| 00.00 Uhr

St- Hubert
Schwarzes Schaf pilgert zu Moses

St- Hubert: Schwarzes Schaf pilgert zu Moses
"Das schwarze Schaf vom Niederrhein" ist Hanns Dieter Hüsch - in dieser Illustration von Jürgen "Moses" Pankarz. FOTO: HERIBERT BRINKMANN
St- Hubert. Im Kempener St. Peter-Stift zeigt Jürgen "Moses" Pankarz Zeichnungen und Plakate mit und für den Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch. Von Heribert Brinkmann

Die Eröffnung der Ausstellung und die Lesung mit Hüsch-Texten durch Joachim Henn zeigten ein riesiges Interesse an Hanns Dieter Hüsch. Jürgen Pankarz, der über viele Jahre mit Hüsch zusammenarbeitete, hatte das etwas unterschätzt. Um den Moerser Kabarettisten, der am 6. Dezember 2005 starb, ist es in den vergangenen Jahren etwas stiller geworden. Dass er in Kempen überhaupt nicht in Vergessenheit geraten ist, zeigte das große Interesse an der Werkschau im St. Peter-Stift.

Doch nicht alle werden wissen, dass Hüsch etliche Male nach Kempen kam - nicht zu Auftritten, sondern zu Besuchen bei Jürgen Pankarz. Zum gemeinsamen Wochenend-Einkaufsritual gehörte der Besuch im kleinen Kolonialwarenladen von Jupp Stelkens auf der Judenstraße in Kempen. Der konnte viel vom Niederrhein erzählen. Pankarz erinnert sich: "Um nicht laut lachen zu müssen, hielt sich Hanns Dieter Hüsch mit weit geöffnetem Mund vornüber gebeugt am Tresen fest." Später kommentierte Hüsch: "Zuhören, aufschreiben, vortragen!"

Hüsch hat bei Pankarz zwar nicht im Schrank gesessen, aber vielmals in seiner Mühle. In seiner Junggesellenzeit lebte Jürgen Pankarz in der Wackertapp-Mühle von St. Hubert. Damals war sie so etwas wie eine Troubadouren-Herberge. Nach Hüschs erstem Besuch 1972 in der Mühle kamen auch Schobert & Black sowie Hannes Wader, die zusammen mit Hüsch auf Tournee waren. Hannes Wader hat zusammen mit seiner Frau Susanne Tremper später in Husum selber eine Mühle bezogen.

Kennengelernt hatten sich Pankarz und Hüsch 1968 bei den "Essener Songtagen". Hüsch war Kettenraucher und trug ein Feuerzeug am Lederriemen um den Hals - was Pankarz sehr beeindruckte. Der erste Besuch auf der Mühle war 1972. Es entwickelte sich eine wunderbare Freundschaft - über 30 Jahre. Für Pankarz war es faszinierend, "dass es nur diesen einen Hanns Dieter Hüsch gab. Es gab nicht den Mann auf der Bühne, der nach dem Auftritt auf einmal ein ganz anderer war." Pankarz beschreibt ihn als "zuverlässig, liebenswert - und einen guten Zuhörer." Zusammen essen, dazu ein Glas Wein, und es schloss sich automatisch unendliches Erzählen an. Sie redeten über Gott und die Welt und kamen vom Hölzken aufs Stöcksken. Seinen 50. Geburtstag feierte Hüsch 1975 in der St. Huberter Mühle. Die kleine Gesellschaft blieb zu fünft. Hanns Dieter Hüsch hatte seine kleine Orgel dabei, der befreundete Liedermacher Ray Austin aus Freiburg seine Gitarre. Damals war auch Silvia Jost, eine Schweizer Schauspielerin, dabei, Hüschs kurze Liaison. Jürgen Pankarz schenkte Hüsch ein kleines Bild. Pankarz hatte Hüschs Formulierung von der "Kieler Anzugsmutation" aufgenommen und Hüsch im Matrosenanzug, mit Reif und Stöckchen und einem schwarzen Schaf dargestellt. Hüsch war davon so begeistert, dass er das Motiv später für ein Tourneeplakat und ein Plattencover übernahm. Der Titel: Das schwarze Schaf. Damit spielte er auf seine Heimatstadt Moers an. Vielen dort galt Hüsch als zu politisch, zu links. Entsprechend hatte Hüsch lange einen Bogen um Moers gemacht. Später holte ihn Holk Freytag vom Schlosstheater zurück nach Moers und versöhnte beide Seiten. Um St. Hubert hat er nie einen Bogen gemacht. Er kam nicht nur, um Bücher und Plakate zu besprechen, sondern immer wieder privat. Pankarz erinnert sich gerne an alle die Jahre, in denen traditionell am Pfingstmontag im Freundeskreis Spargel gegessen und anschließend Boule gespielt wurde. Pankarz schmunzelt, wenn er sich erinnert, wie Hüsch seinen geliebten Pflaumenkuchen vom Café Poeth aß. Wie ein Archäologe trug er Schicht um Schicht ab. Der Pfingstmontag ist auch nach Hüschs Tod geblieben, Dann treffen sich Witwe Chris, Wendelin Haverkamp und Helmut F. ALbrecht (Hallo Chefe) bei Pankarz auf dem Bliexhof zum Spargelessen - zelebriert von Pankarz, der ein vorzüglicher Koch ist.

In seiner Edition Moses veröffentlichte Pankarz 1996 kleine Hüsch-Geschichten mit seinen eigenen Illustrationen. Auf dem Titel ist Hüsch zu sehen, wie er in einem Kleiderschrank hockt und etwas auf einem Notizblock notiert. Das geflügelte Wort "Sie müssen bei uns im Schrank gesessen haben" geht auf den Ausspruch einer Besucherin zurück, die Hüsch nach einem seiner Programme damit konfrontierte. Auf einer seiner Illustrationen hat Pankarz auch seinen Welsh Terrier Willy (benannt nach dem Kanzler) verewigt. Wichtiger Teil der Ausstellung im Stift ist das Buch "Essen kommen", Wer es aufschlägt, ist mitten drin im Niederrhein und glaubt Hüsch zu hören, wie er grüßte: "Tach zusammen".

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

St- Hubert: Schwarzes Schaf pilgert zu Moses


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.