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Kreis Viersen
"Sich jetzt nicht dem Terror beugen"

Kreis Viersen. Dietmar Gross und Ellen Bader-Gross erlebten die Anschläge in Paris. Und glauben weiter an ein friedliches Miteinander. Von Daniela Buschkamp

"Die Liebe zu Frankreich, die Liebe zum Sport lasse ich mir nicht nehmen. Ich werde 2016 beim Halbmarathon in Berlin und Amsterdam starten - und ich besuche wie jedes Jahr den Weihnachtsmarkt in Köln." Was Ellen Bader-Gross (49) sagt, mag zunächst nicht überraschen. Die Worte der gebürtigen Kempenerin erhalten aber nach den Terroranschlägen in Paris eine besondere Bedeutung. Mit ihrem Mann Dietmar Gross (59) hat sie die Explosionen am Stade de France erlebt; beide überstanden die Pariser Nacht des Terrors.

"Wir hatten ein schönes Wochenende in Paris geplant, sind durch das jüdische Viertel geschlendert und haben uns auf den Besuch des Freundschaftsspiels Deutschland gegen Frankreich gefreut", schildert Gross. Der 59-Jährige, seit 30 Jahren mit "Gross Laufshop" in Brüggen selbstständig, hat schon mehrfach Länderspiele live verfolgt - unsicher hat er sich dabei nie gefühlt. So war es zunächst auch am 13. November: Mit seiner Frau nahm er die Plätze im deutschen Fanblock, nahe den französischen Zuschauern, ein. "Alles war sehr entspannt", erinnert er sich. Nach 20 Minuten gab es die erste Detonation, das Paar spürte sie direkt hinter seinem Block. "Für einen Böller war die Explosion zu stark, wir haben die Druckwelle wahrgenommen", sagt der Nettetaler. Doch die Möglichkeit eines Attentats realisierten die beiden noch nicht. Erst, als die zweite Bombe gezündet wurde und als Dietmar Gross verfolgen konnte, dass Staatspräsident Francois Hollande das Stadion verließ, ahnte er: "Da ist etwas Schlimmes passiert." Ihre Freunde Désirée und Arnaud, die den Abend zuhause im Norden Frankreichs verbrachten, wussten da bereits, in welcher Gefahr sich das Paar befand. "Mein Mann hatte im Radio eine Sondermeldung gehört", so Désirée. Voller Sorge schickten sie eine behutsam formulierte Nachricht aufs Handy: "Passt gut auf Euch auf." Am mit 80.000 Zuschauern voll besetzten Stadion hatten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt, die eigentlich ins Stadion wollten. Zudem griffen Attentäter des "Islamischen Staats" um den nun getöteten Abdelhamid Abaaoud den Konzertsaal "Le Bataclan" sowie Gäste in Straßencafés und Restaurants im Osten von Paris an. 132 Menschen kamen dabei um, weitere 352 wurden teils lebensgefährlich verletzt.

Ellen Bader-Gross und Dietmar Gross wurden nach dem Abpfiff zunächst aus der Arena geführt: "Wir waren schon fast aus dem Stadion, als eine Massenpanik ausbrach", sagt Gross. Er und seine Frau wurden getrennt; sie lief die Treppen hoch, er geradeaus: "Wir standen unter Schock". Erst außerhalb des Stadions wurden sie sich der tödlichen Gefahr bewusst: "Überall standen schwer bewaffnete Polizisten, die uns zur Metro führten", so Gross. "Wir glaubten, in Sicherheit zu sein, fuhren aber zum Gare du Nord, in Richtung des eigentlichen Zentrums des Massakers. Dort fühlten wir nach einer erneuten Massenpanik, zwei Mal um unser Leben laufen zu müssen - und das, obwohl der Körper sagt ,Ich will mich verstecken'", schildert Bader-Gross.

Beide leiden jetzt noch unter Flashbacks. Wie sie das Erlebte verarbeiten wollen: "Laufen, an der frischen Luft sein und das Schöne der Welt betrachten". Und durch den Glauben an ein Miteinander trotz "feiger Morde an Unschuldigen": "Es ist möglich, dass Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Religionen in Frieden leben", so Bader-Gross. Dies und die Liebe zu Frankreich, zum Savoir-Vivre, haben die Terroristen am 13. November nicht auslöschen können.

Quelle: RP
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