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Stadt Kempen
St. Huberter verblüfft die Drohnen-Szene

Stadt Kempen. Nils Rodday aus St. Hubert hat Sicherheitslücken bei Drohnen entdeckt. Damit hat er in der Fachwelt für Aufsehen gesorgt. Er arbeitete bei IBM als Sicherheitsberater. In seiner Freizeit ist er Rettungsschwimmer. Von Bianca Treffer

Der Reisepass liegt noch im Arbeitszimmer, der Koffer ist gerade ausgepackt. "Im Prinzip könnte ich jetzt schon wieder meine Sachen packen, weil ich eine Einladung nach Südkorea erhalten habe. Aber es passt zeitlich einfach nicht", sagt Nils Rodday mit leichtem Bedauern in der Stimme. Der 27-Jährige hat in knapp drei Monaten drei große Reisen unternommen. Er war zwei Wochen in San Francisco, eine Woche in Singapur und eine Woche in Istanbul. Urlaub war es aber nicht, wenngleich der St. Huberter dafür Urlaubstage brauchte. Rodday besuchte die beiden weltweit führenden Sicherheitskonferenzen im IT Bereich, die RSA Conference und die Black Hat sowie eine weitere wissenschaftliche Konferenz in diesem Sektor. Allerdings nicht als Besucher, sondern als Referent.

Der als IT-Sicherheitsberater bei IBM arbeitende junge Mann entdeckte Sicherheitslücken bei Drohnen, die unter anderem von der Polizei eingesetzt werden. "Wir reden hier nicht von Drohnen, die für rund 1000 Euro irgendwo gekauft werden können, sondern von Profi-Geräten, die preislich um die 25.000 Euro kosten", bemerkt Rodday. Er schaffte es, die Steuerung einer solchen Drohne zu übernehmen, so dass der eigentliche Steuerer keine Kontrolle mehr über das unbemannte fliegende Objekt hatte. Die Drohne folgte seinen Anweisungen. Eine Tatsache, die in der Fachwelt für Aufsehen sorgte, zumal der St. Huberter nicht nur explizit die Fehler nennt, sondern auch direkt die Lösungen des Problems mit anbietet. Das alles geschah im Rahmen seiner Masterarbeit im Studiengang EIT Digital -Security & Privacy. "In meiner Masterarbeit habe ich mich mit der IT-Sicherheit beschäftigt, weil das einfach immer ein Thema bleiben wird und ein Sektor ist, der mir persönlich liegt", berichtet Rodday.

Er schrieb dafür mehrere Firmen an, die Drohnen herstellen. Es hagelte Absagen, doch ein Unternehmen stellte ihm eine solche Profi-Drohne zu Verfügung, um den Studenten seine von ihm entwickelten Sicherheitsüberprüfungen durchführen zu lassen. Insgesamt arbeitete Rodday ein halbes Jahr an seiner Masterarbeit. Dann stand fest, es gibt Sicherheitslücken, die aber behoben werden können. Seine Ergebnisse brachten ihm nicht nur den Mastertitel ein, sondern sorgten in der Fachwelt für Aufsehen. Hier geht man davon aus, dass die vom St. Huberter entdeckten Sicherheitslücken nicht nur auf den einen Drohnentyp zutreffen, sondern generell ein Problem der unbemannten Flugobjekte sind.

Rodday stellte seine Ergebnisse bei den beiden großen Sicherheitskonferenzen in San Francisco und Singapur vor und referierte ebenfalls bei der wissenschaftlichen Konferenz in Istanbul. "Es war schon etwas Besonderes, selber auf diesen bedeutenden Veranstaltungen zu sprechen. Auf der anderen Seite war es spannend, andere Vorträge zu hören und weitere Spezialisten aus der Branche kennenzulernen", sagt Rodday.

Sein Faible für den IT-Bereich ereilte ihn schon als Schüler. Am Luise-von-Duesberg Gymnasium in Kempen gehörte Informatik zu seinen Fächern und schon in jungen Jahren reparierte und programmierte er Rechner von Freunden, Familie und Nachbarn. Eigens dafür hatte er neben der Schule und dem Studium ein Gewerbe angemeldet. Dass es ein Informatikstudium werden würde, stand außer Frage. Der St. Huberter studierte an der Fachhochschule in Münster Wirtschaftsinformatik, legte den Bachelor ab und ging danach für jeweils ein Jahr an die Universität Trento in Italien und ein Jahr an die Uni Twente im niederländischen Enschede. So konnte er zwei Masterabschlüsse in den Bereichen Informatik und Telekommunikation in einem ablegen. Seit Ende vergangenen Jahres ist der 27-Jährige nun Sicherheitsberater bei IBM. Ein Beruf, der ihn durch ganz Deutschland führt.

Wenn er nicht gerade an der Tastatur eines Rechners sitzt, kann man Nils Rodday auch beim Schwimmen und Tauchen treffen. Er ist in seiner Freizeit nämlich als Rettungsschwimmer aktiv.

Quelle: RP
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