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Stadt Kempen
Sehr hörenswert: Die Jazzszene Südkoreas zu Gast in Kempen

Stadt Kempen. So hat man Jazz in der Thomasstadt auch noch nicht gehört: Im Rahmen des dritten "JazzKorea Festivals", an dem Kempen neben Metropolen wie Berlin, Brüssel, Madrid und Budapest und als einzige Stadt im Westen Deutschlands beteiligt ist, brachten Han Seung Seok (Gesang) und Jung Jaeil (Piano) eine fremdartige und überraschende Klangwelt in den "Jazzkeller" des Campus. Die Verbindung von Pansori - das ist die traditionelle koreanische Volksmusik - und modern arrangiertem Pianospiel begeisterte die Zuhörer. Pansori ist keine höfische Musik, sondern als Musik aus dem Volk in Epen lediglich mündlich überliefert. Jung Jaeil komponierte die dynamische Jazzmusik dazu. Von Jürgen Karsten

Han Seung Seok sang das Märchen von der Prinzessin Bari, heulte seinen Weltschmerz über eine verlorene Liebe heraus und trug martialisch in Gesang, Gestik und Mimik eine Kriegsballade in der Pose des Feldherrn vor, bediente sich dabei eines Fächers, der am Ende als Speer von der Bühne geschleudert wurde. Begleitet wurde der ausdrucksstarke Sänger von einem Pianisten, der nicht nur als Komponist brilliert, sondern auch mit seinem Pianospiel, das mit hammerartigen Anschlägen den manchmal sanften, zumeist aber kraftvollen Sänger unterstützt. Beide füllen in Südkorea große Säle und gewannen mit ihrem neuen Album "bari, abandoned" den diesjährigen Korean Music Award in der Kategorie "Best Jazz / Crossover Album". Jung Jaeil machte Kempen ein großes Kompliment: "Dies ist eine friedliche und sehr hübsche Stadt. Sie müssen hier sehr glücklich sein!" Kempens ambitionierter Jazzorganisator Martin Klapheck zeigte sich stolz, dass es ihm gelungen war, in der Jazzszene Koreas anerkannte Musiker in die Thomasstadt zu holen.

Am Mittwoch- und am Donnerstagabend gab es zwei Doppelkonzerte. Neben dem Duo trat in Set 2 das Trio "Closer" am Mittwoch auf, dem die drei Musiker Vian (Piano), Kim Ssungsu (Bass) und Han Woongwon (Drums) angehören. Die blutjungen Musiker spielen schon länger in Projekten und Bands zusammen, bildeten ihr Trio "Closer" aber erst im letzten Jahr. Die drei bewiesen die Qualität des zeitgenössischen Jazz in ihrem Heimatland. "Tears for father", "Three Kings", "Works Nr. 2" und " "Keep in Touch" waren allesamt hörenswerte Jazztitel, die jeweils von den drei Musikern selbst komponiert wurden. Das ist Jazz mit viel Groove und Swing, kompositorisch anspruchsvoll. Die "Zwiesprache" der Instrumente ist kreativ und setzt eigenwillige Akzente. Pianist Vian spielt variantenreich und fein nuanciert, er wurde in den Staaten ausgebildet und bewies außerordentliches Können, gut begleitet von Bass und Schlagzeug.

Quelle: RP
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