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Grefrath
Richtig Fitschen ist eine Kunst

Grefrath: Richtig Fitschen ist eine Kunst
Monika Schommer weiß eine Menge über Bohnen und gibt ihr Wissen gern an die Besucher weiter. FOTO: kaiser
Grefrath. Mitmachen war im Niederrheinischen Freilichtmuseum angesagt. Bei der Aktion "Bohnen - von der Stange ins Fass" konnten die Besucher nicht nur Bohnengerichte probieren, sondern auch beim Einmachen helfen. Von Bianca Treffer

"Möchtest du die Kurbel drehen?", bei der Frage von Monika Schommer braucht Niklas nicht lange zu überlegen. Flugs greift der Sechsjährige zu der schwarzen Kurbel der Schnibbelmaschine, die am Holztisch im Tante-Emma-Laden des Niederrheinischen Freilichtmuseums festgeschraubt ist. Schommer steckt eine Stangenbohne in eine der Öffnungen und Niklas kurbelt. Mit einem lauten Quietschen setzt sich das Schneidwerk in Bewegung. "Das muss Butter dran, dann quietscht das nicht mehr", meint Gertrud Meyer lächelnd, die sich ebenfalls im Laden eingefunden hat, denn das Thema Bohnen einmachen interessiert sie auch.

Während Meyer von ihren Kindheitserinnerungen an die Bohnenernte auf dem elterlichen Hof erzählt und Paul Weiß sich an den typischen, mit dem Einmachen einhergehenden Bohnengeruch erinnert, greift Schommer zum Messer. Den linken Zeigefinger ausgestreckt, eine Stangenbohne aufliegend, zerlegt sie diese schneller mit dem Küchenmesser in feine Scheibchen, als es Niklas mit der Maschine schafft.

Die Besucher im Tante-Emma-Laden staunen. "Man muss das Messer flach halten und die Bohne immer nachschieben", erklärt Schommer und verrät schmunzelnd, dass sie sich beim Bohnenfitschen noch nie in den Finger geschnitten habe. Das passiere eher beim Speckschneiden. Während bei Schommer eine große Zinkwanne voller Stangenbohnen auf die Weiterverarbeitung wartet und der große Gärtopf schon für die erste Bohnenlage bereit steht, tischt Kollegin Doris Peffer auf. Die Mitarbeiterin des Tante-Emma-Ladens hat gleich vier Bohnengerichte zum Verkosten im Angebot.

Ursula Bucher-Frantz und Hans Joachim Frantz starten mit der Bohnensuppe, die auf der Wärmeplatte sanft vor sich hin köchelt. "Die ist so gut wie zuhause", lautet der einhellige Kommentar des Ehepaares, wobei Bucher-Frantz direkt vermutet, dass Peffer die Suppe auch auf geräuchertem Fleisch gekocht hat. Was genau zutrifft. Elvira und Karl Impelmanns probieren indes den Salat aus den süß-sauer eingelegten Bohnen. "Ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Wir machen immer die klassische Variante und die schmeckt anders", meint Elvira Impelmanns. Klassisch hat Peffer ebenfalls im Angebot. Diese Variante findet die absolute Zustimmung der Impelmanns. Von der Bohnensuppe sind sie ebenfalls begeistert, aber an den griechischen Bohnensalat mit Feta, Knoblauch und Minze, traut sich die Besucherin nicht ran. Knoblauch sei nicht ihr Fall, sagt die Seniorin. Lecker ist der Salat aber allemal, wie etliche der weiteren Tester bestätigen. "Die griechische Variante schmeckt hervorragend", loben Edeltrud und Alfred Großer. Das Rezept, vorsorglich von Peffer mehrfach kopiert, wird direkt mitgenommen. Mit den hauseigenen Bohnen soll das Gericht auf jeden Fall nachgemacht werden.

Schommer hat inzwischen genügend Bohnen gefitscht und kann ans Einlegen gehen. "Auf eine Schicht Bohnen folgt ein Esslöffel Salz", erklärt sie den aufmerksam zuhörenden Besuchern, die im Tante-Emma-Laden dicht an dicht stehen. Das Einmachen im Gärtopf zaubert so manches neugierige Gesicht hervor. Es ist eine Technik, die gerade den jüngeren Besucher vielfach unbekannt ist, während die älteren dies nahezu alle kennen und teilweise sogar noch selber praktizieren. Das Thema Bohnen einkochen macht ebenso die Runde wie die moderne Variante des Einfrierens. Man tauscht sich aus. Der aktuelle Bohnenpreis von über fünf Euro pro Kilo, das Einlegen im Holzfass, der Bohnenanbau an sich, die Vielfältigkeit der Zubereitung - es zeigt sich, dass Bohnen für jede Menge Gesprächsstoff sorgen, Erinnerungen wach werden lassen und so manchen animieren, es doch selber einmal mit dem Einmachen zu probieren.

Quelle: RP
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