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Analyse
Borussias unvollendete Reifeprüfung

Kempen. Das Spiel gegen Barcelona glich dem der Vorsaison gegen Manchester City: Borussia spielte stark, führte, verlor aber 1:2. Das Spiel gegen den spanischen Spitzenklub war klasse, aber doch nur eine 2+. "Noch belohnen wir uns zu wenig für diese starken Leistungen", sagte Max Eberl. Von Karsten Kellermann

Es war fast ein Deja-vu-Erlebnis. Borussia macht ein tolles Spiel gegen einen übermächtigen Gegner und verliert nach einer 1:0-Führung 1:2; das entscheidende Gegentor resultiert aus einer Standardsituation. Nichts ist zu sehen von der vielfach erwarteten Unterlegenheit, die Gladbacher gehen mutig ans Werk und zeigen, dass man Marktwert mit Mut beikommen kann. Das war in der vergangenen Saison im Heimspiel gegen Manchester City so, und nun auch gegen den FC Barcelona: In beiden Fällen war es eine starke Leistung, die statistisch ohne positiven Effekt blieb. Und so schlich sich auch am Mittwoch, obwohl die meisten vorab ein knappes Negativergebnis als achtbar definiert hätten, das flaue Gefühl ein, dass etwas verpasst wurde, zumindest ein Punkt, wenn nicht gar mehr. Nach der Pause fehlten Raffael, die Kraft und ein bisschen auch die Courage. So war es ein "magischer Abend", in letzter Konsequenz unvollendet blieb. "Stolz und enttäuscht zugleich", hieß es entsprechend auf Borussias Internetseite.

Doch es ist durchaus ein Privileg, von sich sagen zu dürfen: Das 1:2 gegen den FC Barcelona fühlt sich zu wenig an. Oder: Mehr als ein Arbeitssieg wurde Barca nicht ermöglicht. Die 20 Minuten vor der Pause haben gezeigt, welches Potenzial die Gladbacher Mannschaft hat. Dass Barca zwischen der 11. und 65. Minute quasi keine Torchance hatte, spricht für die Defensivarbeit, und die Art, wie Borussia das 1:0 herausspielte, belegte, dass die Offensiv-Abteilung auf höchstem Niveau mithalten kann.

Was schmerzt, ist weniger die eigene Niederlage als das überraschende 3:3, das Celtic Glasgow gegen Manchester City holte. Die Schotten machten den Punkt gegen einen der Giganten der Gruppe - und haben sich so im Rennen um Platz drei, für das die Borussen und Celtic wohl vorgesehen sind, einen gefühlten Vorteil erwirtschaftet. Borussia muss nun etwas holen in Glasgow: Um international überwintern zu können, was das erklärte Ziel ist, sollten es "vier Punkte" insgesamt schon werden gegen Celtic, das weiß auch Manager Max Eberl. Nebenbei die Spiele gegen ManCity und in Barcelona zu nutzen, um, so die Leistung es zulässt, aus einem Spiel gegen einen Großen Europas das Optimum herauszuholen, wäre für Borussia ein gern genommener Randaspekt.

Die nötige Reife ist hinterlegt, sie muss aber über 90 Minuten abgerufen werden. Und es geht noch mehr. Das Spiel gegen Barca war klasse, aber doch nur eine 2+, die Reifeprüfung blieb unvollendet. "Wir können den Top-Teams im Borussia-Park sehr gefährlich werden. Noch belohnen wir uns zu wenig für diese starken Leistungen", sagte Max Eberl. Das "noch" ist das entscheidende Wort: Darin steckt der Glaube, den dafür notwendigen Entwicklungsschritt hinzukriegen.

Quelle: RP
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