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Lokalsport
KFC trennt sich von seinem Aufstiegstrainer André Pawlak

Regionalliga. Fußball: André Pawlak hat die Uerdinger in die Regionalliga geführt. Gestern gab der Club die Trennung bekannt. Vorsitzender Mikhail Ponomarev traut ihm nicht zu, die Mannschaft auch in die Dritte Liga zu bringen. Ein Nachfolger soll schon in dieser Woche präsentiert werden. Von Heinrich Löhr und Oliver Schaulandt

Der KFC Uerdingen hat sich gestern von André Pawlak getrennt. Der Aufstiegstrainer, der im vergangenen Jahr geholt wurde und der vor knapp drei Monaten seinen Vertrag erst verlängert hatte, und der Vereine hätten gemeinsam entschieden, künftig nicht mehr zusammen zu arbeiten - obschon Pawlak, der im Hauptberuf Lehrer ist, bereits einen Antrag auf Beurlaubung gestellt hatte, um Vollzeit für den KFC arbeiten zu können. Nach RP-Informationen soll die Trennung intern bereits seit längerer Zeit im Raum stehen; Pawlak sei angeblich schon bei der Verpflichtung von Spielern für den neuen Kader für die kommende Spielzeit in der Regionalliga und auch Mitarbeitern im so genannten Staff rund ums Team nicht mehr mit eingebunden gewesen. Dazu passt auch, dass der KFC-Vorstand um Mikhail Ponomarev die vor gut einer Woche gestellte Anfrage zu einem Interview zur Vorbereitung auf die neue Saison abgelehnt hatte mit der Begründung, man müsse die neue Saison vorbereiten. Wer Nachfolger wird, steht zumindest offiziell noch nicht fest; zeitnah soll der Nachfolger Pawlaks bekannt gegeben werden. Der geschasste Trainer selbst wollte gestern auf Nachfrage keine Stellungnahme abgeben.

Viel wurde und wird in diesen Tagen über die fortschreitende Kommerzialisierung des Profifußballs diskutiert und vielfach auch beklagt. Mikhail Ponomarev, der starke Mann und Geldgeber beim KFC Uerdingen, hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er den Verein mit aller Macht in den bezahlten Fußball zurückführen möchte, am besten eher gestern als heute. Angeblich habe er bislang sogar siebenstellig investiert. Der Russe, der in Englisch spricht, gebraucht dann die Worte Business und Emotion. Wobei für ihn, den Geschäftsmann, dabei das Wort Business klar an erster Stelle steht. Dass in diesem, vielfach als schmutzig qualifizierten Geschäft auch sportlicher Erfolg nicht vor Entlassungen schützt, belegen gerade die Erstligisten Mainz 05 und Borussia Dortmund, wo die Trainer Martin Schmidt und Thomas Tuchel trotz Klassenverbleib und DFB-Pokalsieg geschasst wurden.

André Pawlak hat mit einem für die Oberliga exzellent besetzten Kader letztendlich souverän den Aufstieg in die Regionalliga geschafft. Als es aber um die Definition der Ziele für die nächsten Jahre ging, lagen er und Ponomarev nicht auf einer Wellenlänge. Insbesondere das Tempo, das der Geschäftsmann Ponomarev vorgab, war dem Fußballtrainer Pawlak offenbar zu schnell, hielt dieser angeblich für nicht realisierbar. So gesehen ist das, was gestern in Uerdingen passiert ist, branchentypisch. Leicht sarkastisch könnte man sagen, dass Uerdingen diese Voraussetzungen für eine Rückkehr in den Profifußball schon einmal erfüllt, auch hier geht es trotz noch nicht vollzogener Ausgliederung in eine GmbH schon klar nach wirtschaftlichen Aspekten.

Auf den ersten Blick mag die Trennung überraschend kommen. Denn erst vor drei Monaten verlängerte der Verein den Vertrag mit dem Trainer vorzeitig. Doch wer nach dem Schlusspfiff der Partie in Hiesfeld und dem damit feststehenden Aufstieg im Gesicht des Trainers lesen konnte, sah schon da nicht nur Freude. In diese Wahrnehmung passt die Aussage Ponomarevs, der rückblickend seit zwei Monaten von unterschiedlichen Auffassungen spricht. "Für die Dritte Liga, in die wir ja möchten, wird die Lizenz als Fußballlehrer benötigt. Hier gab es, ohne dass wir uns einigen konnten, Überlegungen meinerseits, wie André Pawlak die hätte erwerben können", sagt Ponomarev.

Andererseits: Es dürfte dem Trainer nicht gepasst haben, wie auf Führungsebene angeblich Personalentscheidungen getroffen wurden. Denis Pozder etwa, der ja gehen darf, wenn ein Verein anfragt, soll nach RP-Informationen in den abschließenden Spielen nicht mehr habe auflaufen dürfen, weil er keinen Auflösungsvertrag unterschrieben hatte - offiziell hieß es, er habe sozusagen über Nacht seine Form verloren. Und auch bei den Zugängen soll Pawlak kein Mitspracherecht mehr gehabt haben - was wiederum dafür spricht, dass die Trennung zu dem Zeitpunkt schon längst beschlossene Sache war.

Wie Hohn mutete der Ablauf an, wie der Verein die Trennung von Pawlak, die auch für die beiden Co-Trainer gilt, bekannt gab. Gestern Abend hatte Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer, selbst bekennender KFC-Fan, aus Anlass des Aufstiegs zu einem Empfang ins Rathaus geladen - von der Mannschaft wurde nur Charles Takyi gesehen. Und nahezu zeitgleich zu Beginn seiner Laudatio ließen die Vereinsverantwortlichen die Pressemitteilung versenden, verkündeten die Demission, in der sie - branchentypisch - Pawlak für seine Arbeit dankten.

Morgen, spätestens übermorgen will der Verein den Nachfolger präsentieren. "Er muss die Lizenz zum Fußballlehrer besitzen und mit Vollprofis arbeiten können", beschrieb Ponomarev das Anforderungsprofil.

Quelle: RP
 
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