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Stadt Kempen
Roberta Piket in Kempen: Kein Jazz im Jazz

Stadt Kempen: Roberta Piket in Kempen: Kein Jazz im Jazz
Die New Yorker Jazzpianistin Roberta Piket hat acht CDs unter eigenem Namen eingespielt. 2012 erschien ihr erste Solo-CD. FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)
Stadt Kempen. So wie Roberta Piket ihr Piano-Solo-Konzert am Donnerstagabend in der Paterskirche begann, hätte es ein Robert Schumann- oder ein Keith Jarrett-Abend werden können. Es wurde keines von beiden. Von Mojo Mendiola

Zwar zeigte die aus New York kommende Musikerin sowohl ein ausgeprägtes Fabel für romantische Musik als auch starke Neigung zum ausschweifenden Fabulieren, doch was sie - zumindest an diesem Abend - schuldig blieb, war die Klasse, die man von ihr erwartet hatte und die man von den Kempener Jazz-Konzerten gewohnt ist. Strafmildernd muss anerkannt werden, dass Piket nicht bei bester Gesundheit war. Sie litt unter Husten und musste deshalb in der ersten Hälfte sogar einmal für einige Minuten unterbrechen. So etwas steigert nicht die Spielfreude. Aber über die insgesamt 90 Minuten wurde immer klarer, dass sie auch ohnedem nicht zu den Highlights des Jahres hätte gezählt werden können.

Spieltechnisch beherrschte die Pianistin auch die schnellsten Läufe und die schwierigsten Figuren, brillierte mit kultiviertem Anschlag und tadellosem Timing. An Inspiration allerdings schien es zu mangeln, und so verkam ihre an Ausdrucksmitteln eigentlich reiche Sprache am Flügel zu einem unverbindlichen und inhaltsleeren Geplauder, dass zwingend an Hotel-Bar-Pianisten erinnerte. Sie geizte nicht mit Zitat-Andeutungen, die aber nebulös blieben, was einen leidenschaftlichen Musikliebhaber schon mal für eine Konzertnacht um den Schlaf bringen kann. Sie improvisierte zwar und schlug selten, aber immerhin mal eine Dissonanz quer zu ihren ansonsten aalglatten Harmonien, doch wehe, es fing an zu swingen. Das scheute sie wie der Teufel das Weihwasser und ließ es nur für wenige Takte zu. Da wurde es schwer, von Jazz zu sprechen, und noch schwerer, sich vorzustellen, dass diese Frau vor 13 Jahren den zweiten Platz ausgerechnet in einem Kompositions-Wettbewerb erstritten haben soll, der dem großen Querdenker Thelonious Monk gewidmet war. Lediglich zweimal sorgte Schwung für Freude. Ein sehr getragen beginnendes Stück entwickelte sich zu einem kleinen Streifzug durch fröhliche Tänze, während sonst wenig an dynamischem Stückeaufbau zu beobachten war. Und im "Cannonball" kam plötzlich fast so etwas wie Boogie Woogie auf. So blieb der Beifall im großen Ganzen eher kühl. "We Put The Jazz Back Into Jazz" singt die deutsche Band "The Sazerac Swingers" in einem aktuellen Titel und löst das auch ein. Vielleicht was für Roberta Piket.

Quelle: RP
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