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Stadt Kempen
Schützen auf Spuren ihrer Geschichte

Stadt Kempen. Die Bruderschaft Hüskes Krone führte Mitglieder, besonders Jungschützen, zwei Stunden lang durch die Altstadt. Ina Germes-Dohmen berichtete über die Ursprünge des Schützenwesens - eine interessante und informative Zeitreise. Von Peter Müller

Zu einer Stadtführung lud die St.-Marien-Schützenbruderschaft Hüskes Krone ihre Jungschützen, aber auch andere Schützenbruder und Schützenschwestern waren willkommen. Historikerin Ina Germes-Dohmen, selbst Mitglied der Bruderschaft, legte den Schwerpunkt des fast zweistündigen Gangs durch die Kempener Altstadt entsprechend auf die Frage der von Schutz und (Selbst-)Verteidigung, die Unterschiede zwischen der Stadt- und der Landbevölkerung und die Gemeinschaft und Solidarität, die in unruhigen Zeiten für Menschen überlebenswichtig waren.

Schutz vor Feuer, vor Dieben, Räubern und den marodierenden Soldaten der vielen den Niederrhein durchziehenden Kriegsvölker - das war innerhalb wie außerhalb der Mauern wichtig und gemeinsam war man stärker. Das leuchtete allen ein. Doch wurden die Kempener Stadtbürger immerhin von der hohen Mauer und der doppelten Wall-Graben-Anlage geschützt, so gut konnte ein Bauernhof nicht verteidigt werden. So tat man sich in Schützen-Bruderschaften zusammen, die sich aus der Nachbarschaft rekrutierten und im Fall des Falles schnell zusammenkommen und einander beispringen konnten. Zwei gab es auch in der Stadt, sechs auf dem Land. Und man half einander auch bei Krankheit und Todesfällen, war füreinander da. Und für den Fall, dass der Landesherr, der Kölner Kurfürst und Erzbischof, ein Heer zusammentrommelte, wollte man geübt sein, jährliche Wettkämpfe beim Vogelschießen zeugten von der Leistungsfähigkeit der jeweiligen Bruderschaft. Mit Schmunzeln und leichtem Neid hörte Johannes Hoff, neuer König der Bruderschaft, dass der Schützenkönig damals ein steuerfreies Jahr vor sich hatte. Ob eine Anfrage bei der Stadtverwaltung da was nützt, wurde gefragt. Am Stadtmodell im Kramer-Museum schilderte Germes-Dohmen, wie wichtig der Feuerschutz war angesichts der enge Fachwerkbebauung, aber auch dass Gräben und Mauer für Angreifer ein echtes Hindernis waren. Während der Führung konnten in der Schulstraße die Häuser einfacher Handwerker betrachtet werden, die einen anderen Grundriss hatten als die Wohnstallhäuser der Bauern im Land. St. Mariae Geburt, die Heilig-Geist-Kapelle, der Marktplatz waren weitere Plätze, an denen an Gemeinschaftssinn bis heute ablesbar sind. An der Mühle erinnerte Germes-Dohmen an die Einnahme der Stadt durch die Hessen 1642 und dass Kempens dicke Mauern die Stadt bei moderner Kriegsführung nicht mehr sichern konnten. Aber auch das Alltagsleben vergangener Zeiten - hart und wenig romantisch - kam zur Sprache: nackte Kinderfüße, die durch Viehdung liefen, ungepflasterte Straßen, Markttage, die eines besonderen Marktfriedens bedurften, damit die Händler sicher an- und abreisen konnten. Eine interessante Zeitreise in eine längst vergangene Welt.

Quelle: RP
 
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