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Stadt Kempen
Rückenwind für die Segelmacher

Stadt Kempen: Rückenwind für die Segelmacher
Das St. Huberter Unternehmen wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. FOTO: dp
Stadt Kempen. Durchaus bemerkenswert für das Kendeldorf: Die Firma Dimension-Polyant ist Weltmarktführer bei Segeltuchen. Das Unternehmen, das am Speefeld angesiedelt ist, wird jetzt 50 Jahre alt. In der firmeneigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung sowie den Produktionsstätten werden Fahrten- und Regattersegeltuche für allerhöchste Ansprüche hergestellt. Von Heiner Deckers

Die Firmenleitung sieht die Produkte als "Musterbeispiel für deutsche Qualitätsarbeit, innovative Produktentwicklung und lebendiges Zeugnis für die Fähigkeit leidenschaftlicher Macher". Robert F. Kühnen, Vice President für Vertrieb und Marketing, betont: "Ich möchte nicht behaupten, dass in den vergangenen 50 Jahren alles rund gerlaufen ist, aber wir haben stets unsere Kunden und ihre Bedürfnisse im Auge behalten."

Vor sechs Jahren stand im Raum, dass die niederländische Gamma-Holding den St. Huberter Segeltuchhersteller verkaufen will, um finanzielle Engpässe zu überwinden. Große Erleichterung herrschte damals, als die Pläne nach einem Vorstandswechsel in der Schublade verschwanden. Die neue Geschäftsleitung sagte sogar Investitionen in den Standort St. Hubert zu. Das war damals ein großer Schritt nach vorn und gleichzeitig ein erheblicher Motivationsschub für die rund 100 Mitarbeiter. Heute hat das Unternehmen 150 Beschäftigte.

In der eigenen Weberei werden, neben der Produktionsstätte in Amerika, alle Segeltuche des Unternehmens mit speziellen Web-, Veredlungs- und Laminationsmaschinen hergestellt. 10.000 Quadratmeter Segeltuch gehen hier täglich über das Band. In den Produktionshallen reihen sich die Webmaschinen aneinander, metergroße Rollen mit Segeltüchern stapeln sich übereinander. In der Lagerhalle warten die fertigen Segeltuche auf ihren Transport nach Hongkong oder Auckland. Im Jahr 2016 werde man einen weiteren Schritt nach vorne machen, kündigt Kühnen an: "Wir haben wieder einige Asse im Ärmel."

Historisch gesehen war der Westen Deutschlands immer ein führender Standort bei der Produktion gehobener Textilwaren. Besonders Krefeld, das immer noch als Samt- und Seidenstadt firmiert, und die umliegenden kommunen wie Kempen profitierten Ende des 19. Jahrhunderts davon. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerte sich Handwerk und Technik immer häufiger in andere Teile der Welt, weil dort kostengünstiger produziert werden konnte. Eine Ausnahme war die Vereinigte Seidenweber AG - die Verseidag, sie blieb mit ihrem Hauptstandort in Krefeld. Neben anderen Nischenprodukten sicherte der Segelmarkt ihre Zukunft. 1966 fiel die Entscheidung, Kunstfasern zu einem extrem stabilen Tuch zu weben, das exakt auf die Bedürfnisse des modernen Segelns zugeschnitten sein sollte. Das war die Basis für die Firma Dimension-Polyant, wie man sie heute kennt. Mitte der 80er Jahre veränderte ein neues Verfahren den Laminatmarkt. Das hatte zur Folge, dass die St. Huberter Segeltuchmacher einen weltweiten Marktanteil von 25 Prozent hatten. Weitere Innovationen folgten.

Es kam zur Fusion mit dem amerikanischen Hersteller Dimension, damit wurde die Produktion in Übersee vorangetrieben. Der Marktanteil stieg nach und nach auf 37 Prozent. Anfang der 90er Jahre wurden französische Niederlassungen in Marseille und La Rochelle sowie eine englische in Southampton eröffnet.

Drei Jahre später hatte das Unternehmen auch in Sydney ein Standbein. Nach wie vor jedoch laufen im St. Huberter Stammhaus alle Fäden zusammen.

Quelle: RP
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