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Gemeinde Grefrath
Schirmständer: Grefrather Rotkäppchen

Gemeinde Grefrath: Schirmständer: Grefrather Rotkäppchen
Zwei Generationen der Firma Delschen Heinz-Wilhelm und Marianne mit ihren Söhnen Gernot (l.) und Volker. Gegründet wurde das Unternehmen im Dezember 1940. FOTO: wolfgang kaiser
Gemeinde Grefrath. Die Grefrather Firma Delschen feiert ihr 75-jähriges Bestehen. Was als Penneken-Betrieb begann, ist heute ein weltweit führender Hersteller von Sonnenschirmständern. Von Bianca Treffer

Eine Tagesproduktion von 800 Sonnenschirmständern auf vollautomatischen Produktionsstraßen, 20 Mitarbeiter, ein Exportumsatz von 80 Prozent in über 30 Länder - die Firma Delschen aus Grefrath und ihre Schirmständer sind weltweit bekannt. Dabei fing vor nunmehr 75 Jahren alles ganz anders an. Josef Delschen, ein Vertreter für Kesselöfen und Badewannen aus Stahlblech, machte sich in Grefrath mit der Idee selbstständig Waschöfen, die so genannten Pennekes, aus Beton herzustellen, eine weitaus günstigere Alternative zu den teueren Stahlvarianten.

Am 4. Dezember 1940 meldete der gebürtige Krefelder, den die Liebe nach Grefrath geführt hatte, sein Gewerbe an. Los ging es in der heimischen Garage an der damaligen Adolf-Hitler-Straße 36 in Grefrath. Der erste Waschofen aus Beton war rasch fertig. Aufgrund der guten Nachfrage mietete Josef Delschen Stallungen eines Landwirtes an. Hier konnte die Produktion erweitert werden. 1942 kam es aufgrund des Zweiten Weltkrieges zu einem Stillstand. Die Räumlichkeiten wurden beschlagnahmt und als Lagerfläche genutzt.

Aber 1945 startete der Grefrather, kaum aus der amerikanischen Gefangenschaft entlassen, wieder mit der Produktion. "Den Antrag auf Wiedereröffnung, den mein Vater damals stellte, haben wir, neben vielen anderen Dokumenten aus den Anfangsjahren, auch noch", berichtet Heinz-Wilhelm Delschen. Aber auch diese Räumlichkeiten wurden bald zu klein. An der Kempener Straße kaufte der Firmengründer ein Grundstück. "Es war Sumpfland und um es überhaupt bebaubar zu machen, wurde es mit Trümmerschutt gefüllt", weiß Heinz-Wilhelm Delschen zu berichten. Anfang der 50er Jahre kamen die ersten halbautomatischen Waschmaschinen auf den Markt. Das Penneken war nicht mehr so nachgefragt, aber ein Zufall brachte das Unternehmen in eine andere Richtung. "Meine Mutter hatte einen Sonnenschirm, aber keinen Ständer. Mein Vater nahm kurzerhand einen Deckel eines Einkochkessels, füllte ihn mit Beton, strich ihn an und fertig war die Halterung", erzählt Heinz-Wilhelm Delschen. Das wäre an für sich kein Unternehmensstart geworden, wenn nicht zufällig ein Einkäufer einer Krefelder Firma vor Ort gewesen wäre und nachgefragt hätte, wo es diese Sonnenschirmständer geben würde. Die erste Bestellung für Sonnenschirmständer folgte auf dem Fuß. Der Firmengründer kaufte damals Einkochkesseldeckel in Rheinberg bei einem entsprechenden Unternehmen, befüllte sie per Hand mit Beton, verdichtete sie und versah sie mit Farbe.

Das war eine mühselige Arbeit in den Anfangsjahren, die allerdings nach und nach durch automatische Maschinen ersetzt wurde. Das Geschäft boomte und bald waren die Sonnenschirmständer aus Grefrath, die inzwischen eine rote Kappe trugen und daher den Spitznamen Rotkäppchen erhielten, nicht nur in ihrer Heimatstadt bekannt und beliebt. 1956 stieg der junge Heinz-Wilhelm Delschen, der eigentlich Maschinenbau studieren wollte, ins elterliche Unternehmen ein, da sein Vater einen Herzinfarkt erlitten hatte. Ausstellungen auf den ersten Messen folgten und die Grefrather Schirmständer entwickelten sich zu Exportschlagern.

Auch die nächste Generation, Volker und Gernot Delschen, stieg in die Fußstapfen von Großvater und Vater. Sie übernahmen im Jahr 2003 das Firmenruder. Volker Delschen, der Wirtschaftwissenschaften studiert hat, hat den Bereich Verkauf übernommen und Ingenieur Maschinenbau Gernot Delschen ist für die Produktion zuständig.

Quelle: RP
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