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Stadt Kempen
Schüler brillierten mit "Endstation Sehnsucht"

Stadt Kempen. Der Literaturkurs der Jahrgangsstufe elf des Gymnasiums Thomaeum zeigte das Stück von Tennessee Williams. Von Silvia Ruf-Stanley

Es werde ein Kammerspiel, sagte Regisseur David Nethen vor Beginn des Stückes "Endstation Sehnsucht" von Tennessee Williams im Thomaeum. Dies war richtig getroffen. In der nur zu etwas zwei Dritteln bestuhlten Aula entstand so eine ganz intensive Atmosphäre.

Die Spannung des Stückes teilte sich dem Publikum rasch mit. Dies auch dank der hervorragenden Qualität der Schauspieler. Der Literaturkurs der Jahrgangsstufe elf der Schule konnte sich dieses Mal nicht auf die große Gruppe der Theater-AG verlassen, sondern allen elf Darstellern wurde über die fast zweistündige Aufführung absolute Bühnenpräsenz abverlangt.

Schon der Titel des Stückes sagt viel aus. An dieser "Endstation Sehnsucht" geht es in vielerlei Hinsicht nicht weiter. Blanche DuBois ist schon vom Anblick des Viertels entsetzt, als sie aus der Bahn steigt. Pauline Dregger zeigt schon hier zu Beginn das, was sie das ganze Stück tapfer durchhält. Eine Südstaatenlady, die sich bemüht, immer die Fassade aufrechtzuerhalten. Und dabei nicht merkt, dass sie einen verlorenen Kampf gegen die Realität führt. Ihre Schwester Stella, bei der sie unterkommt, klammert sich derweil an ihre Vorstellung von Liebe. Sarina Theyßen gibt dieser traurigen Figur den richtigen Charakter. Für Liebe, für ein bisschen Aufmerksamkeit gibt Stella alles. Sie bedient ihre Schwester und lässt sich klaglos von ihrem dominanten Ehemann Stanley demütigen, ja sogar vergewaltigen. Oliver Drisch spielt Ehemann Stanley.

Er ist es auch, der Blanches Lügen aufdeckt. Die Lieben, von denen Blanche erzählt, sind nur erfunden. Ihre Arbeit als Lehrerin hat sie verloren, weil sie sich mit einem Schüler eingelassen hat. Freundschaften mit angeblich reichen Männern existieren nur in ihrer Fantasie. Sie freundet sich mit Mitch (Henri Kentjens) an, einem Bekannten von Stanley. Aber Stanley hat nichts Besseres zu tun, als ihn über Blanche und ihre Lügen aufzuklären. Man spürt es direkt, wie das Unglück seinen Lauf nehmen muss.

Bei der Aufführung verzichteten die Schüler auf große Effekte. Sanfte, oft auch sehr melancholische Musik im New Orleans-Stil, gespielt von Georg Derks, untermalte die Szenen. Jürgen Hemkemeyer hatte mit dem Kurs ein karges Bühnenbild geschaffen. Ganz bewusst war es düster. Denn Blanche scheut das Licht, ließe es doch erahnen, dass sie auch bei ihrem Alter mogelt. Man sieht: Die Schüler nahmen lauter Metaphern für den Inhalt des Stückes auf.

Quelle: RP
 
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