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Gemeinde Grefrath
Schultheater: Mit Romulus fing alles an

Gemeinde Grefrath: Schultheater: Mit Romulus fing alles an
Lothar Lange (r.) legt die Geschicke des Mülhausener Theaters in die Hände von Jens Michels. FOTO: wolfgang kaiser
Gemeinde Grefrath. 33 Jahre lang stand Lothar Lange an der Spitze des Schultheaters Mülhausen. Jetzt legt der 70-Jährige sein Werk in die Hände von Jens Michels. Der Deutsch- und Religionslehrer ist seit 2008 dabei. Von Bianca Treffer

Wenn Lothar Lange gefragt wird, welches Stück in seiner 33-jährigen Tätigkeit als Leiter des Schultheaters Mülhausen das Beste war, dann lacht der 70-Jährige. "Das ist doch ganz klar. Das nächste Stück war immer das beste. Alle waren großartig", meint er mit seinem charmanten Lächeln, das für ihn so typisch ist. Gelächelt hat er in den vergangenen Theaterjahren aber nicht nur.

Er hat erklärt, vorgespielt, gelobt, gebrüllt, gestikuliert, motiviert, getröstet und Mut gemacht. "Beim Theater lernt man seine Schüler bis in den letzten Winkel ihrer Seele kennen. Man weiß, was die Schüler leisten können, aber wird doch bei jeder Aufführung wieder in Erstaunen versetzt. In jedem Stück sind die Darsteller über sich herausgewachsen. Die Stücke bekamen ein Eigenleben, das alle mitriss", beschreibt es der ehemalige Lehrer der Liebfrauenschule Mülhausen und verweist auf Goethes Zitat von den Wurzeln und Flügeln. Bei den Proben wurden die Wurzeln gelegt und im Stück breiteten die Darsteller die Flügel aus.

Der theatererfahrene Schwalmtaler weiß, wovon er spricht. Schließlich hat ihn das Theater von der Jugend an begleitet und spielt noch heute eine wichtige Rolle in seinen Leben. Aber trotzdem sieht er nun die Zeit gekommen, das Theater Mülhausen in jüngere Hände zu übergeben, und zwar in die von Jens Michels. Schon als Referendar spielte dieser 2008 im "Sommernachttraum" als Demetrius mit. Später übernahm der Deutsch- und Religionslehrer nicht nur Rollen, sondern fand sich ab 2012 auch in der Leitung wieder. "Ich weiß, dass Jens Michels der Richtige ist, die Tradition an der Liebfrauenschule weiterzuführen", betont Lange und fügt an, er selber sei nicht aus der Welt und wenn Hilfe benötigt werde, sei er immer da. Schließlich ist das Theater Mülhausen sein Projekt, entstanden aus einem Literaturkursus im Schuljahr 1983/84. Lange, der neben Deutsch und Latein auch Literatur unterrichtete, hatte seinerzeit einen Kursus voller hochmotivierter und talentierter Schüler. Sie äußerten den Wunsch, ein Theaterstück auf die Bühne zu bringen. Lange, der in seinem Heimatort eine Theater AG leitete, war sofort dabei. "Ich habe als 15-Jähriger mit dem Theater spielen angefangen. Während meines Studiums gründete ich eine Theatergruppe und als Referendar in Duisburg habe ich mit den Schülern ebenfalls Theater gespielt. Mülhausen bot damals keine Möglichkeit, denn das Pädagogischen Zentrum (PZ) gab es noch nicht. So rief ich in meinem Heimatort Waldniel eine Gruppe ins Leben", erinnert sich Lange. Als sich in Mülhausen das Theater-Interesse abzeichnete, ging Lange mit begeisterten Schülern an die Arbeit. Vom Programmheft bis zum Bühnenbild entstand alles in Eigenregie. Einen Spielort gab es inzwischen auch, denn 1981 war das Pädagogische Zentrum (PZ) eröffnet worden. 1984 erlebten die Besucher "Romulus, der Große" auf der PZ-Bühne und waren begeistert. Der Erfolg motivierte die Schüler, als eine freiwillige Arbeitsgemeinschaft weiterzumachen. Kurz vor ihrem Abitur brachten sie "Was Ihr wollt" auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Das Theater Mülhausen war geboren. In den folgenden Jahren folgte Stück auf Stück. Tragödien, Kinderstücke, klassische Komödien, Boulevardtheater, Musicals - die Zuschauer waren ergriffen, wischten sich Tränen aus den Augen und konnten herzlich lachen. Goethe, Kästner, Shakespeare, Dürrenmatt, Preußler, Lindgren, Brecht, von Lange selbst geschriebene Stücke und viele mehr fanden sich nicht nur auf der PZ-Bühne wieder. Lange zog den Park des Klosters mit ein und machte ihn zum Veranstaltungsort. Es kam zu weiteren Aufführungen, darunter in der Pariser Partnerschule.

Schulministerin Silvia Löhrmann besuchte eine Aufführung, es gab Auszeichnungen und Preise und manch einer von Langes Theaterschülern schaffte den Sprung zum Schauspieler oder ist heute hinter den Kulissen der Theater- und Filmwelt tätig. Wenn Lange in alten Fotoalben blättert, dann er ein bisschen wehmütig. "Eine fantastische Zeit. Theater ist Begeisterung. Da steckt das Wörtchen Geist drin" sagt der gebürtige Ostwestfale, der in Waldniel weiter Theater macht und nun gespannt auf den Stempel von Michels ist, den er dem Theater Mülhausen aufdrücken wird. "Ein anderer Stempel als meiner, aber ebenfalls ein guter."

Quelle: RP
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