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Olympia erschwert Merkels Planungen

Lokalsport: Olympia erschwert Merkels Planungen
Der Italiener Paolo Lorenzi, im Vorjahr in der Bundesliga die Nummer eins des HTC Blau-Weiß Krefeld, musste sich in seinem Erstrundenmatch mit einer Niederlage von "Kraftpaket" Grigor Dimitrov aus Bulgarien verabschieden. FOTO: AP
Tennis. Der Teamchef des Tennis-Bundesligisten HTC Blau-Weiß Krefeld bastelt derzeit am Rande der Australian Open in Melbourne am neuen Kader. Oriol Roca-Betella und Rubén Ramírez-Higaldo verpflichtet. Santiago Giraldo an der Angel Von H.-G. Schoofs

16 453, 48 Kilometer Luftlinie von Krefeld entfernt bastelt Olaf Merkel vom Bundesligisten HTC Blau-Weiß in diesen Tagen an seiner Mannschaft für die neue Spielzeit. Bei den Australian Open, dem ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres, knüpft der Trainer neue Kontakte oder verhandelt mit bisherigen Spielern seines Kaders und mit potenziellen Neuzugängen. "Ich sitze von morgens bis abends im Spieler-Restaurant und spreche mit Spielern", sagte Merkel als er für das Telefongespräch mit unserer Zeitung kurz vor Mitternacht Ortszeit zum Hörer griff. Sein geduldiges Sitzfleisch zahlte sich aus. Mit dem 38-jährigen Spanier Rubén Ramírez-Higaldo lockte Merkel einen routinierten Sandplatzspezialisten in den Stadtwald, der in der Bundesliga schon für Blau-Weiß Halle aufschlug. Mit dem 23-jährigen Oriol Roca-Betella nahm er in Down Under einen weiteren Spanier unter Vertrag. Vor seiner Abreise waren bereits mit dem Tschechen Adam Pavlasek und dem Italiener Federico Gaio zwei jungen Spieler verpflichtet worden (die RP berichtete). Eventuell angelt sich der "Mister Bundesliga" von der Hüttenallee vor seiner Rückreise an den Niederrhein noch einen Topspieler. Denn der Kolumbianer Santiago Giraldo, Nummer 70 der aktuellen ATP-Rangliste, der gestern in Melbourne sein Erstrunden-Match gegen den Amerikaner Donald Young (ATP 46) gewann, zeigte Interesse an einem Engagement in Krefeld. Im Vorjahr schlug er zweimal für den Absteiger 1. FC Nürnberg auf.

Am Dienstag hatte Merkel zwischen seinem Verhandlungs-Marathon das Erstrunden-Match seines Schützlings Paolo Lorenzi auf dem Showcourt 3 vor 5000 Zuschauern verfolgt. Der Italiener erwischte mit dem beim Turnier an Position 27 gesetzten Bulgaren Grigor Dimitrov einen starken Gegner. "Paolo hat für mich sein bestes Match auf Hartplatz gezeigt. Aber sein Gegner war einfach eine Nummer zu groß", sagte Merkel nach der Dreisatzniederlage des Italieners, der derzeit Platz 57 der Weltrangliste belegt. Keinen guten Tag erwischte Inigo Cervantes, der sich im letzten Jahr mit starken Leistungen auf ATP-Rang 72 vorgearbeitet hat. Gegen den Russen Evgeny Donskoy (ATP 90) musste sich der Spanier in vier Sätzen geschlagen geben. "Hartplätze liegen ihm nicht. Zudem hatte er Probleme mit einem Fuß", erklärte der HTC-Teamchef. Nicht gerade erfreut war er, als Cervantes ihm von einem Angebot des Rochusclub Düsseldorf berichtete. Denn in der Liga gibt es ein "Gentlemen's Agreement", dass die Vereine sich die Spieler nicht gegenseitig abjagen dürfen, solange diese nicht erklärte haben, dass sie wechseln können.

Der junge Spanier Oriol Roca-Betella spielt diese Saison für Blau-Weiß.

Merkel war bereits während der Qualifikation für das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres in Melbourne, wo einige seiner neuen und bisherigen Schützlinge im Einsatz waren: "In der Woche war es brutal heiß. An einem Tag waren es mittags um 16 Uhr noch 46 Grad. Da wurde das Turnier für drei Stunden unterbrochen. Am nächsten Morgen regnete es bei nur noch 17 Grad." Federico Gaio und Luca Vanni schieden in der ersten Runde aus. Adam Pavlasek (ATP 147) trat angesichts der starken Konkurrenz erst gar nicht an und startete beim Challenger-Turnier in Bangkok. Dort war für ihn erst im Finale gegen den Russen Michail Juschny Endstation. Renzo Olivo (ATP 174) zog nach drei Qualirunden in die erste Hauptrunde ein. Dort sorgte der Argentinier mit italienischem Pass mit seinem Sieg gegen den starken Tschechen Jiri Vesely (ATP 50) für eine Überraschung. Heute trifft er seinen Landsmann Federico Delbonis (ATP 53), der schon für Bremerhaven in der Bundesliga spielte. Ob Olivo, der seit 2013 zum Kader der Blau-Weißen gehört, im Sommer zum Einsatz kommt, steht noch in den Sternen. "2014 hat er uns einige Male hängen gelassen. Er gilt als unzuverlässig", erklärte der Teamchef.

Merkel schaut sich bei den Australian Open natürlich auch die Topakteure an. Bei Roger Federer, Rafael Nadal und Marin Celic beobachtete er das Training. Gestern war er Zeuge beim ersten Paukenschlag des Turniers, als Nadal gegen seinen Landsmann Fernando Verdasco in fünf Sätzen unterlag.

Wenn Merkel am Montag wieder zu Hause an seinem Schreibtisch sitzt, will er grob mit der Personal-Planung für die jeweiligen Spieltage beginnen. Das ist in diesem Jahr wegen der Olympischen Spiele in Brasilien, die genau während der Bundesliga-Saison stattfinden nicht so leicht. Denn gerade viele Akteure aus Südamerika, wie zum Beispiel die Blau-Weißen Maximo Gonzales, Joao Souza oder Horacio Zeballos, hoffen auf eine Wild-Card.

Quelle: RP
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