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Gemeinde Grefrath
Sie hatte stets ein offenes Ohr für alle Mitarbeiter

Gemeinde Grefrath. Ute Wiegmann hat als Betriebsratsvorsitzende von Johnson Controls in Grefrath eine Menge mitgemacht. Sie hat sich vorbildlich um die Beschäftigten mit ihren Nöten und Sorgen gekümmert. Von Manfred Baum

Das Sitzungszimmer des Betriebsrats von Johnson Controls ist vollkommen leer geräumt. Gleichwohl waren die letzten Tage für Ute Wiegmann noch einmal stressig. Sie wirft noch einmal einen Blick hinein und ist ein wenig traurig, denn in diesem Zimmer sind viele Entscheidungen im Sinne der Mitarbeiter gefallen. Mehr als zwei Jahrzehnte lang war es "ihr kleines Reich". Wiegmann erinnert sich besonders an die Verhandlungen mit der Geschäftsführung für den letzten Sozialplan. Sie zogen sich über acht Monate hin. "Doch diese acht Monate haben sich gelohnt", sagt Ute Wiegmann. Sie und der Betriebsrat hätten sehr viel für die Mitarbeiter herausgeholt, sodass dieser Sozialplan "Vorbildfunktion" für andere Werke des Unternehmens habe. Für den "Engel der Grefrather Mitarbeiter" von Johnson Controls war es wichtig, das Gebot der Stunde zu nutzen. Das war der Einsatz bis zur letzten Minute für die noch verbliebenen rund 320 Mitarbeiter.

Im Gespräch mit der Rheinischen Post kommt auch ein wenig Wehmut auf, denn Ute Wiegmann kann auf eine höchst erfolgreiche Arbeit zurückblicken, die sie geliebt hat, die sie geformt hat und die sie getragen hat. In unzähligen Gesprächen hat sie sich die Sorgen und Nöte der Menschen angehört. Ihr offenes Ohr war für viele Menschen da und sie ist immer als Betriebsratsratsvorsitzende wiedergewählt worden. Sie meint: "Aktivität bringt mehr Glück als Klugheit" und ist damit sehr gut gefahren in all den Jahren.

Beim letzten Betriebsfest, für das sie sich auch mit Nachdruck eingesetzt hatte, haben ihr noch einmal viele Mitarbeiter gedankt für den über Jahrzehnte geleisteten Einsatz. Am Ende sagt die Frau, die stark ist und kämpfen kann: "Ja, das war es jetzt." Auch Ute Wiegmann geht für ein Jahr in die Transfergesellschaft.

Die Produktion ist seit der vergangenen Woche eingestellt. Auch der Pförtner kann nur noch wenige Besucher willkommen heißen. 49 Mitarbeiter erledigen Restarbeiten. Die Parkplätze sind wie leer gefegt. In der Spitze haben einmal 650 Mitarbeiter hier ihr Brot verdient. Zuletzt waren es noch 320.

Neu ist zum Abschluss der Ära Johnson Controls in Grefrath in diesem Jahr, dass zwischen Weihnachten und Neujahr gearbeitet wird. "Das gab es bisher noch nie", so Ute Wiegmann. Sie kennt das Unternehmen bestens, denn seit April 1983 ist sie dort tätig. 1990 wurde sie in den Betriebsrat gewählt. 1994 wurde sie Vorsitzende und ist es bis heute, bis zum letzten Tag geblieben. Die Schließung des Werkes in Grefrath sei für alle Mitarbeiter "schon ein Schock" gewesen, stellt sie fest. Im Herbst 2012 habe man von den Planungen erfahren, berichtet sie weiter. Erste Signale habe es aber schon Jahre früher gegeben.

Man habe als Betriebsrat immer damit rechnen müssen, dass etwas passiert, so Ute Wiegmann weiter. Es habe Einschnitte für die Mitarbeiter gegeben, so gab es keine Mehrarbeitsprozente mehr. Zudem ist im Jahr 2005 die Belegschaft um 20 Prozent reduziert worden. Wiegmann spricht Klartext: "Es ist uns immer wieder gesagt worden, dass wir Aufträge bekommen, doch dann kamen sie doch nicht." Die Firmenleitung habe versucht, Kompensation zu schaffen. Doch dies sei nicht gelungen.

Wiegmann stellt rückblickend fest, dass von der Konzernleitung immer wieder bewusst positive Signale gesendet worden seien. So hatte man 2012 darauf gehofft, einen neuen großen Auftrag nach Gref-rath zu bekommen, doch er ging nach Lüneburg. Die letzten Aufträge in Grefrath waren für die Unternehmen Daimler und Ford. Phasenweise sei man auf Hochtouren gelaufen, um den Standort Grefrath weiter betreiben zu können, so Wiegmann. Ein "Todesstoß" sei gewesen, dass man in anderen Werken kein Personal abbauen wollte und Gref-rath dafür geschlossen habe. Der Betriebsrat habe dann letztlich den Fokus auf den "Interessenausgleich für die Mitarbeiter im Sozialplan" gelegt, was auch vollends gelang. Ute Wiegmann bilanziert: "Wir haben alles erreicht."

Eine Auszubildende vollendet jetzt in Neuss ihre Ausbildung. Die Mitarbeiter hoffen jetzt, dass ihnen die Transfergesellschaft helfen kann. Der Pförtner wird noch ein Jahr lang bleiben.

Quelle: RP
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