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Wie Ponomarew den KFC Uerdingen zu einer GmbH machen möchte

Lokalsport: Wie Ponomarew den KFC Uerdingen zu einer GmbH machen möchte
FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Kempen. Die Mitglieder des KFC Uerdingen haben den Führungsgremien den Auftrag erteilt, den Weg für eine Loslösung der Ersten Mannschaft in eine Kapitalgesellschaft zu ebnen. Wir erläutern die Pläne von Investor Mikhail Ponomarew. Von Oliver Schaulandt

Das Votum der Mitglieder des KFC Uerdingen war eindeutig: Der Vorstand und der Verwaltungsrat des KFC Uerdingen sollen die Weichen dafür stellen, dass bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung vor dem 30. Juni 2016 beschlossen werden kann, dass sich die Erste Mannschaft, eine noch zu gründende U23 und wahrscheinlich auch die U19 vom Stammverein loslöst und zur Kapitalgesellschaft wird. Mikhail Ponomarew, der russische Investor und zweite Vorsitzende des Oberligisten, will damit erreichen, den KFC Uerdingen zurück in die Zweite Bundesliga zu führen.

1. Der aktuelle Stand

Zurzeit sind die Uerdinger Tabellenzweiter der Oberliga, haben fünf Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Wuppertaler SV. "Das ist nicht das, was wir erwartet haben", sagt Ponomarew. "Fünf Punkte hinter der Spitze zu sein, ist nicht gut. Aber wir hatten auch nur einen Monat Zeit die Mannschaft zusammenzustellen." Er erwartet, dass der KFC bald Tabellenführer ist. Denn nur der Erste steigt am Saisonende in die Regionalliga auf, und das Mitspielen in der Vierten Liga setzt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) voraus, um Kapitalgesellschaften zum Spielbetrieb zuzulassen.

2. Gründe für die Ausgliederung

Hauptgrund für eine Ausgliederung ist, dass sich neue Geldgeber finden sollen, die das Gesamtprojekt unterstützen. Ponomarew rechnet so: In der 5. Liga (Oberliga) braucht man einen Etat zwischen 500 000 und 700 000 Euro, um aufzusteigen. In der Vierten Liga (Regionalliga) zwischen 1,5 und 2 Millionen und in der Dritten Liga zwischen 3,0 und 5,0 Millionen Euro. Er sei bereit, für diese genannten Summe gerade zu stehen. Ob und in welcher Höhe sich KFC-Vorsitzender Lakis in diese Kapitalgesellschaft einbringt, sei noch offen, sagte Verwaltungsratsvorsitzender Andreas Galland bei der Mitgliederversammlung und ergänzte: "Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das Eigenkapital des Clubs nicht ausreicht, um wettbewerbsfähig zu sein." Auch das Geschäftsjahr 2014 habe der KFC mit einem Minus abgeschlossen in Höhe von rund 195.000 Euro. Diese Deckungslücke habe die Lakis Group geschlossen.

3. Investoren finden

Für potenzielle Investoren seien die Ober- und Regionalliga nicht sonderlich attraktiv, unter anderem, weil die Spiele so gut wie nie im Fernsehen gezeigt würden. Darum müsse das Ziel der Kapitalgesellschaft sein, so schnell wie möglich in die Dritte Liga zu kommen. Ab etwa der Zweiten Liga würden Investoren möglicherweise auch eine Dividende erhalten.

4. Strukturen schaffen

Voraussetzung für die Kapitalgesellschaft ist, dass entsprechend professionelle Strukturen geschaffen werden sollen. Im Idealfall, also erst auf lange Sicht gedacht, schwebt Ponomarew vor, drei Geschäftsführer für die Gesellschaft zu installieren: einen für die Bereiche Marketing und Stadion, einen für Finanzen, Personal, Recht und Administration und einen für den sportlichen Bereich, der die Fachbereichsleitung und das noch zu gründende Nachwuchsleistungszentrum betreut.

5. Aufteilung

Der Verein würde sich in die KFC Uerdingen GmbH und den KFC Uerdingen e.V. aufteilen. Die Mitglieder des Clubs blieben aber weiterhin höchstes Gremium, weil der Vereine die sogenannte "50+1"-Regelung einhalten muss, die der DFB vorschreibt. Das bedeutet, dass der Stammverein 50 Prozent der Anteile plus eine zusätzliche Stimme an der GmbH erhält, er also in Streitfragen immer mehrheitsfähig gegenüber den Investoren bleibt.

6. Finanzierung des Vereins

Die GmbH steht für die Finanzierung des Gesamtvereins gerade. Ponomarews Plan sieht vor, dass die GmbH eine jährliche Summe an den Verein zahlt und sich dafür die Rechte am Vereinsnamen und am Logo sichert. Von diesem Geld muss sich dann der Stammverein finanzieren, also beispielsweise die Kosten für sein Jugendtraining tragen. Die Jugendabteilung zu stärken, liege auch in ganz großem Interesse der GmbH: "Unser Ziel muss sein, 20 bis 30 Prozent der Spieler aus der Ersten Mannschaft und der U23 aus der eigenen Jugend zu stellen", sagt Ponomarew - Hintergrund: Selbst ausbilden ist billiger als teure Spieler einzukaufen. Ein weiterer Vorteil: Der Stammverein könnte wahrscheinlich die Gemeinnützigkeit zurück erhalten, die er derzeit nicht hat, wie Galland sagte.

7. Warum U23 und U19 ausgliedern?

Eine (noch zu gründende) U23 und die U19 auszugliedern hat den Sinn, dass beide Teams von Beginn an die Philosophie des Cheftrainers der Ersten Mannschaft mit übernehmen sollen, um so den Übergang zwischen den Teams zu erleichtern. Die U23 müsste aber erst einmal als zweite Mannschaft gegründet werden, und sie würde dann bereits zur kommenden Saison in der Kreisliga C spielen. "Vielleicht werden wir dann mit einer Mannschaft fusionieren, die schon in der Landesliga spielt, damit der Weg nicht so weit ist", sagte Lakis dazu.

8. Bestehende Verbindlichkeiten

Der KFC Uerdingen hatte zum Ende des Geschäftsjahres 2014 rund 1,8 Millionen Euro Verbindlichkeiten, davon entfallen auf die Lakis Group rund 1,5 Millionen. Rund 150.000 Euro waren seinerzeit Offenstände bei der Berufsgenossenschaft und etwa 33.000 Euro an Gehältern (obschon Vorsitzender Lakis stets betont hatte, dass alle Gehälter bezahlt seien). Diese Verbindlichkeiten würden allesamt von der GmbH übernommen; der Stammverein wäre schuldenfrei. Und selbst wenn die Kapitalgesellschaft einmal in die Insolvenz müsste, so würde der Stammverein überleben können.

9. Zeitplan

Die Umwandlung in eine GmbH würde zur kommenden Saison erfolgen - wenn der Aufstieg klappt. Ponomarew ist davon felsenfest überzeugt: "Wir wollen in die Regionalliga aufsteigen und gehen lieber nicht davon aus, dass es nicht klappt", sagte er. Nach RP-Informationen soll angeblich dazu in der Winterpause der Sturm noch personell aufgerüstet werden.

Quelle: RP
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