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Stadt Kempen
St. Martins Geist ist höchst lebendig

Stadt Kempen: St. Martins Geist ist höchst lebendig
Sie präsentierten gestern am Martins-Denkmal auf dem Buttermarkt die neue Schwester-Ina-Medaille (v.l.): Heinz-Wilhelm Wolters, Heiner Wirtz, Karl-Heinz Hermans, Peter Fischer, Jürgen Hamelmann, Herbert Knops, Manfred August, Dr. Thomas Eicker und Gunnar Nienhaus (Sparkasse). FOTO: achim hüskes
Stadt Kempen. Gestern stellte die Schwester-Ina-Stiftung ihre diesjährige Medaille vor. Sie zeigt die Martins-Gruppe, die als Denkmal auf dem Buttermarkt steht. Der Verkaufserlös ist für das Kinderheim Annenhof bestimmt. Von Heiner Deckers

Die neue Schwester-Ina-Medaille, die gestern vorgestellt wurde, hat ein Motiv, wie es für Kempen eigentlich nicht typischer sein könnte. Sie zeigt die MartinsGruppe, das auf dem Buttermarkt zu findende Denkmal. Die Auflage liegt bei 250 Exemplaren, der komplette Erlös geht an das Kinderheim Annenhof.

Heinz-Wilhelm Wolters, Vorsitzender der Schwester-Ina-Stiftung, verwies auf die Not und Bedürftigkeit von Kindern, "auch in unserer Heimatstadt". Die Spenden für den Annenhof hätten bereits Früchte getragen und die Not ein wenig gelindert. Schwester Ina, zu Ehren derer die Stiftung gegründet wurde, hat über 40 Jahre lang im Annenhof dafür gesorgt, dass die Kinder das nötige Rüstzeug für das Leben bekamen. Einer ihrer Schützlinge war Ehrenbürger Karl-Heinz Hermans, der sich gut an Schwesters Inas Fähigkeit, Persönlichkeit anderer einzuschätzen, erinnert: "In einem Theaterstück bekam ich die Rolle des Hauptmanns. Schwester Ina wusste wahrscheinlich, dass ich in meinem Leben immer vorne dran sein würde."

Für das Kinderheim bedankte sich einmal mehr Herbert Knops für die Großzügigkeit der Stiftung. "Wir haben momentan kein Kind, das Martin heißt, aber der Gedanke lebt", sagte er im Hinblick auf das diesjährige Motiv. Momentan leben 85 Kinder aus der Region im Annenhof: "Sie haben in ihrem Leben schon eine Menge mitgemacht." Da kommt das Geld der Stiftung gerade recht. Wobei Knops betonte, dass man nicht ständig neue Angebote mache, sondern darauf achte, die erfolgreich laufenden Projekte nachhaltig zu gestalten - indem man beispielsweise mit dem Geld auch Personal finanziere. Beispiel für ein solches Projekt ist die Schulförderung, mit der am Nachmittag eventuelle Lücken geschlossen werden.

Seit Ende der Sommerferien kommt eine Grundschullehrerin regelmäßig vorbei, die zumindest einigen der Kinder bereits vertraut ist. "Es ist gut, die Schwester-Ina-Stiftung im Rücken zu haben", fasst Knops zusammen. Nächste Herausforderung für den Annenhof ist eine Gruppe minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge, die demnächst in Kempen eintrifft. Die ziehen in das Haus an St. Marien, in dem bisher die Tagesgruppe des Annenhofs untergebracht war.

Damit weiterhin Mittel fließen, hat sich die Stiftung entschlossen, ihr gesamtes Kapital in den Bau eines Mehrfamilienhauses mit neun Wohnungen zu stecken. Es steht am Oedter Pfad und hat gerade das Dach bekommen. Die Mieteinnahmen fließen komplett in die Stiftung. "Früher bekamen wir jährlich 20.000 Euro an Zinsen, das Geld ist komplett weggebrochen. Das war letzlich der Grund, in diese Immobilie zu investieren", sagt Wolters. Aus Sicht der Stiftung sehr erfreulich: Das Niveau des Spendenaufkommens ist stabil geblieben. Kann man eine Zahl nennen, wie viele Kinder in Kempen als arm zu bezeichnen sind? Könne man nicht, sagten alle übereinstimmend. Heiner Wirtz erwähnte allerdings, dass auch der Martinverein einen Fonds habe, um bedürftigen Kindern zu helfen: "Die Zahl hat zugenommen." Hier sind auch die Flüchtlinge einbegriffen, die aber nicht unbedingt materielle Not leiden müssen. Propst Dr. Thomas Eicker sprach von emotionaler Armut: "Sie haben ihre Heimat verloren. Wir als Kirchengemeinde sind sehr froh darüber, dass die Schwester-Ina-Stiftung dem Annenhof bei der Bewältigung seiner zahlreichen Aufgaben hilft."

Passend zum diesjährigen Motiv ist von Montag, 10. Oktober, bis Donnerstag, 10. November, in der Sparkasse eine Fotoausstellung zum Thema "St. Martin in Kempen" zu sehen. Zusammengestellt wurde sie von Karl-Heinz Hermans und einigen Mitstreitern. Ausgestellt sind unter anderem Bilder aller Martinsdarsteller seit 1913. Hinzu kommen Schnappschüsse mit vielen Kindern aus allen möglichen Zügen und Informationen darüber, was den Martinstag in Kempen zum höchsten aller Feiertage macht.

Dazu hatte gestern auch Karl-Heinz Hermanns noch etwa beizutragen. Er erinnerte an die Installation der Martinsgruppe vor 15 Jahren. Urheber war der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende im Kempener Stadtrat, Rudi Alsdorf. Der saß auch im Sparkassenbeirat und wusste um die Kulturstiftung des Geldinstituts. Sein Plan war es, den Gedanken an St. Martin ganzjährig lebendig zu haltgen. Die Ringerskulptur musste (damals durchaus nicht zur Freude aller Kempener) weichen und fand ihre neue (inzwischen längst akzeptierte) Planstelle am Museum.

Quelle: RP
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