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Serie 175 Jahre Sparkasse (4)
Siegeszug der Technik beim Bezahlen ohne Bargeld

Kempen. Der technische Wandel im Bargeldverkehr ist rasant. Die Geräte dazu wurden immer kleiner - bis auf Smartphone-Größe. Von Jens Voss

kreis viersen Wir haben uns so an EC-Karten gewöhnt, dass kaum noch bewusst ist: So lange ist das nicht her, dass neben das gute alte Bargeld der bargeldlose Geldverkehr trat. Noch 1991 (!) nahm sich die NRW-Landesregierung im Tonfall großer Sorge des Themas an: Sie gab eine Studie mit dem Titel "Automation im Geldverkehr. Wirtschaftliche und soziale Auswirkungen" in Auftrag und legte ein Programm "Mensch und Technik" auf. Ziel war eine "sozialverträgliche Technikgestaltung". Allein die Tatsache, dass sich eine Regierung damit beschäftigt hat, zeigt, wie sehr dieser Wandel als tiefgreifend empfunden wurde.

Das Ganze ist aber auch ein Beispiel, wie sich die Politik fürsorglich eines Themas annimmt, das bei den Leuten längst angekommen war. Die ersten Geldautomaten kamen Ende der 70-er auf; Vorreiter waren die USA. Der erste Geldautomat am Niederrhein wurde 1981 in der Sparkasse Friedrichstraße in Krefeld in Betrieb genommen. Vorläufer in Europa war die Eurocheque-Karte, mit der man Euroschecks einlösen konnte; aus ihr wurde dann die Karte mit dem Magnetstreifen. Das Ganze entwickelte sich parallel zur ebenso rasant sich entwickelnden Computertechnik. Heinz-Peter Heggen (58) hat diese Entwicklung als Bankkaufmann bei der Sparkasse aus eigener Anschauung erlebt. Er ist heute der "Leiter Medialer Service" und regelt die technischen Abläufe bei elektronischen Buchungen aller Art. Am Beginn seiner Laufbahn gab es am Bankschalter eine Maschine, die die Älteren sicher kennen: Wenn etwas auf dem Sparbuch gebucht wurde, dann wurden die Zahlen eingetippt, und das Ganze wurde mit der schnellen Drehung einer Handkurbel ins Sparbüchlein gedruckt. Heggen macht, als er das erzählt, noch gekonnt die Armbewegung dazu. So etwas vergisst der Körper nicht. Wenn heute ein Sparbuch bedient wird, ertönt nur das feine Rauschen eines Nadeldruckers.

Wenn Heggen zu erzählen beginnt, hört man rasch gebannt zu, eben weil die Entwicklung rasch voranging. Die Terminals für die EC-Karten wurden schmaler, eleganter - wichtiger: die Sicherheitstechnik immer ausgefeilter, was auch damit zu tun hat, dass Kriminelle immer raffinierter wurden, um an anderer Leute Geld zu kommen. "Ein bisschen ist es wie beim Wettlauf von Hase und Igel", sagt Heggen.

Heute überprüfen ausgefeilte Programme das Zahlungsverhalten der Kunden. "Wenn Sie in London etwas mit einer Karte bezahlen und zwei Minuten später in Bukarest, dann schlägt das System Alarm, denn das ist nicht plausibel." Bei Überweisungen, die nicht ins Bewegungsschema passen, wird aufgemerkt: "Wenn ein Kunde nie Zahlungen nach Polen getätigt hat und plötzlich mehrere Überweisungen über ein- und denselben Betrag nach Warschau erfolgen, ist das ein Grund, die Überweisungen zumindest anzuhalten und eventuell beim Kunden nachzufragen." Dennoch: Sicherheitstechnik allein genügt nicht - der Kunde müsse auch wach bleiben und misstrauisch, betont Heggen. Eine klassische Einladung an Gauner ist es immer noch, seine PIN-Nummer auf der EC-Karte zu notieren. Nicht gut. Heggen berichtet auch von Trickbetrügern, die sich als Sicherheitsleute einer Bank ausgeben und am Telefon mit einem Kunden anhand angeblich fiktiver Überweisungen irgendwelche Sicherheitstests durchführen. Das Problem: Die Überweisungen waren gar nicht fiktiv, die Kunden haben real Geld auf fremde Konten überwiesen. Grundsätzlich verdächtig ist, wenn wer auch immer irgendwelche PIN- oder sonstige Nummern haben will. Die Entwicklung geht weiter. Online-Banking vom heimischen Computer aus wird gut angenommen und ist weitgehend sicher. Ob das Smartphone quasi die EC-Karte der Zukunft ist, wird sich zeigen. Technisch gibt es schon Bezahlsysteme mit dem Smartphone - doch sie setzen sich auch bei jungen Leuten bislang eher zögerlich durch. Warum, ist offen.

Ein Grund kann schlicht und ergreifend sein, dass die Verbindungen in den modernen Stahlbetongebäuden ganz einfach zu schlecht sind - wer dann mit dem Handy bezahlen möchte, steht auf dem Schlauch. Heggen sieht solche Trends allerdings ziemlich gelassen: "Wir stellen die Wege zur Verfügung - die Kunden entscheiden, welche sie nutzen."

Quelle: RP
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