| 00.00 Uhr

Stadt Kempen
Schimmelsporen keine Chance geben

Stadt Kempen: Schimmelsporen keine Chance geben
Kreisarchivleiter Dr. Gerhard Rehm probiert sofort den Sauger aus, mit Restauratorin Nicola-Martina Gedanik (links), Dr. Claudia Kauertz und Restaurator Volker Hingst vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) in der Burg. FOTO: WOLFGANG KAISER
Stadt Kempen. Das Archivberatungs- und Fortbildungszentrum des LVR hat einen Hygiene-Set aus Staubsauger und Luftreiniger an das Kreisarchiv Viersen übergeben. Es kann dort auch von den kommunalen Archiven ausgeliehen werden. Von Heribert Brinkmann

Archive und Staub - was für ein staubtrockenes Thema? Keineswegs. Das Kreisarchiv Viersen in der Kempener Burg erhielt Besuch aus der Abtei Brauweiler in Pulheim. Dort ist das Archivberatungs- und Fortbildungszentrum des Landschafsverbandes Rheinland (LVR) untergebracht. Von dort betreut es rund 580 Archive im Rheinland. Der Landschaftsverband war nicht mit leeren Händen nach Kempen gekommen. Im Gepäck hatten die Mitarbeiter zwei großen Kisten, die sofort im Lesesaal des Archivs ausgepackt wurden - und für leuchtende Augen bei Kreisarchivleiter Dr. Gerhard Rehm sorgten. Das Kreisarchiv Viersen ist nach den Kreisarchiven Siegburg und Euskirchen sowie dem Stadtarchiv Aachen der vierte Empfänger eines Hygiene-Sets.

Dieses besteht im Wesentlichen aus einem Spezialstaubsauger und einem Luftreiniger, beide mit Mikropartikelfiltern ausgerüstet. Der Staubsauger, der auf den ersten Blick wie ein herkömmlicher Industriestaubsauger aussieht, entpuppt sich dank diverser kleiner Bürsten und Aufsätze und einer stufenlos regelbaren Saugstärke als ein sensibles Werkzeug, Staub von kostbaren Archivgütern zu entfernen, ohne Papiere anzusaugen oder zu beschädigen. Kreisarchivleiter Rehm hat sich schon lange so ein Spezial-Gerät gewünscht, doch der Kreishaushalt gab die Anschaffung bislang nicht her. Jetzt kommt das Hygiene-Set als Leihgabe vom LVR, der dafür je Set rund 1500 Euro (1100 Euro für den Sauger, 400 für den Lufteiniger) aufgewandt hat. Durch eine Förderung des Bundes konnte der LVR insgesamt zehn Set anschaffen, die jetzt an Archive ausgeliehen werden. Hinzu kommt eine entsprechende Schulung für das Fachpersonal.

Staub ist in den Archiven eines der größten Probleme, sagt Dr. Claudia Kauertz, Sachgebietsleiterin Archivberatung. Wobei nicht der Staub an sich das Problem ist, sondern vielmehr die im Staub enthaltenen Milben, Hefe- und Schimmelsporen. Herkömmliche Staubsauger verwirbeln den Staub bloß, dieser Archivsauger hat einen Kleinpartikelfilter, in dem die Sporen hängen bleiben, wie Volker Hingst als Diplom-Restaurator Leiter Bestandserhaltung beim LVR erläutert. Und wenn Claudia Kauertz von mangelnder Hygiene in Archiven spricht, meint sie damit nicht, dass nicht genügend oder schlecht geputzt werde. Mit herkömmlichen Mitteln wird man der Schimmelsporen nicht Herr. Außerdem geht es dabei mehr um die Kombination von Luftfeuchtigkeit und Wärme. Und da Archive den Auftrag haben, ihr eingelagertes Gut "für die Ewigkeit" aufzubewahren, muss man alles Mögliche versuchen, um den Schimmelpilz zu verhindern. Dabei leisten vor allem die Luftreiniger gute Dienste, weil sie die Luft automatisch und konstant reinigen. Da das Kreisarchiv in der Burg keine Klimaanlage hat, ist der Reiniger eine gute Alternative.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Stadt Kempen: Schimmelsporen keine Chance geben


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.