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Leichtathletik
Für Sarah Schmidt ist Olympia greifbar nah

Viersen. Weil der Deutsche Olympische Sportbund kürzlich die Normen für eine Qualifikation angepasst hat, kann die 800-Meter-Spezialistin sich berichtigte Hoffnungen auf einen Start in Rio de Janeiro machen. Von Paul Offermanns

Die Leichtathletik-Szene im Grenzland könnte demnächst kräftigen Rückenwind bekommen, denn in Gestalt der Süchtelnerin Sarah Schmidt hat eine heimische Athletin 44 Jahre nach der Speerwerferin Anneliese Gerhards aus Nettetal (1972 München) unverhofft eine gute Chance, sich für Olympische Sommerspiele zu qualifizieren. Konkrete Konturen hat die Verwirklichung des Olympia-Traums für die erst 19 Jahre alte Athletin des LAZ Mönchengladbach bekommen, als der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) vor dem Hintergrund der Doping- und Korruptionsskandale in der internationalen Leichtathletik Ende Januar die Olympia-Normanforderungen entschärfte.

Für Schmidts Spezialdisziplin 800 Meter bedeutet dies ganz konkret: Für einen Start im Sommer in Rio de Janeiro müssen im Vorfeld mindestens 2:01,50 statt bisher 1:59,80 Minuten gelaufen werden. Dass Sarah Schmidt in der zurückliegenden Saison als Deutschlands schnellste Jugendliche über 800 Meter eine neue persönliche Bestzeit von 2:01,44 Minuten aufstellte und damit gleichzeitig schon auf Platz drei der Deutschen Frauen-Bestenliste vorstieß, macht deutlich, dass ihre Chancen auf die Olympia-Qualifikation gut stehen. Die freudige Nachricht von der neuen Situation erreichte Schmidt beim Frühstück in Washington, wo die Einser-Abiturientin an der Georgetown University ein Auslandsjahr verbringt. Sie erhielt ein Sportstipendium, trainiert im Track & Field-Team und absolviert ein Grundlagenstudium. Direkt nach dem Abitur zog es die Süchtelnerin in die USA, weil sie noch nicht genau wusste, was sie in Deutschland studieren wollte (voraussichtlich Medizin) und wie sie das Studium mit dem Leistungssport am effektivsten verbinden kann. Sarah Schmidt und ihr Trainer Johannes Gathen sahen in dem Auslandsjahr für sie die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln, sowohl im sportlichen als auch anderen Lebensbereichen. Das Jahr 2016 war für beide eher ein Übergangsjahr von der Jugend- in die Frauenklasse - ohne für sie erreichbare internationale Höhepunkte.

Das hat sich jetzt schlagartig geändert. Zunächst richtete sich ihr Blick nach der starken Saison 2015b auf die Europameisterschaften in Amsterdam. Doch nun will sie mehr: "Eine Teilnahme bei den Olympischen Spielen in Rio ist nicht mehr ausgeschlossen. Der Weg dorthin ist schwer. Die nationale Konkurrenz um die begehrten Fahrkarten ist groß. Aber ich will versuchen, ein Ticket nach Rio zu bekommen." Bundestrainer Henning von Papen, der sie aufgrund ihrer Leistungen ins Junior-Eliteteam berief, sieht es genauso. Er traut der Süchtelnerin im Sommer die Qualifikation und anschließend die Berufung ins Olympische Team zu. Michael Smith, Coach in Georgetown, arbeitet mit Schmidt nun ganz gezielt auf dieses Ziel hin. Aufgrund von Problemen im rechten Fuß trainierte die 19-Jährige im Winter nicht wie gewohnt weiter. Gathen ist aber optimistisch, dass sein Schützling die Olympia-Normzeit bis Anfang Juli laufen kann. Denn das Grundlagentraining verlief trotz allem gut. "Sarah konnte zwar nicht viel laufen, dafür arbeitete sie aber viel alternativ mit Aquajogging, auf dem Stepper und dem Anti-Schwerkraft-Laufband", erzählte Johannes Gathen. "Bis Ende Mai soll die Form aufgebaut werden. Sie ist dann in der Lage, schnelle Zeiten zu laufen."

Quelle: RP
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