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Stadt Kempen
Stadtbibliothek: Ein Chip für jedes Buch

Stadt Kempen: Stadtbibliothek: Ein Chip für jedes Buch
In der Stadt Haan wurde die örtliche Stadtbibliothek bereits vor einigen Jahren umgerüstet: Bücherei-Mitarbeiterin Martina Seuser mit einem Buch und dem entsprechenden elektronischen Etikett. FOTO: Matzerath
Stadt Kempen. In Kempens städtischer Bücherei soll verstärkt die Elektronik zum Einsatz kommen. Die Kunden können Bücher, die sie ausleihen oder zurückgeben möchten, künftig per Scanner selbst verbuchen. Von Andreas Reiners

Keine Angst. Kempens Stadtbibliothek im Kulturforum Franziskanerkloster soll nicht zum Selbstbedienungsladen werden. Das, was die Stadtverwaltung den Mitgliedern des Kulturausschusses für deren Sitzung am morgigen Dienstag, 8. November (18 Uhr im Rokokosaal des Klosters an der Burgstraße), zum Beschluss vorlegt, wird in vielen öffentlichen Bibliotheken bereits seit Jahren erfolgreich praktiziert: Kunden können Bücher bei der Ausleihe oder Rückgabe an speziellen Terminals selbst ein- oder ausbuchen. Möglich macht das RFID. Die vier Buchstaben stehen für Radio Frequency Identification oder auf deutsch: Radiofrequenz-Identifikation.

Was an der Kasse im Supermarkt längst praktiziert wird, was auch in der Medizin bereits Einzug gehalten hat, bedeutet auch bundesweit im Bibliothekswesen seit geraumer Zeit eine Arbeitserleichterung. Das System erinnert an die Diebstahlsicherungen von Waren in zahlreichen Geschäften. Jedes Buch ist bei diesem System mit einem Computerchip bestückt. In großen Universitätsbibliotheken oder öffentlichen Büchereien von Großstädten wie in Krefeld wird das Ausleihgeschäft längst über RFID abgewickelt.

Brigitte Behrendt von der Stadtbibliothek Mönchengladbach scannt ein Buch. FOTO: Raupold

Auch in kleineren Stadtbibliotheken wird das Selbstverbuchungssystem bereits erfolgreich angewendet. Beispiel Viersen: Die dortige Albert-Vigoleis-Thelen-Stadtbibliothek arbeitet mit der neuen Technik seit 2011, die Einführung begann bereits im Jahre 2009. Was in Viersen zu mehr Kundenfreundlichkeit und einem neuen effizienteren Einsatz der Bibliotheksmitarbeiter geführt hat, soll nun auch in Kempen Früchte tragen. Bürgermeister Volker Rübo, der als Kulturdezernent auch direkt für die Stadtbibliothek verantwortlich ist, verspricht sich auch für Kempen die Effekte, die andernorts bereits zum Tragen gekommen sind.

Zum einen sollen die Wartezeiten bei der Ausleihe oder Rückgabe in der Stadtbibliothek reduziert werden. Das trägt zu mehr Kundenzufriedenheit bei. Zum anderen soll das Personal von den mit dem Ausleihgeschäft verbundenen Verwaltungsaufgaben entlastet werden. Die Bibliotheksmitarbeiter erhalten dadurch mehr Freiraum für die Beratung von Kunden, für die eigentlichen Aufgaben wie Sprach- und Leseförderung, Vermittlung von Medien- und Recherchekompetenz, wie es Rübo in seiner Beratungsvorlage für die Sitzung des Kulturausschusses formuliert. Denn: "Die Bibliothek entwickelt sich von einem Ausleihbetrieb hin zu einem Lernort und Ort der Begegnung", so Rübo.

Die neue Technik, die übrigens nicht nur für die Ausleihe von Büchern, sondern auch für CD, DVD eingeführt werden soll, kommt auch den Wünschen vieler Bibliotheksnutzer entgegen. Sie können künftig Ausleihe und Rückgabe an speziellen Terminals selbst vornehmen. Vorteil für die Stadtbibliothek: Die Angaben auf den Chip-Etiketten an den Medien schließen in Verbindung mit dem Leseausweis Fehlbuchungen und Fehlzahlungen aus. Das System bietet darüber hinaus einen besonderen Schutz vor Diebstahl, denn ähnlich wie in Kaufhäusern gibt es am Ein- und Ausgang der Bibliotheken, die damit arbeiten, Sicherheitsschleusen. Ist ein Buch oder eine CD zuvor nicht am Terminal entsprechend verbucht worden, piepst es, wenn der Kunde die Bibliothek verlässt. Die bargeldlose Bezahlung an einem Kassenautomaten vereinfacht den Kassenprozess und macht dazu eine sicherere Kassenverwaltung möglich.

Bezogen auf die Kempener Stadtbibliothek gibt es Unterstützung vom Land - sowohl in fachlicher Hinsicht in der Einführungsphase als auch finanziell. Das Land hat für die Jahre 2018 und 2019 ein umfassendes Förderprogramm aufgelegt und davon könnte Kempen bei dem Projekt profitieren. Die Stadt könnte 60 Prozent der Kosten über einen Förderzuschuss des Landes abdecken, müsste sie nur einen Eigenanteil von 40 Prozent tragen.

Zu den Kosten: Die Stadt rechnet mit Gesamtkosten von etwa 175.000 Euro für die technische Umrüstung - Etikettierung der Medien, Installation von Terminals und Kassenautomat sowie Sicherheitsschleuse und entsprechend ausgestatteten Arbeitsplätzen für Bibliothekspersonal. In der Kalkulation ist auch die Schulung des Personals für das neue System enthalten. Für die Wartung der neuen Technik müssen jährlich etwa 5000 bis 6000 Euro kalkuliert werden, die vom Land allerdings nicht bezuschusst werden.

Die Einführung des Systems soll 2017 starten und dann über die folgenden beiden Jahre 2018 und 2019 umgesetzt werden. Insgesamt müssen etwa 50.000 Medien aus dem Bestand der Kempener Stadtbibliothek für die neue Technik vorbereitet, das heißt mit Chip-Etiketten versehen werden. Langfristig, so Bürgermeister Rübo, könne mit dem neuen System eine volle Stelle beim Personal eingespart werden.

Quelle: RP
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