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Charline Hartmann: vom Ballett zum Fußballprofi

Lokalsport: Charline Hartmann: vom Ballett zum Fußballprofi
Charline Hartmann hat in ihrer Bundesligazeit ungefähr 140 Tore erzielt - wie viele, weiß sie selbst nicht genau. FOTO: imago sportfotodienst
Kempen. Die Anratherin Charline Hartmann startet am Wochenende mit dem Fußball-Bundesligisten SG Essen-Schönebeck in die neue Spielzeit. Die 30-Jährige begann mit neun Jahren mit dem Fußball - bei den Jungs. Von Günter Wagner

Im Alter von neun Jahren wird Charline Hartmann zum ersten Mal von ihrem Vater zu einem Fußballturnier der Viktoria Anrath mitgenommen. Vom Fußball und der Atmosphäre ist die Kleine ganz hingerissen. Der Fußballvirus hat sie infiziert. Der Zufall will es, dass neben dem Turnier auch ein Trödelmarkt veranstaltet wird. Und tatsächlich: Charline findet dort ein Paar passende Fußballschuhe. Allein schon die Farbkombination (schwarz-pink) hat es ihr angetan. Ihre Ballettschuhe schmeißt sie daraufhin in die Ecke. Unter Trainer Michael Flatten darf sie in der E-Jugend bei den Jungs mitspielen. Und sie behauptet sich.

Schnell wird ihr Talent erkannt. Ihr Weg führt steil nach oben bis in die Fußball-Bundesliga. Für Deutschland ist sie in vielen Auswahlmannschaften bis zur U23 dabei. Der ganz große Sprung in die A-Nationalmannschaft bleibt ihr jedoch verwehrt. Doch ihre Erfolge können sich sehen lassen. Die größten sind für sie der Gewinn des Deutschen Pokals 2010 und des Uefa-Pokals im selben Jahr mit dem FCR Duisburg.

Ihre schönste Fußballerzeit sieht sie allerdings bei der SG Essen-Schönebeck - jenem Verein aus der Frauen-Bundesliga, in dem sie derzeit noch unter Vertrag steht und mit dem sie am anstehenden Wochenende in die neue Spielzeit starten wird. Da geht es im ersten Bundesligaspiel gleich zum starken 1. FFC Frankfurt. "Unvergessen bleibt für mich das Pokalfinale vom 17.Mai 2014 in Köln vor über 30000 Zuschauern, auch wenn wir gegen 1.FFC Frankfurt mit 0:3 unterlegen waren."

Bei der SGS Essen fühlt sich die 30-Jährige wohl. Im vergangenen Mai hat sie ihren Vertrag bei der SGS um zwei weitere Jahre verlängert. "Mir gefällt die familiäre Atmosphäre. Und auch sportlich gesehen sind wir ein starkes Team", erzählt die Anratherin. Gern nimmt sie viermal in der Woche die Fahrt zum Training in Essen hin. Der Aufwand beträgt mit sportlichen Übungen und Fahrtzeit insgesamt vier Stunden. Zusätzlich muss sie noch sportliche Hausaufgaben erledigen, die ihr das Trainerteam mit auf den Weg gegeben hat.

Charline Hartmann ist eine Vollblutstürmerin. In ihrer Bundesligazeit hat sie so ungefähr 140 Tore erzielt. "So genau weiß ich das gar nicht mehr." In den ersten drei Spielzeiten in Essen schoss sie jeweils 16, 18, 20 Tore. Das hätte bei den Männern möglicherweise für die eine oder andere Torjägerkanone gereicht. Wie sie die Entwicklung im deutschen Frauenfußball sieht? "Der Frauenfußball hat, nicht zuletzt durch die Erfolge der Nationalmannschaft, einen enormen Schritt nach vorne gemacht. Mich stört jedoch, dass der Unterschied im Gehaltsgefüge zwischen den Männern und Frauen so krass ist." Auch bei den Frauen wird ein Gehalt gezahlt. Aber nur davon zu leben, ist Charline Hartmann zu unsicher. So geht sie im elterlichen Betrieb ihrem Beruf als Bürokauffrau nach, um später einmal mit ihrem Bruder Nick (21) die Firma weiter führen zu können.

Im Fußball ist sie immer bestrebt, sich weiter zu entwickeln. Sie weiß um ihre Schwächen. "Der Trainer freut sich immer, wenn ich mal ein Tor mit dem Kopf erziele." Ihre Stärken liegen in ihrer Schnelligkeit und Torgefährlichkeit. "Ich bin ein Knipser", sagt sie über sich. Als weitere Stärke sieht sie ihren Kampfgeist. "Ich gebe niemals auf, versuche die Mannschaft mitzureißen und den jüngeren Spielerinnen ein Vorbild zu sein."

Die Anratherin hat trotz ihrer Erfolge nie die Bodenhaftung verloren. Wenn es ihre knapp bemessene Zeit erlaubt, schaut sie sich ein Spiel ihres Heimatvereins Viktoria Anrath an. Ab und zu ein Spiel der 2.Mannschaft, denn da ist ihr Vater Uwe (54) immer noch aktiv am Ball.

Quelle: RP
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