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Lokalsport
Für die Leichtathletik-Vereine brechen schwere Zeiten an

Kempen. Es soll künftig eine Spitzensport-Strukturreform geben, die nur noch die finanzielle Unterstützung von Top-Athleten vorsieht. Von Manfred Schulz

Eigentlich gehört die Leichtathletik immer noch zu den Grundsportarten in der Schule und gilt auch als Publikumsmagnet in den Stadien und vor dem Fernsehen bei jeden Olympischen Spielen. Dennoch durchlebt die Sportart hierzulande seit einigen Jahren ein Wechselbad der Gefühle. Auch bei einem der Top-Vereine in dieser Sportart am Niederrhein, Bayer Uerdingen, ist der Boom längst verpufft. Vorbei die Zeiten, dass der Vereine Olympiateilnehmer wie Jürgen Hingsen oder Paul Angenvoorth hervorbrachte und auch in der Breite massenweise deutsche Spitzenathleten in seinen Reihen hatte. "Ohne Schwarz zu malen, werden diese Zeiten wohl nicht mehr erreicht werden können", ist sich Peter Quasten, Sportchef von Bayer Uerdingen und selbst in früheren Jahren ein exzellenter Sprinter und Viertelmeiler, sicher.

Nach den Gründen braucht er nicht lange zu suchen, da er die Zeiten sowohl als Aktiver als nun auch schon seit mehr als zwanzig Jahren als Sportchef am Löschenhofweg miterlebt hat. "Das ist eine ganz lange Liste", sagt er. "Das fängt vom Freizeitverhalten und -angebot schon in ganz jungen Jahren an, geht über den kaum zu kompensierenden Demographiefaktor bis hin zum G8-Schulsystem und die Wichtigkeit, eine gute Ausbildung und Beruf zu bekommen." Und warum waren vor zwanzig bis dreißig Jahren so viele Athleten top, nicht nur bei Bayer Uerdingen? "Es wird immer schwieriger, die jungen und talentierten Athleten über die 20 (Jahre) zu bekommen", erklärt Peter Quasten. "Wir stellen fest, nicht nur bei uns, dass einige Athleten schon in jungen für sich feststellen, dass sie den Weg in die deutsche Spitze wohl nicht schaffen und hören einfach und kurzerhand auf."

Dabei sind sich Quasten und auch Sportexperten einig, dass das vermutlich der springende Punkt ist, dass viele Athleten den Sprung in die Spitze, wenn auch nur erweiterte, nicht schaffen oder schlichtweg "verpassen". "Mit 17 und 18 Jahren sind viele Sportler auch körperlich noch nicht ausgereift. Früher war es so, dass die meisten guten Leute während ihrer Studienzeit, aber auch schon im Berufsleben stehend, mit Anfang bis Mitte 20 richtig top waren oder erst wurden", erinnert sich Quasten.

Und wie wollen die Vereine oder Bayer Uerdingen sich gegen diesen Trend stemmen, wenn jetzt auch noch zu hören und lesen ist, dass mit der neuen Spitzensport-Strukturreform, die vom Bund und Deutschen Olympischen Sport Bund schon bald vorgelegt und realisiert werden soll, nur noch Top-Leute finanziert und unterstützt werden sollen und auch zahlreiche Olympia-Stützpunkte und Unterstützpunkte zusammengelegt oder wegfallen sollen? "Wichtig ist doch in erster Linie, dass wir als Verein junge Leute ausbilden und erst auf den sportlich guten Weg bringen möchten", sagt Quasten. "Und dieser Aufgabe werden wir uns auch in den nächsten Jahren stellen. Dafür haben wir ein gutes Trainerteam und auch die gesamte Anlage am Löschenhofweg und der neuen Leichtathletikhalle sind eine gute Basis, damit wir das auch schaffen."

Von Olympia und ganz großen Meisterschaften will man im Uerdinger Lager deshalb gar nicht erst sprechen. "Der Weg dorthin ist sehr lang und man muss eben über Jahre hinweg dieses Ziel oder auch den Weg vielleicht zu Deutschen Meisterschaften konsequent verfolgen", erklärt Peter Quasten. "Wir legen derzeit in erster Linie großen Wert darauf, dass sich unsere Athleten bei den deutschen Team-, Mehrkampf- und Staffelmeisterschaften für den gemeinsamen Erfolg so richtig ins Zeug legen."

(ms)
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