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Stadt Kempen
Schottland an der Kempener Burg

Stadt Kempen: Schottland an der Kempener Burg
Mit einem Baumstamm auf den Schultern liefen diese Männer einen Slalom. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Kempen. Wenn auf der Burgwiese der schottische Hammer fliegt, Baumstämme in die Lüfte gehen und Steinstoßen angesagt ist, dann zieht es Tausende von Besuchern an. Am Wochenende fanden die 14. Highland Games statt. Von Bianca Treffer

Vorsichtig kniet Margarethe Drießen an der roten Linie auf der Rasenfläche vor der Kempener Burg. Der Blick fällt nach links, wo Steine in verschiedenen Gewichtsklassen liegen. "45 Kilogramm", gibt die Starterin der "Scot Wolfs" an. Teamkollegin Margarita Sorotou rollt die gewünschte Gewichtsklasse vor das linke Knie von Drießen, die wiederum den Stein umfasst und ihn über ihr Bein nach oben ziehen will. Doch irgendwie bekommt sie den Stein nicht richtig zu fassen. "Margarethe, du hast Zeit. Versuch es in aller Ruhe, sonst nimmst du einfach einen leichteren", rufen die Teamkolleginnen. Nicht nur die "Scot Wolfs" fiebern mit. Auch die "Highland Angel" halten die Daumen, schließlich gehören beide Teams den Highlandern vom Niederrhein an.

Es sieht so aus, als würde es nicht klappen, doch dann eine gewaltige Anstrengung, und Drießen hat den Stein auf den Oberschenkeln liegen. Sie richtet sich auf, die Arme fest um den Stein gepresst, ein Ausgleichschritt folgt, und unter den Begeisterungsrufen der beiden Teams geht es fünf Meter weiter zu einem rund 1,40 Meter hohen Metallpodest, auf dem sie den Stein absetzt. Zwar außer Puste, aber mit einem strahlenden Lächeln nimmt Drießen Lob und Umarmungen entgegen. Auch die Zuschauer applaudieren lauthals.

"Beim ,Stone of manhood' geht es darum, ein Gewicht über eine bestimmte Strecke zu transportieren und auf einem Podest abzulegen. Einst war es so, dass die jungen Männer einen schweren Stein transportieren und auf ein Stück Stadtmauer legen mussten. Wem das gelang, der war erwachsen", klärt Moderator Jürgen Stickelbrock, der Präsident des Deutschen-Highland- Games-Verbandes, über die Hintergründe der Disziplin auf. Doch nicht nur der "Stone of manhood" begeistert die dicht an dicht stehenden Besucher hinter den Absperrgittern an der Burgwiese in Kempen. Auf dem großen Platz laufen insgesamt zehn Disziplinen. Während die Damenmannschaften noch weiter Steine schleppen, sind die "Dragonfighter" mit dem Steinstoßen beschäftigt. Tobias Wolany hat gerade zehn Punkte für sein Team geholt, denn der junge Mann hat den 6,5 Kilogramm schweren Stein elf Meter weit geschleudert. "Es macht einfach nur Spaß, an Highland Games teilzunehmen. Man fühlt sich hier wie in einer großen Familie", kommentiert er die lockere Atmosphäre.

Die ersten Teilnehmer balancieren inzwischen die Baumstämme auf ihren Händen. Beim "Tossing the caber" kommt es darauf an, den Baumstamm so zu werfen, dass er sich einmal überschlägt und dann möglichst gerade liegenbleibt. Die Frauen müssen eine knapp vier Meter und 20 Kilogramm schwere Variante zum Überschlag bringen. Bei den Männern sind es 4,20 Meter und 45 Kilogramm. "Bei den Masters morgen sind es sogar 6,20 Meter und 50 Kilogramm", informiert Manfred Mühlenhaus, Vereinsvorsitzender der Highlander vom Niederrhein, die das zweitägige Event mit den Spielen und dem Master World Team Cup sowie dem erstmalig ausgetragenen German Master Lady Cup zum nunmehr 14. Mal veranstalten.

Gelächter schallt vom Strohsackhochwurf herüber. Mit Mistgabel aufgepiekst, fliegen die Strohsäcke durch die Luft. Aufs richtige Augenmaß kommt es hingegen beim Hufeisenwerfen an. Hier gilt es, das Eisen um einen Stab zu werfen. Fünf der "Highlander vom Niederrhein I" haben sich den Baumstamm für den Slalomlauf auf die Schultern gepackt. Auf Zeit müssen sie den rund 50 Kilogramm schweren Stamm durch die sechs Slalombaumstämme tragen. "Das ist zu 60 Prozent Technik, bei der es insbesondere auf den ersten und letzten Mann am Stamm ankommt", sagt Daniel Nemetz, der an vorderster Stelle steht. Das Startsignal fällt, und zehn Männerbeine, die aus Kilts herausschauen, fangen an zu rennen. Begleitet von den Rufen "Durch" und "Rum" des ersten und letzten Läufers erfolgen die Drehungen für den Slalom. Mit der Zeit von 51 Sekunden für die sechs Meter lange Strecke sind die "Highlander vom Niederrhein I" zufrieden.

Quelle: RP
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