerwartungen vor allem in Übersee und Russland liegen die Weltmarktpreise auf einem Fünf-Jahres-Tief. "Wir Bauern hängen heute mehr von den Börsen in Chicago und Paris ab, als von der Situation Vorort", erläutert Küskens und zeigt auf, dass im letzten Jahrzehnt das Wohl und Wehe der Landwirtschaft vom Weltmarkt bestimmt wird. Da auch in Frankreich eine Missernte droht, könnte sich vielleicht zum Jahreswechsel der Preis wieder etwas erholen, zeigt sich Küskens angesichts der aktuellen nicht kostendeckenden Preise von zwölf Euro pro Dezitonne ein wenig optimistisch. Auch beim Raps ergibt sich derzeit kein besseres Bild. Die Erträge liegen deutlich unter dem Vorjahresniveau. Die ersten Ergebnisse würden einen Ertragsverlust von bis zu 25 Prozent vermuten lassen. "Weder die Masse noch die Ölgehalte überzeugen", so der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen. Raps wird heute überwiegend zu Biodiesel verarbeitet und hängt damit vom Ölmarkt ab. Als wichtiges Nebenprodukt entsteht Rapsschrot, das ein wichtiges Eiweißfutter ist.

Der Absatz von Rapsschrot ist zumindest in den letzten Jahren stabil. "Auf unseren Feldern wächst hiermit ein wichtiges gentechnikfreies Eiweißfutter für unsere Milchkühe", so Küskens. mit Blick auf die Ankündigung des Lebensmitteleinzelhandels, zukünftig verstärkt "gentechnikfreie" Milchprodukte verkaufen zu wollen.

Mit einem Plakat "Wir machen Korn" wollen die Bauern auf die Vielfalt der erzeugten Lebensmittel hinweisen. Auf jedem Essenstisch finden sich Körner. Sei es im Müsli, im Brot oder sogar Bier, wir Deutsche lieben Getreide in jeglicher Form. Mit Mehl aus Hafer, Weizen, Dinkel und Co. werden auch Pizza, Nudeln, Kuchen und Plätzchen produziert. Diese Vielfältigkeit ist es, die Getreide zu einem Grundnahrungsmittel macht, stellt der RLV fest.

Quelle: RP
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